Sport : Alba Berlin: Bayern München des Basketballs

Benedikt Voigt

Der Basketball-Bundestrainer stammt aus Finnland, vielleicht sagt er deshalb diesen Satz. "Für mich ist der deutsche Fußball allein Bayern München", erklärt Henrik Dettmann, "trotzdem ist die Fußball-Bundesliga nicht langweilig." Was er damit sagen will: Eine Liga mit einer dominierenden Mannschaft kann attraktiv und spannend sein. Allerdings hat Bayern München auch noch nie fünf Deutsche Meistertitel in Folge gewonnen.

Genau dieses Ziel hat sich Alba Berlin für die Play-offs vorgenommen, die heute mit dem Spiel gegen die Opel Skyliners (15 Uhr 30, Max-Schmeling-Halle) beginnen. Es müsste schon etwas Außergewöhnliches passieren, damit der Deutsche Meister in dieser Saison nicht Alba Berlin heißt. "Wenn alle gesund bleiben, gibt es keinen Grund, warum Alba nicht wieder Deutscher Meister wird", sagt der Bundestrainer. Mit 14 Punkten Vorsprung beendete die Mannschaft von Trainer Emir Mutapcic die Punkterunde. Lediglich zwei Spieltage vor Saisonschluss leistete sich das Team beim Mitteldeutschen BC die erste und einzige Niederlage der Bundesligarunde. Platz eins war schnell vergeben, und auch für die Play-offs gilt die Frage: Wer soll Alba stoppen?

"Das hängt von uns ab", sagt Marco Baldi. Der Manager von Alba Berlin kann es sich sogar vorstellen, dass die Opel Skyliners sein Team in der Best-of-Five-Serie ärgern kann. "In den Play-offs ist alles ein bisschen anders, ein verlorenes Spiel kann die ganze Serie drehen." Es fällt allerdings schwer zu glauben, dass ausgerechnet Frankfurt die Mannschaft sein soll, die Alba Berlin rauswirft. Die Mannschaft, die vor der Saison zu den erweiterten Titelkandidaten zählte, hat eine schlimme Saison hinter sich und landete auf dem enttäuschenden achten Platz. Am Donnerstag kündigte der Klub dem Centerspieler Tom Widemann, der seine Rückenprobleme nicht rechtzeitig auskurieren konnte. Die Verletzungsprobleme der Frankfurter waren zeitweise so akut, dass Manager Gunnar Wöbke mittrainierte, weil zu wenig Spieler fit waren. Trainer Stefan Koch hat seinen Rückzug zu Saisonende angekündigt. Es sieht momentan nicht danach aus, als könnte Frankfurt die Berliner dreimal schlagen. Wer dann?

"Leverkusen oder Bonn", sieht Baldi als die großen Konkurrenten, "auch Gießen oder Würzburg sind gefährlich." Im Halbfinale träfen die Berliner auf einen der beiden letztgenannten Klubs. Immer wieder weist der Manager daraufhin, dass dies "die stärkste Bundesliga ist, die wir jemals erlebt haben". Trotz des großen Vorsprungs der Berliner. "Wir haben einige Spiele mit Glück gewonnen", sagt Baldi, "und wir haben konstant an der oberen Leistungsgrenze gespielt." Soll heißen: Nicht die anderen Klubs sind so schwach, sondern Alba Berlin ist so stark.

Der Bundestrainer findet das gut. "Das muss ein Beispiel für die anderen sein", sagt Dettmann. Langweilig findet er die Dominanz der Berliner nicht. "Überall wo Alba auftritt, ist es ein Highlight der Saison." Das sei auch gut für die Spieler von Alba Berlin. "Sie müssen jedesmal an ihrem oberen Level spielen", sagt der Trainer der Nationalmannschaft. Ein Klub, der die Liga dominiert, wecke auch Gefühle. "Da ist Liebe und Hass involviert", sagt Dettmann, "einem Klub wie Oberelchingen würde das nie gelingen." Allerdings fände es der finnische Basketball-Coach gut, wenn es in Berlin noch einen zweiten Bundesligisten gäbe. "Dann müsste sich der Taxifahrer entscheiden, für welche Mannschaft er jubelt."

Den großen Gegenspieler von Alba Berlin gibt es in der Bundesliga momentan nicht. Vielleicht erwächst Alba ja in den Cologne 99ers ein ernstzunehmender Konkurrent. Der ehemalige Alba-Spieler Stephan Baeck bemüht sich dort als Manager, vom Erstliga-Aufsteiger Rhöndorf die Lizenz für die Bundesliga zu bekommen. Köln konnte in der 18 000 Zuschauer fassenden Kölnarena antreten, Rhöndorf würde die Talente in der Zweiten Liga zuliefern. Baeck versucht auch, den ehemaligen Alba-Coach Svetislav Pesic als Trainer zu gewinnen. Die Parallelen zu den Berlinern sind erstaunlich. "Es ist klar, dass man beim Markführer in Deutschland schaut, wie die das machen", sagt Baldi. Noch aber hat Köln keine Lizenz, und Frankfurt muss den ersten Versuch unternehmen, den Meister zu stürzen.

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