Sport : Alba Berlin: Basketballer humpeln ins Finale

Helen Ruwald

Michael Treptes Hände sind wichtig dieser Tage für Alba Berlin. Mit ihrer Hilfe will die Mannschaft am Sonnabend das erste Endspiel um die deutsche Meisterschaft gewinnen. Trepte ist kein Spielgestalter wie Derrick Phelps, kein giftiger Verteidiger wie Jörg Lütcke und kein Rebound-Spezialist wie Dejan Koturovic. Er kann gar nicht Basketball spielen. "Ich habe richtigen Sport gemacht", sagt der 36-Jährige lachend. Karate nämlich, da war er Europameister der Junioren und Deutscher Mannschaftsmeister.

Jetzt ist Michael Trepte Physiotherapeut des Meisters, der sich zum fünften Mal in Folge den Titel sichern will. Und gut beschäftigt mit den Vorbereitungen aufs Finale: Kühlen, Massieren, Lymphdrainagen. "Das ist anstrengender als letztes Jahr", sagt er. Alba humpelt nämlich den Endspielen entgegen. Dejan Koturovic zog sich im Suproleague-Viertelfinale Mitte April gegen Athen eine Kapsel- und Bänderdehnung im linken Fuß zu, die ihn immer noch quält. Jörg Lütckes Sehnenreizung im rechten Fuß stammt gar vom dritten Spiel gegen Iraklis Saloniki Anfang April. Am Wochenende kamen noch Teoman Öztürk und Stipo Papic als Patienten dazu. Papic konnte sich beim Training plötzlich nicht mehr rühren, Wirbel blockierten, auch mit Wärmebehandlung bekam Trepte ihn bis zum Spiel gegen Gießen nicht fit. Da knickte dann Öztürk mit dem rechten Fuß um, Diagnose: Bänderdehnung. Wenigstens hat Phelps seine Schulterverletzung aus den Viertelfinalspielen gegen Frankfurt überwunden.

Dass so viele Profis zum Saisonende angeschlagen sind, könne vielfältige Gründe haben, sagt der Physiotherapeut - Umknicken durch Unkonzentriertheit, Übermotivation, größere Härte in der entscheidenden Phase, weil eine Niederlage das Aus bedeuten kann. Auf die Play-offs bereitete sich Alba mit hartem Krafttraining vor, ging "mit müden Beinen" (Trepte) in die Partien gegen Frankfurt. Die Skyliners waren stärker als im Vorjahr Brandt Hagen, die Zweikämpfe härter. Nicht optimal, wenn der Körper eigentlich nach Schonung schreit.

Papics Rückenprobleme sind inzwischen abgeklungen, aber Lütcke und Koturovic werden ihre Schmerzen wohl bis zur letzten Spielminute der Saison nicht los werden. "Ich bräuchte ein paar Tage Pause", sagt Jörg Lütcke, "aber ich kann vor dem Finale nicht drei Tage nicht trainieren." Wechselbäder und häufiges Kühlen müssen reichen. Dejan Koturovic hat mehrmals täglich einen Termin bei Trepte. Der massiert ihn und lässt ihn Kräftigungsübungen machen. Gegen die Schmerzen bekommt er Salbenverbände, beim Spiel trägt Koturovic eine Stützbandage. "Die Muskelzelle ist auch nur ein Mensch", sagt Trepte, bei zunehmender Intensität und Spieldauer "denkt die sich, was ist denn jetzt los". Koturovic bekommt den Protest zu spüren: Der Fuß tut immer mehr weh. "Er muss gleichzeitg gegen die Schmerzen kämpfen und spielen", beschreibt Trainer Emir Mutapcic das Dilemma. Die Leistung leidet, wie am Sonntag, als dem Center in der ersten Halbzeit überhaupt nichts gelang.

Natürlich achte er darauf, dass die Spieler "nicht verheizt werden", sagt Trepte. Albas Manager Carsten Kerner weiß, dass Koturovic "vier bis sechs Wochen Pause bräuchte. Aber es hilft nichts, da muss er durch. Nach der Saison kann er den Fuß hochlegen." Möglichst als Deutscher Meister.

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