Alba Berlin : Einzug der Provinz

Nach dem Europaliga-Spektakel kehrt die Basketball-Bundesliga zurück nach Berlin: Alba trifft am Mittwochabend im Kampf um Platz eins auf Paderborn.

Helen Ruwald
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Der Kreis schließt sich. In Paderborn verletzte sich Berlins Spielmacher Rashad Wright vor sechs Wochen. Heute soll er sein...

Berlin - Die Korbnetze, die die Basketball-Europaligasieger von Panathinaikos Athen in alter Tradition nach dem Triumph abgeschnitten hatten, sind erneuert, das empfindliche Parkett ist nach der Champagner-Dusche gründlich gereinigt worden. Die offensichtlichen Spuren, die das Final Four in der Arena am Ostbahnhof hinterlassen hat, sind beseitigt – doch in den Köpfen lebt es weiter. Alba Berlins Geschäftsführer Marco Baldi hat die Stunden auf der Tribüne genossen: „Manchmal wusste man gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll“, sagt er, „zu den Trainern, die sich aufgeregt haben, den Spielern oder den Fans“, die ihre Teams euphorisch anfeuerten. „Das alles bekräftigt den Willen, dass man wieder in die Europaliga will.“

Um dieses Ziel zu erreichen, muss Alba den deutschen Meistertitel erfolgreich verteidigen. In knapp zwei Wochen beginnen die Play-offs, in den verbleibenden zwei Hauptrunden-Spielen möchte sich Alba noch vom dritten auf den ersten Platz vorarbeiten. Dieser würde dem Klub bis zum Saisonende in den entscheidenden Spielen das Heimrecht sichern. „Jetzt heißt es: alle Kraft voraus. Wir wollen mit aller Macht Platz eins attackieren. Die Voraussetzungen sind gut“, sagt Baldi. Schließlich haben die heimstarken Berliner nur noch Heimspiele vor sich: heute (20 Uhr) im Nachholspiel gegen Paderborn sowie am Sonnabend gegen den Tabellenzweiten Oldenburg. Bei einem Erfolg gegen die Paderborner, die sich mit den Artland Dragons Quakenbrück noch um den achten und letzten Play-off-Platz streiten, würde Alba schon heute wieder an die Tabellenspitze rücken. Dann wären die Berliner, der derzeitige Erste Göttingen und Oldenburg punktgleich – Berlin läge aber im direkten Dreiervergleich vorne.

Reicht es nicht zu Rang eins, könnte der dritte Platz sich am Ende sogar als günstiger erweisen als der zweite: Der Zweitplatzierte trifft im Play-off-Viertelfinale auf den Siebten, vermutlich die Baskets Bamberg, die als einziger Bundesligist in dieser Saison in Berlin gewinnen konnten. Doch an derlei Spekulationen will Baldi sich nicht beteiligen. „Wer woanders hinschielt, wird bestraft“, sagt er. „Wir wollen Erster werden und Heimrecht bis zum Schluss haben, der Gegner ist egal.“ Sieben von 17 Bundesliga-Auswärtsspielen hat der Deutsche Meister verloren, der das Risiko nicht eingehen will, dass sich diese wenig berauschende Bilanz in den Play-offs fortsetzt und die Meisterschaft entscheidet.

Trainer Luka Pavicevic möchte „noch nicht über die Play-offs reden, wir haben noch zwei wichtige Spiele vor uns“. Im ersten tritt drei Tage nach dem großen Basketballfest der Liga-Durchschnitt am Ostbahnhof an, ein Gegner, „der keinen großen Namen hat“, wie Baldi sagt, auch wenn Chris Ensminger der beste Center der Hauptrunde ist.

Paderborn, das klingt im Vergleich zu Panathinaikos und Barcelona so richtig nach Provinz – geografisch wie basketballerisch. Die Feiertage sind vorbei, der Alltag zieht wieder ein in die Berliner Basketballwelt. Helen Ruwald

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