Alba Berlin : „Basketball kann Türen öffnen“

Axel Schweitzer, Sponsor und Aufsichtsrat von Alba Berlin, spricht über die Reise der Basketballer nach China und Sport als PR.

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Herr Schweitzer, haben Sie eigentlich einen chinesischen Namen?

Ja – auf der chinesischen Visitenkarte.

Und wie lautet er?

Ich weiß ihn nicht auswendig, aber er ist angelehnt an den deutschen. Es gibt auch ein chinesischen Namen für Alba: o lü bao. O bedeutet Europa, lü bedeutet Grün/Umwelt und bao Schutz. Die Übersetzung wäre also „europäischer Umweltschutz“.

Woher kommt Ihre Affinität zu China, die nun dazu geführt hat, dass die Profibasketballer von Alba Berlin seit Donnerstag ihr Trainingslager dort abhalten?

Ich bereise China seit langem, das erste Mal Mitte der Neunzigerjahre mit der damaligen Umweltministerin Angela Merkel. Ich war Teil einer Delegation. Seitdem komme ich regelmäßig geschäftlich dorthin. Wir verkaufen viele unserer Rohstoffe nach China und sind heute der größte Exporteur von Sekundärmetallen aus Europa nach China.

Was hat sich seit Ihrer ersten Reise in China verändert?

Lange hatte Umwelt keine Bedeutung auf der mittleren und höheren chinesischen politischen Ebene. Das hat sich in den letzten Jahren enorm gewandelt. Weil China erkannt hat, dass es, um weiter wachsen zu können, zwei Herausforderungen hat: Es braucht genügend Rohstoffe, und es muss sein Abfallproblem lösen. Der Abfall ist ja ein Spiegelbild des wachsenden Konsums und der steigenden Produktion.

Ist das Basketballteam von Alba Berlin ein PR-Instrument der Alba-Gruppe?

Wenn ich jetzt nein sage, glauben Sie mir das nicht und wenn ich ja sage, wäre es viel zu kurz gegriffen. Sagen wir: Basketball ist eine faszinierende Sportart, sie kann Türen öffnen. PR-Instrument, das klingt so, als würde man ein Feuerwerk abbrennen und morgen wieder einpacken. Wir aber machen Dinge nachhaltig. Das Thema Basketball trage ich aufgrund meiner Person und Verantwortung immer in mir. Ich habe schon vor fünf, sechs Jahren in China Basketballspiele gesehen. Das Niveau war ein sehr niedriges, es erinnerte mich daran, als Alba noch in der Sömmeringhalle spielte. Aber wenn man sich die Zahlen anschaut, ist Basketball der größte Sport in China. Es spielen mehr Leute Basketball als Tischtennis.

Was bezwecken die Basketballer von Alba Berlin mit der China-Reise und der Teilnahme an einem Turnier in Peking?

Wir glauben, dass für Alba Berlin eine Chance besteht, eine Brücke zu schlagen. Wir können Dinge geben und Dinge lernen. Wir sind in Sachen Professionalität und Vermarktung mit führend in Europa und können damit in China ein Beispiel geben. Auf der anderen Seite können wir auch profitieren. Wir prüfen gerade Kooperationen mit chinesischen Vereinen.

Mit welchem Verein und wie sieht diese Kooperation aus?

Geben Sie uns ein bisschen Zeit, dann werde ich das ganz konkret beantworten. Wir sind aber nicht die einzigen, die im Basketball sagen: China ist ein interessanter Markt.

Es gibt auch Punkte, die gegen eine solche Reise als Saisonvorbereitung sprechen: der Jetlag, die schlechte Luft, die unsichere Ernährung. Die Nationale Antidoping-Agentur warnt Leistungssportler explizit davor, in China Fleisch zu verzehren, weil es mit Clenbuterol kontaminiert und einen positiven Dopingtest verursachen könnte. War es schwierig, Ihren Trainer von der Reise zu überzeugen?

Es war kein Punkt, bei dem man Gordon Herbert überzeugen musste, er war dem Ganzen gegenüber sehr aufgeschlossen. Er will ja das Team als Mannschaft stärken und die neuen Spieler integrieren. Eine Gemeinschaft entsteht ja nicht dadurch, indem man sagt: We are one team. Sondern aus gemeinsamen Erfahrungen, auch dann, wenn es mal anfängt, weh zu tun. Und das bedeutet, aus der Komfortzone rauszukommen. China ist dafür eine gute Möglichkeit. Weil es halt anders ist.

Haben Sie auch das Thema Ernährung angesprochen?

Wir haben das auf der Agenda, unser Sportdirektor Mithat Demirel hat sich damit beschäftigt. Wir sind recht zuversichtlich, dass wir das im Griff haben.

Alba ist in den vergangenen acht Jahren nur einmal Meister geworden, und im nächsten Jahr dürfte es noch schwieriger werden. Wie sehen Sie die Chancen mit der neuen Mannschaft?

Natürlich wollen wir immer Meister werden. Aber in der nächsten Saison wird die Bundesliga so stark sein, wie wir sie noch nie erlebt haben. Das Ziel der Bundesliga muss es sein, zur stärksten Liga in Europa zu werden. Ich glaube, dass wir alle Möglichkeiten dazu haben. Wir werden in der nächsten Saison einen dramatischen Sprung erleben. Ich habe mich noch nie so auf eine Saison gefreut wie in diesem Jahr mit Bayern, Oldenburg, Bamberg und Frankfurt. Da sind wir sicher nicht diejenigen, die den höchsten Spieler-Etat haben. Deshalb haben wir auch nicht ein Anrecht darauf, zu glauben, dass wir automatisch Deutscher Meister werden. (Eine Mitarbeiterin reicht einen Zettel herein.)

Steht dort Ihr chinesischer Name?

(lacht) Ich freu mich jedes Mal wieder darüber. Der Name Schweitzer ist unendlich schwierig auszusprechen, deshalb heiße ich auf Chinesisch: Shi wei hao. Das bedeutet so viel wie, dass mir nichts unmöglich zu sein scheint. Das klingt schon ganz gut, es gibt Schlimmeres.

Das Gespräch führte Benedikt Voigt.

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