Alba Berlin : Der Kampf um jede Minute

Nach einjähriger Verletzungspause schuftet Nationalspieler Johannes Herber für seinen Platz in Albas Team.

Helen Ruwald

Berlin - 16 Minuten und 46 Sekunden. Persönliche Bestzeit. Als Alba Berlin am Wochenende nach hoher Führung in Düsseldorf verlor, durfte sich zumindest Johannes Herber ein bisschen freuen. Trainer Luka Pavicevic ließ den deutschen Basketballnationalspieler knapp 17 Minuten aufs Feld – so lange wie schon lange nicht mehr. In der gesamten Saison 2007/08 kam Herber auf 38 Minuten Spielzeit, in dieser Saison auf bislang 28 Minuten in drei Bundesligaspielen. „Jetzt geht es aufwärts“, sagt der 25-Jährige erleichtert. Im Oktober 2007 war im Training das Kreuzband im linken Knie gerissen. Mehrfach hatte Herber sich wieder aufgerappelt – und war immer wieder von Verletzungen gestoppt worden.

In Düsseldorf, wo Herber neun Punkte machte, war er es, der von Blessuren und Krankheiten seiner Teamkollegen profitierte. Vier Leistungsträger fehlten, da kam Pavicevic nicht mehr an Herber vorbei. Das war in den vergangenen Wochen noch anders. Obwohl Albas Antreiber Julius Jenkins seit Mitte November ausfällt, durfte Herber seinen Platz nur sporadisch einnehmen und kam in manchen Spielen gar nicht zum Zug. Pavicevic vertraute nur acht, neun Spielern, der Nationalspieler wurde vom Tribünengast zum Bankhocker. Dafür hatte er sogar ein gewisses Verständnis: „Es war schwierig für mich, aber ich wusste auch, dass mir noch einiges fehlt“, sagt er.

Deshalb geht Herber auch nicht davon aus, dass er sich endgültig ins Team gespielt hat. „Der Kampf ist noch nicht geschlagen, ich muss noch viele Kämpfe bestehen.“ Schon heute könnte er im Europaligaspiel gegen den Gruppenersten Tau Vitoria (20 Uhr, Arena am Ostbahnhof) wieder in die zweite Reihe rücken. Schließlich ist die Konkurrenz riesig und die fehlende Spielpraxis macht sich in der Verteidigung noch bemerkbar. Herbers Einsatz und Reaktionsschnelligkeit sind noch nicht wie früher.

Doch Herber ist schon froh, dass er wieder so weit gekommen ist. „Das war ein verlorenes Jahr“, sagt er über die vergangenen 14 Monate. Den Kreuzband riss hakte er ziemlich schnell ab, freute sich über kleine Fortschritte und darüber, dass Alba ihn in dieser Phase zur Vertragsverlängerung bat. Bei der Pokalendrunde im Mai feierte er sein Comeback – und verletzte sich erneut am Knie. Für Herber ein Schlag. In den Play-offs hatte er als Joker das Spiel beleben wollen – und wurde stattdessen als Zuschauer Deutscher Meister.

Doch es kam noch schlimmer. Herber verpasste die Olympia-Qualifikation in Athen und Olympia in Peking. „Die Qualifikation im Fernsehen zu sehen, war schwieriger als Olympia selbst“, erzählt er. Er schaffte es noch nicht wieder, positiv zu denken, zu tief saß der Frust. Seine Teamkollegen verwirklichten seinen großen Traum ohne ihn. Die Olympiaberichterstattung verfolgte er in Albas Trainingslager schon wieder mit Gelassenheit. Er schuftete für sein Comeback und hatte wieder ein Ziel vor Augen – die neue Saison. Doch kurz vor dem Bundesligaauftakt bremste ihn ein Muskelfaserriss für mehrere Wochen. Das neu zusammengestellte Team formierte sich ohne ihn, wieder konnte er nur zuschauen.

Dass die Zuschauerrolle manchmal auch ihre Vorteile haben kann, erlebte er im Hinspiel bei Albas heutigem Gegner Tau Vitoria. Herber saß auf der Bank, es blieb ihm erspart, bei dem 65:106-Debakel von den Spaniern vorgeführt zu werden. Wenn Alba heute im vierten Europaliga-Heimspiel den vierten Sieg erringen will, möchte Johannes Herber allerdings keine 40 Minuten Zuschauer sein. Vom Platz auf der Ersatzbank hat er genug.

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