Alba Berlin: Besuch beim Hauptsponsor : Trash Talk einmal anders

Albas Basketballer besuchen eine Müllanlage, um trotz Siegen nicht abzuheben.

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Der Geruch des Erfolges. Pokalsieger Alba Berlin beim Besuch in der Recyclinganlage des Hauptsponsors.
Der Geruch des Erfolges. Pokalsieger Alba Berlin beim Besuch in der Recyclinganlage des Hauptsponsors.Foto: promo

Akeem Vargas und Alex King packen gerne zu, in der Abwehrarbeit bei Alba Berlin. Als die beiden Basketballer ans Förderband treten und Müll sortieren sollen, sind sie etwas zurückhaltender. Sie müssen sich sichtlich überwinden, obwohl sie nur für ein Foto posieren und nicht wirklich nach den anrollenden Plastikabfällen greifen müssen.

Die Sportler sind zu Gast auf ungewohntem Terrain, eingeladen zu einem Besuch in der Mülltrennungsanlage ihres Hauptsponsors in Mahlsdorf. Unzählige Fliegen schwirren herum, Maschinen dröhnen, Fließbänder rattern, die Luft ist stickig und der Geruch... nun ja, jeder, der schon einmal ein bis zwei Wochen vergessen hat, den Müll herauszutragen und dann den Tonnendeckel öffnete, kann ihn sich vorstellen.

Eigentlich haben die Berliner Basketballer gerade keinen Grund, die Nase zu rümpfen. Nach ihrem Pokalsieg vor einem Monat haben sie acht Bundesligaspiele in Serie gewonnen und sich Tabellenplatz drei gesichert für die Play-offs, die in gut zwei Wochen beginnen.

Doch im Erfolg sollen sie wieder an die Grundlagen erinnert werden. Als erstes Team der Klubgeschichte besuchen sie eine Recyclinganlage. „Es ist fast in den Hintergrund gerückt, dass Alba nicht nur für ein Basketballteam steht, sondern auch für ein Unternehmen dahinter“, sagt eine Firmensprecherin, als die Spieler aus der Trainingshalle zum Bus laufen. Alle tragen gelbe Play-off-T-Shirts, ein Hauch Klassenfahrt liegt in der Luft.

Leon Radosevic fehlt, der Center ist am Vorabend beim 85:74-Sieg gegen Würzburg umgeknickt. Während Firmenchef und Klubaufsichtsrat Axel Schweitzer vorne im Bus zum Mikrofon greift und einen Vortrag über das Recyclinggeschäft halt, kommt hinten das Untersuchungsergebnis an: Radosevic hat eine Knochenprellung im Innenknöchel und einen Teilriss des Außenbandes erlitten. Er fällt zwei bis drei Wochen aus.

„Ein großer Verlust“, sagt Trainer Sasa Obradovic. „Er ist ein Schlüsselspieler.“ Selbst wenn der Kroate in der ersten Play-off-Runde zurückkehrt, könnte die Verletzung ihn und das Team aus dem Rhythmus bringen. Nichts fürchtet Obradovic mehr, der trotz der Siegesserie ständig Kleinigkeiten kritisiert. „Es geht nicht nur ums Gewinnen“, sagt der Serbe, „wir müssen kritisch bleiben, um nicht arrogant zu werden.“

Er wird unterbrochen, als ein Schwarm Fliegen den Bus umzingelt. Die Spieler steigen aus, einige verziehen das Gesicht bei dem Gestank. „Wie zu Hause“, sagt Sven Schultze und lacht. Dann zeigt sich der Kapitän interessiert, bei der Begrüßung des Tourführers fragt er: „Hier kommen also alle gelben Säcke aus Berlin an, werden nochmal sortiert und landen in den Paketen da?“ Er deutet auf die Würfel aus Plastikmüll, die wie Heuballen gestapelt herumstehen. Beim Treppensteigen in der muffigen Anlagenluft muss Schultze mehrmals niesen, der Führer ist im Krach kaum zu verstehen.

Als der Rundgang beendet ist, posieren die Spieler vor den Müllstapeln. „Jubelt mal, als wollt ihr sagen: Hier kommt unser Geld her!“, ruft der Fotograf. Trainer Obradovic dreht sich der Magen, Center Levon Kendall checkt sein Handy, die Magneten der Anlage haben einen schwarzen Fleck auf dem Display hinterlassen. Aber der Kanadier ist positiv beeindruckt, er ist Umweltaktivist und will Alba um Hilfe bitten für seine Stiftung, die Recycling in einem kenianischen Slum unterstützt.

Auf der Rückfahrt schwirren immer noch Fliegen im Bus herum. „Man bekommt schon großen Respekt vor den Leuten, die am Sortierband und auf dem Müllwagen arbeiten“, sagt Schultze, das helfe auch dem Team. „Wir dürfen nicht abheben, die Play-offs können nach einer Runde vorbei sein.“ Dann wäre es, trotz aller Erfolge bisher, am Ende ein wenig eine Saison für die Tonne.

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