Alba Berlin : Ansu Sesay: Noch cooler in Europa

Albas Neuzugang Ansu Sesay hat in den ersten zwei Spielen überzeugt. Berlin gefällt ihm gut - und passt zu seinem Lieblingswort.

Helen Ruwald
Ansu Sesay
17 Punkte in 16 Minuten. Sesay führte Alba gegen Gießen zum Sieg.Foto: ddp

Berlin -Vor zwei Wochen war Ansu Sesay vor allem der Mann mit dem ungewöhnlichen Namen. „Gesegnetes Kind“ bedeutet Ansu in einem der Dialekte von Sierra Leone, der Heimat seiner Eltern. Doch nach zwei Spielen in der Basketball-Bundesliga ist Ansu Sesay auch der Mann, der in 16 Minuten 17 Punkte machte. So geschehen am vergangenen Wochenende, als der US-Amerikaner den Deutschen Meister Alba Berlin beim Tabellenletzten Gießen zum mühsamen Sieg trieb. Schon zum Auftakt gegen Quakenbrück hatte er mit 16 Punkten und sechs Rebounds überzeugt.

Nicht klangvollere, aber bekanntere Namen hatten andere Neuzugänge – spektakulärere Positionen auch. Steffen Hamann ist Spielmacher der deutschen Nationalmannschaft, Rashad Wright spielt ebenfalls auf der exponierten Position des Aufbauspielers. Casey Jacobsen war mit Bamberg Deutscher Meister und kam direkt aus der NBA. Von Ansu Sesay hingegen, der heute mit Alba gegen die Telekom Baskets Bonn spielt (17 Uhr, O2-World), wollte vor dem Bundesligastart kaum jemand etwas. Dabei sprachen die Statistiken für sich: In der Europaliga machte der 2,06 Meter große Linkshänder im Schnitt zehn Punkte für Eldo Neapel und zuletzt für Armani Mailand. Doch zwei Bundesligaspiele haben ihm gereicht, um auch in Berlin zum Hauptdarsteller zu werden. Alba Geschäftsführer Marco Baldi überrascht das nicht: „So haben wir uns das gedacht. Er hat internationale Reputation. Es zeichnet Sesay aus, dass er unter dem Korb Qualitäten hat, aber auch ein starker Dreierschütze ist.“

Der Power Forward fällt nicht nur durch starke Würfe auf, sondern auch durch unübliche Statements. Neue Alba Spieler betonen oft, dass die erstklassige Organisation des Klubs mitentscheidend für die Vertragsunterzeichnung gewesen sei. Der 32-jährige Sesay verzichtet auf Lobhudeleien. „In Mailand sollte das ganze Team ausgetauscht werden. Und Albas Trainer Luka Pavicevic wollte mich unbedingt haben“, erzählt er.

Bei Kollegen erkundigte er sich nicht so sehr dem Team als nach seinem neuen Wohnort. „Ich hatte schon viele Trainer, ich komme mit jedem zurecht. Aber ich wollte sichergehen, dass die Stadt cool ist“, sagt er. Schließlich hat Sesay Neapel als ziemlich „verrückt“ in Erinnerung. Was er über Berlin hörte, schien ihm „cool“ genug zu sein für sich, seine Frau, den zwei Monate alten Micah und den dreijährigen Kaden. „Cool“ gehört zu den Lieblingswörtern von Ansu Sesay, der nach dem Training, den Kopf unter einem herunterhängenden Handtuch versteckt, bereitwillig von seinem Leben erzählt. Dabei ist er weit weniger wortkarg als etwa seine Teamkollegen Immanuel McElroy und Rashad Wright.Warum er ein Stirnband trägt? Natürlich als Schweißfänger, aber auch „weil es cool aussieht“.

In den USA hat er wie viele Jungs Basketball und American Football gespielt, „aber ich bin immer weiter gewachsen“, sodass irgendwann klar war, dass kein Footballer aus ihm werden würde. 1998 drafteten die Dallas Mavericks den herausragenden Spieler der Universität von Mississippi – im gleichen Jahr wie Dirk Nowitzki. Doch ein gemeinsamer Karrierestart in der NBA war ihnen nicht beschieden. „Ich habe einen Tag mit Dallas trainiert und mir dann den Fuß gebrochen“, erzählt er lachend. Dazu kam der Lockout, der Streik in der NBA.Ein Jahr später verließ Sesay die Texaner wieder, ohne ein einziges NBA-Spiel bestritten zu haben. Drei Jahre dauerte es, bis er in der US-Profiliga doch noch sein Debüt gab – für die Seattle Supersonics. 127 NBA- Spiele bestritt Sesay für Seattle und die Golden State Warriors, ehe er 2005 nach Italien zu Sedima Roseto wechselte.

„In Europa kann ich viel spielen und werde dabei auch noch gut bezahlt“, sagt Sesay. „In der NBA habe ich immer hinter Leuten gespielt, die zig Millionen verdienen. Die mussten spielen, da bleibt keine Spielzeit übrig.“ Sesay kam auf nicht mehr als zehn Minuten Einsatzzeit im Schnitt – und entschloss sich zum Umzug nach Europa, wo er schnell ein Leistungsträger war. So wie auch jetzt in Berlin, nach nur zwei Bundesligaspielen.

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