Sport : Alba Berlin: Basketballer wider Willen

Helen Ruwald

Beim 1. FC Grünweiß Paderborn fing alles an. Stefano Garris, Sohn einer Italienerin und eines Amerikaners, schoss als kleiner Stürmer Tor um Tor. Wenn sein Vater, ein US-Soldat, mit Kollegen Basketball spielte, "habe ich als Knirps ein bisschen zugeguckt und dann mit meinem Zwillingsbruder in einer Ecke Fußball gespielt", erinnert sich der 22-jährige Profi von Alba Berlin. Basketball, das war nichs für ihn. Er schwärmte für den FC Bayern.

Als er zehn Jahre alt war, zog seine Familie für drei Jahre nach Raleigh, North Carolina. Die Schulmannschaft, die 79er Raleigh Caps, zählte zu den besten Fußballteams der USA - doch in der Freizeit hatte Stefano ein Problem. "Ich habe gefragt, wo denn hier die Fußballplätze sind", sagt Garris, der morgen mit Alba zum ersten Finalspiel um die Deutsche Meisterschaft gegen Telekom Baskets Bonn antritt (14.45 Uhr, Max-Schmeling-Halle), "da hieß es: Fußball spielt man hier nicht." Dafür hingen überall diese Körbe rum. Garris wurde notgedrungen Streetballer - und war begeistert.

In Deutschland spielte er wieder Fußball und ging nur einem Freund zuliebe mal mit zum Basketballtraining. Der Trainer erkannte das Talent des 13-Jährigen, doch der blieb stur. "Mein Sport ist Fußball", beharrte er. Der Trainer sprach bei der Mutter vor, vergebens. Hauptsache, der Junge bekam Bewegung, bei welchem Sport, war ihr egal. 14 war Garris, als er, endlich überredet, zum Basketball wechselte. Nach einem Jahr Zweite Liga mit Forbo Paderborn zog er 1998 nach Berlin. Bislang spielte er mit Doppellizenz für den Zweitligisten TuS Lichterfelde und für Alba, ab der kommenden Saison ist er nur noch für Alba am Ball.

Zunächst lief es nicht gut. Ein Gegenspieler donnerte Garris die Faust auf den Kopf. Eine Zyste platzte, er musste operiert werden und fiel fünf Monate aus. Er kämpfte sich wieder heran und hatte am 16. Dezember 1999 seinen ersten großen Auftritt. Alba spielte bei Panathinaikos Athen, dem späteren europäischen Champion. Der damalige Trainer Svetislav Pesic wechselte Garris gegen die griechischen Stars ein. Der Nachwuchsmann dachte sich "oh, wow", spielte frech und verblüffte alle, als er den Ball aus acht Metern im Korb versenkte und drei Punkte sicherte. Alba siegte sensationell.

Der Riesensatz nach vorne folgte in dieser Saison. Garris kam so häufig zum Einsatz, dass er sich selbst wunderte. "Das hätte ich nie für möglich gehalten. Manchmal spiele ich 20 Minuten", staunt er. Sein Leben spielte sich zwischen Schwelm und Saloniki, Wolmirstedt und Moskau ab. Donnerstags Suproleague, freitags Zweite Liga mit TuSLi, samstags Bundesliga mit Alba. Provinzmief versus Weltstadtflair. Da könnte man meinen, die Einsätze für TuSLi seien nur lästige Pflicht gewesen. "Nein, sagt Garris, "ich will immer gewinnen. Mir ist es egal, ob in der Halle ein Zuschauer ist oder 8000. " In der Zweiten Liga wurde er zum Leistungsträger, der die Jüngeren führte, "das war eine neue Erfahrung. Und dort steht man nicht so unter Druck."

International fehlt ihm Erfahrung, in der Bundesliga kann Garris Spiele herumreißen. In den Play-offs spielte er bislang stark. "Meine Aufgabe ist es, Feuer ins Spiel zu bringen und dem Gegner in der Verteidigung keine Chance zu lassen." Manchmal ist er übermotiviert, so wie gegen Leverkusen im März. Nach fünf schnellen Fouls saß er wieder auf der Bank. Wenige Tage später machte er gegen Bonn zehn Punkte. Das will Garris morgen wiederholen. "Wir müssen sehen, dass wir Bonn schnell putzen."

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