Sport : Alba Berlin: Eingeschenkt in Villeurbanne

Benedikt Voigt

Der dritte Donnerstag im November hat es in Frankreich traditionell in sich. Es ist der Tag, an dem der Beaujolais das erste Mal ausgeschenkt wird. Für eine Geschmacksprobe blieb Alba Berlin in Lyon gestern keine Zeit, schließlich hatte sich der Deutsche Basketballmeister eine Premiere ganz anderer Art vorgenommen. Nach zwei Auswärtsniederlagen in der Suproleague sollte endlich der erste Erfolg in der Fremde gelingen. Mit Asvel Villeurbanne hatte Alba sich gestern den falschen Gegner für dieses Vorhaben ausgesucht. Allerdings scheiterten die Berliner beim 71:74 (34:40) gegen die Franzosen aus einem Stadtteil von Lyon nur ganz knapp.

Alba legte zunächst einen perfekten Start hin. 9:0 führte Alba nach zwei Minuten und 20 Sekunden. Villeurbanne musste die erste Auszeit nehmen, und es kam noch besser für die Berliner. Villeurbannes Centerspieler Art Long konnte sich in der Spielpause nicht beherrschen und kassierte zu einem Offensivfoul noch ein technisches Foul. Der französische Trainer Greg Beugnot musste seinen Topscorer in der Suproleague schon nach zwei Minuten auf die Bank setzen. Doch die Auszeit bekam den Berlinern überhaupt nicht. In den nächsten sechs Minuten wollte ihnen kein Feldkorb mehr gelingen, und die Franzosen legten ihrerseits eine 13:2-Serie hin. Das Spiel war wieder offen. Villeurbanne hatte den frühen Ausfall von Long gut verkraftet. Vor allem weil der französische Nationalspieler Laurent Sciarra das Spiel immer besser in den Griff bekam. Auf Berliner Seite hielten im ersten Viertel (16:17) allein Dejan Koturovic mit sechs Punkten und Wendell Alexis mit acht Punkten dagegen. Der 36-jährige US-Amerikaner spielte bislang mit durchschnittlich 21,3 Punkten eine vorzügliche Suproleague-Saison.

Im zweiten Viertel hatten sich die Franzosen besser auf das Zusammenspiel von Alexis und Koturovic eingestellt. In der Offensive übernahmen nun Teoman Öztürk und Aufbauspieler Derrick Phelps mehr Verantwortung. Der US-Amerikaner erzielte in den zweiten zehn Minuten neun Punkte für die Berliner. Zwei Minuten vor der Halbzeitsirene stand das Spiel 32:32 unentschieden, doch dann rückte Villeurbannes Flügelspieler Joe Stephens in den Mittelpunkt. Der Flügelspieler erzielte acht Punkte, darunter zwei Dreipunktewürfe in Folge, und war schließlich für den 34:40-Rückstand der Berliner zur Pause verantwortlich. Stephens warf auch nach der Pause vorzüglich weiter, so dass sich die Franzosen einen Vorsprung von neun Punkten erspielen konnten. Angetrieben von Trainer Mutapcic an der Seitenlinie kamen die Berliner durch jeweils vier Punkte von Öztürk und Phelps auf 53:58 heran. Doch weil Alba in der Verteidigung die Franzosen durch dumme Fouls immer wieder an die Freiwurflinie stellte, konnten sich die Gastgeber bis zum Ende des dritten Viertels mit 65:53 einen komfortablen Vorsprung erspielen. Nichts sah danach aus, als ob es für die Gastgeber im letzten Spielabschnitt noch einmal eng werden könnte. Doch plötzlich trafen die Franzosen nichts mehr, die Berliner hingegen starteten eine furiose Aufholjagd. Nach 17:2 Punkten in Serie lagen sie knapp zwei Minuten vor Schluss plötzlich mit 70:67 in Führung. Doch schließlich waren es doch die Gastgeber, die mit Beaujolais feiern durften. Elf Sekunden vor Schluss gelangen Long für Villeurbanne die entscheidenden Punkte.

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