Alba Berlin beim Pokalturnier : Von Eingeweiden zu Knochen

Keine 48 Stunden nach dem Aus in der Europaleague will Alba Berlin an diesem Wochenende in Oldenburg den Pokal verteidigen. Im Halbfinale treffen die Berliner am Samstag (17 Uhr) auf Bamberg.

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Bamberg im Blick. Berlins Alex King will im Pokal-Halbfinale (17 Uhr) siegen.
Bamberg im Blick. Berlins Alex King will im Pokal-Halbfinale (17 Uhr) siegen.Foto: dpa

In Alex King brodelte es. Der Kapitän von Alba Berlin war gefragt worden, ob er enttäuscht sei, aus der Euroleague ausgeschieden zu sein, oder eher stolz auf die starke Europapokal-Saison. „Wir sind total happy“, blaffte King schweißüberströmt am Spielfeldrand zurück, bevor er klarstellte: „Wir sind natürlich enttäuscht, wir haben die größte Chance vergeben, die der deutsche Basketball je hatte.“

Auch im letzten von 24 Euroleague-Spielen hatten die Berliner einen großen Kampf geliefert. Aber sie hatten dennoch durch das 64:73 am Donnerstagabend gegen Maccabi Tel Aviv verpasst, als erste Deutsche das Viertelfinale zu erreichen. Der Frust stand allen Berlinern ins Gesicht geschrieben. Da half der Applaus der über 14 000 Zuschauer so wenig wie das Lob von Guy Goodes. „Ich muss Alba gratulieren für diese Saison“, sagte der Maccabi-Coach, „Berlin hat wirklich einen einzigartigen Stil entwickelt, wir kamen mit Sorge hierher, ob wir dieser Aggressivität standhalten können.“ Doch die Klasse und Erfahrung des Euroleague-Champions aus Israel setzten sich durch. „Das war eine gute Schule, auch für mich als Coach“, sagte Sasa Obradovic. „Das nächste Mal werden wir besser sein.“ Wann es eine neue Chance auf das Viertelfinale gibt und ob Alba eine bessere Bilanz erreicht als sieben Zwischenrundensiege, steht in den Sternen. Es war vor allem die Einmaligkeit dieser historischen Möglichkeit, die so schmerzte.

Doch die Berliner haben keine Zeit, sich Wehklagen hinzugeben. „Es war eine großartige Euroleague-Saison, aber jetzt attackieren wir andere Titel“, sagt Obradovic bemüht kämpferisch. Doch der Trainer blickte selbst skeptisch auf das nationale Pokalturnier an diesem Wochenende in Oldenburg, wo Alba seinen Titel verteidigen will. „Nach weniger als 48 Stunden Pause ist es unmöglich, unseren besten Basketball zu spielen“, sagte er vor dem Halbfinale gegen Bamberg (17 Uhr, kostenpflichtig bei Telekombasketball.de). „Es wird schwer, emotional und physisch eine große Motivation zu finden. Aber wir geben alles, das ist unser Markenzeichen.“

Im Pokal sollen bei Alba die Reservisten neue Energie einbringen

Gegen Tel Aviv hatte Obradovic auf seine erfahrensten Profis vertraut, die trotzdem „zu aufgeregt waren für so ein Spiel“. Nun sollen die kaum bis gar nicht eingesetzten Reservisten neue Energie einbringen gegen den Bundesliga-Tabellenführer, der 18 der letzten 19 Ligaspiele gewann. Doch mehr als der Körper macht der Kopf Sorge. „Mental wird es schwieriger, den Schalter umzulegen als physisch“, sagt Geschäftsführer Marco Baldi. Auch er hatte die hängenden Köpfe um ihn herum bemerkt nach dem verpassten Eingang in die Euroleague-Geschichte. „Das geht an die Eingeweide“, erklärte Chefchirurg Baldi, „aber wir können es nicht groß sezieren. Es geht gleich weiter. Wir müssen das Objektiv in die andere Richtung drehen und die heißt: Bamberg.“

Marco Baldi kritisiert die Bundesliga-Führung

Doch auch der physische Aspekt lässt Alba vor dem Pokalturnier nicht los. Baldi erneuerte seine Kritik an der Bundesliga-Führung, die als Veranstalter das Spiel des Titelverteidigers nicht um 20 Uhr ansetzte, wenn Gastgeber Oldenburg auf Bonn trifft, sondern um 17 Uhr. „Es geht nicht um drei Stunden“, sagte Baldi, „sondern um den Tagesablauf davor, ob wir vorher noch einmal zumindest halbintensiv trainieren können.“ Die Bamberger hatten eine Woche Zeit, sich auf Alba vorzubereiten. Das taten sie offenbar in der Metzgerei. „Wir werden in diesem Spiel sehr, sehr oft das Geräusch von Knochen auf Knochen hören, zumindest von Fleisch auf Fleisch“, sagte ihr Trainer Andrea Trinchieri. So viel Martialität hat der Titelfavorit laut Baldi wohl gar nicht nötig. Nach der Verpflichtung von NBA-Profi Darius Miller wüssten die fränkischen Rivalen „gar nicht, wen sie aufstellen sollen vor lauter Qualität“. Dazu kommt der vermeintliche Vorteil, dass Bamberg vor einem Monat aus dem Eurocup ausschied. Ein Grund mehr für Baldi, erneut die Liga anzugreifen. „Wenn wir wollen, dass deutsche Teams international erfolgreich sind, müssen wir auch Weichen stellen.“ Etwa, indem die Zahl der Bundesligisten reduziert wird oder ein Euroleague-Viertelfinale im Spielplan mitbedacht wird.

In Oldenburg wird es Zeit für Gespräche mit der Liga geben. Um vielleicht auch die Frage zu erörtern, was die Euroleague-Saison Alba gebracht hat. „Diese Erfahrung wird uns später in den Play-offs helfen“, sagte Baldi, ohne genau auszuführen, wie. Dann werden die Spieler schon über 60 Pflichtspiele in den Knochen haben. Am Donnerstag wirkten sie nur platt und enttäuscht. Aber das kann sich nach zwei Pokalspielen ändern.

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