Sport : Alba Berlin: Endlich Pause!

Dietmar Wenck

Es hat nicht gerade Tradition bei Alba Berlin, dass Saisonunterbrechungen wegen Nationalmannschafts-Maßnahmen willkommen sind. Manchmal gab es sogar Zoff mit dem Deutschen Basketball-Bund (DBB), weil der eine oder andere der zumeist zahlreichen Berliner Spieler unabkömmlich war. Ein andermal lief es gerade so gut für Alba, dass Trainer Svetislav Pesic wegen der ärgerlichen Pause laut aufstöhnte. Aber inzwischen heißt der Übungsleiter nicht mehr Pesic, sondern Emir Mutapcic. Außerdem gehören zurzeit mit Marko Pesic und Stipo Papic nur zwei Alba-Spieler zum DBB-Aufgebot, und Papic kommt im Verein wegen schwacher Form kaum noch zu Einsätzen. Da fällt es Mutapcic vor der zweiwöchigen Pause wegen der Länderspiele in der Türkei und gegen Litauen leicht zu sagen: "Diese Pause stört uns nicht besonders. Im Training fehlen uns nur zwei Spieler. Wir werden die Zeit nutzen, in Angriff und Abwehr neue Dinge zu üben. Wir brauchen mehr Optionen."

Das wurde gestern im Spitzenspiel der Bundesliga deutlich. Zwar besiegte der Meister den Pokalsieger Skyliners Frankfurt vor 5510 Zuschauern in der Schmeling-Halle mit 83:71 (26:18, 18:21, 17:15, 22:17) und ist nach neun Spielen nach wie vor unangefochten Tabellenführer. Doch nicht nur Mutapcic erkannte nach dem Kräftemessen mit einem der Hauptrivalen um die Meisterschaft: "Das war ein Arbeitssieg. Wichtig sind die zwei Punkte, wir gehen ohne Niederlage in die Pause. Wir haben damit eine Botschaft an die anderen Bundesligaklubs geschickt." Eine Botschaft? Da hatte sein Gegenüber Stefan Koch auch etwas zu vermelden: "Wenn wir komplett sind, dann haben wir eine Chance gegen Alba."

Bei dem Erfolg der Berliner durfte in der Tat nicht vergessen werden, dass den Frankfurtern mit Pascal Roller, Kai Nürnberger und Walter Palmer gleich drei Stammspieler fehlten. Zwar konterte Mutapcic: "Bei uns fehlen auch Spieler", doch Jörg Lütcke und Stefano Garris spielen in Berlin nicht eine solche Rolle wie ihre verletzten Kollegen in Frankfurt. Gleichwohl hat der Alba-Trainer auch Recht. Das Spiel seiner Mannschaft krankt momentan daran, dass von der Bank zu wenig Impulse kommen. Von Papic war schon die Rede, Sven Schultze schwankt noch sehr in seinen Leistungen, sodass die Verantwortung zumeist auf sechs Spielern plus dem gerade erst nachverpflichteten Drazan Tomic lastet.

Gestern kam der Meister trotzdem nicht in Bedrängnis. Er lag nie zurück, hatte sich im ersten Viertel bald eine Führung von 13 Punkten herausgearbeitet. Wenn es an der Gäste-Mannschaft etwas besonders zu loben gab, dann ihren Charakter. Sie gab nie auf und hatte sich bereits zur Halbzeit wieder herangetastet. Nach einer knappen halben Stunde hieß es gar nur noch 56:54 für die Berliner. Gerade in dieser Phase verschärfte Alba um die herausragenden Wendell Alexis (18 Punkte), Derrick Phelps (16) und Henrik Rödl (13) entscheidend das Tempo. Eine Serie von 15:2 Punkten führte zur 71:56-Führung. Obwohl nun auch noch Skyliners-Spielmacher Derrick Taylor bei einem Zweikampf mit Phelps umknickte und den Rest der Begegnung von der Bank aus betrachtete, setzten die Frankfurter nochmals nach, wandelten einen 61:76-Rückstand in ein 68:76 um. Aber die Kraft reichte nicht. Und der mit 21,4 Punkten pro Spiel im Durchschnitt beste Schütze der Skyliners, Tyron McCoy, wurde von Rödl, Pesic und Tomic exzellent verteidigt. Er kam nur auf zwölf Punkte. Außerdem, das hob Mutapcic hervor, "hatten wir endlich einmal wieder bei einem Spiel die bessere Reboundquote". 37:26 - das war entscheidend.

Der Berliner Coach hat nun 14 Tage Zeit, dafür zu sorgen, dass gerade an dieser Schwäche im Alba-Spiel gearbeitet wird. Denn nach der Pause hoffen die Berliner nicht nur, Stefano Garris nach seinen Bänderrissen wieder ins Team integriert zu haben. Sie müssen auch zeigen, dass sie etwas dazugelernt haben. Der nächste Bundesligagegner ist am 2. Dezember Bayer Leverkusen. Der Tabellenzweite empfängt den -ersten: Danach können neue Botschaften verschickt werden.

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