Sport : Alba Berlin: Die Ordnung nach Udo

Benedikt Voigt

Udo Jürgens konnte Alba Berlin nur kurz aufhalten. Der Schlagerbarde ("Ich war noch niemals in New York") hatte die Ordnung in der Max-Schmeling-Halle mit seinem Konzert am Montag durcheinander gebracht. "Wir kämpfen noch mit den Hinterlassenschaften von Udo Jürgens", sagte Carsten Kerner am Tag danach. Der Manager des Deutschen Basketballmeisters suchte vor der Pressekonferenz zum heutigen Spiel (18 Uhr) bei Zepter Slask Wroclaw die Wand, auf der die Sponsoren der Suproleague vermerkt sind. "Ohne Sponsorboard keine Pressekonferenz", erklärte Kerner die strengen Regeln der Suproleague. Als das sperrige Stück schließlich auftauchte, war es zusammengestaucht. Trainer Emir Mutapcic schraubte kurz am linken Pfosten herum und hob das Schild auf die richtige Höhe. Es konnte losgehen.

Alba Berlin lässt sich gegenwärtig von kleineren Widrigkeiten nicht aufhalten. Kurz vor der entscheidenden Phase der Saison mehren sich die Zeichen für ein positives Saisonfinale. "Die Mannschaft wächst immer dichter zusammen", stellt Kerner fest, "das ist für die Play-offs wichtig." Der Manager zieht aus den Siegen in Trier (98:92 nach Verlängerung) und gegen das europäische Spitzenteam Panathinaikos Athen (79:71) die Erkenntnis, dass sich Alba inzwischen als geschlossene Einheit präsentiert. Das war zu Beginn der Saison noch nicht der Fall. Nun trugen zuletzt alle zehn Spieler zu den Siegen bei. Die Bankspieler Sven Schultze, Stefano Garris, Teoman Öztürk, Stipo Papic oder Jörg Lütcke entlasten die Stammformation in den wichtigen Spielphasen. Deren Formkurve zeigt, vom angeschlagenen Marko Pesic abgesehen, ebenfalls nach oben. Mannschaftskapitän Henrik Rödl, der in Trier in 39 Minuten 14 Punkte und sieben Rebounds holte, kommt immer besser in Schwung. Ebenso Spielmacher Derrick Phelps. Am wichtigsten aber ist die Genesung des Topscorers Wendell Alexis, der in Trier schon wieder 34 Minuten spielte und mit zwei Dreipunktewürfen in der Schlussphase die Verlängerung erzwang. "Wir haben Selbstvertrauen in jedem Bereich", sagt Trainer Emir Mutapcic.

Ein Sieg in Wroclaw würde nicht nur das Selbstwertgefühl weiter steigern. Bei einem Erfolg wäre Alba Berlin der fünfte Platz in der Gruppe A so gut wie sicher. Asvel Villeurbanne-Lyon müsste dann schon beide Partien gegen die Spitzenreiter ZSKA Moskau und Panathinaikos gewinnen, was angesichts der jüngsten Leistungen der Franzosen unwahrscheinlich ist. Der fünfte Platz bringt zwar kein Heimrecht, ist aber deshalb bedeutsam, weil er im Achtelfinale eine Begegnung mit Maccabi Tel Aviv, Efes Istanbul oder Partizan Belgrad vermeiden hilft. Die drei Führenden der Gruppe B haben in der Suproleague kein Heimspiel verloren. Mutapcic lässt diese Überlegung kalt. "Wir wollen nicht kalkulieren", sagt der Coach, "ich denke nicht daran, ob der fünfte, sechste oder siebte Platz besser ist."

Rund hundert Fans werden Alba Berlin nach Wroclaw begleiten. Dort werden sie eine kuriose Halle zu Gesicht bekommen. "Ein Steinbetonbau, der viermal so hoch ist wie breit", beschreibt Kerner, "das Feld ist verschwindend klein." Wer aber ein Konzert von Udo Jürgens weitgehend schadlos übersteht, den dürfte auch eine überdimensionierte Basketball-Halle nicht schrecken.

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