Sport : Alba Berlin: Fans sind schon im Finale

Benedikt Voigt

In letzter Zeit müssen sich die Mitarbeiter der Ticket-Hotline von Alba Berlin öfters wundern. "Es gibt Leute, die fragen nach Karten für das dritte Finalspiel", berichtet Manager Carsten Kerner. Dabei haben sich die Berliner Basketballer soeben erst für das Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft qualifiziert, bis zum Finale fehlen dem Klub noch drei Siege gegen Avitos Gießen. Und mit einem Szenario rechnen die Anrufer bei ihrer voreiligen Kartenorder anscheinend überhaupt nicht: Dass Alba im Halbfinale auch ausscheiden könnte.

"Vielleicht liegt das an unserer erfolgreichen Bundesligasaison", mutmaßt Carsten Kerner, "die Leute gehen davon aus, dass die Play-offs ein Spaziergang für Alba werden." Dementsprechend gering ist das Interesse vor dem Finale. 4087 und 4105 Zuschauer, so wenige wie nie zuvor in dieser Saison, besuchten die beiden Heimspiele im Viertelfinale gegen Frankfurt. "Das Berliner Publikum ist aus den vergangenen Jahren verwöhnt", sagt der Manager. Auch beim heutigen ersten Halbfinalspiel gegen Avitos Gießen (15 Uhr, Max-Schmeling-Halle) ist der Zuschauerrekord nicht in Gefahr. "Es gibt ein gewisse Erwartungshaltung", sagt Carsten Kerner. Die Fans rechnen offensichtlich damit, dass die aktuellen Play-offs nur das Ergebnis der letzten vier Jahren bestätigen: Alba Berlin als Deutschlands Nummer eins. Warum sollte sich das ausgerechnet in einer Saison ändern, in der die Berliner die Bundesliga dominierten wie nie zuvor?

Die Viertelfinalserie gegen Frankfurt (3:1), bewies jedoch, dass die Berliner Überlegenheit so groß nicht ist. Das erste Spiel gewann die Mannschaft von Trainer Emir Mutapcic erst durch einen Kraftakt im letzten Viertel, das zweite ging verloren. "Wir haben dieses Spiel nicht auf unserem Niveau gespielt", moniert der Trainer. Zudem fehlte ihm Aufbauspieler Derrick Phelps, der heute wieder Basketball spielen wird.

Ob ihm dabei viele zusehen werden, ist fraglich. Denn neben Albas vermeintlicher Dominanz hat sich der Termin am Samstag nachmittag als nicht ideal erwiesen. "Wir haben am Sonntag gegen nicht so gute Gegner mehr Zuschauer gehabt, doch in dieser Saison spielten wir fast gar nicht mehr am Sonntag", sagt Kerner. Das liegt am Fernsehen, das den Deutschen Meister möglichst oft in der samstäglichen "ran"-Sendung im Bild haben wollte. "Das unterstützen wir natürlich", erklärt Kerner. Für die Präsenz im Fernsehen muss der Manager allerdings hinnehmen, dass das Fernsehen diktiert, wann der erste Sprungball geworfen werden soll. Ist das ein Samstag, muss Alba Berlin mit der gleichzeitig stattfindenden Fußball-Bundesliga konkurrieren. Auch dürfte im Mai für so manchen Basketballfreund der Weg auf den sonnigen Freiplatz näher liegen als der Gang in die abgedunkelte Max-Schmeling-Halle.

Da dürfte auch der heutige Gegner nicht mehr Zuschauer anlocken. "Gießen hat noch nicht die Bedeutung für die Berliner Zuschauer", sagt Kerner. Bei einem Gegner aus dem Halbfinale zwischen Telekom Basket Bonn und Bayer 04 Leverkusen wäre das anders. "Da gibt es eine historische Rivalität". Erst im Finale treffen die Berliner auf einen der beiden traditionellen Hauptgegner in Deutschland. Pardon - natürlich nur, falls Alba so weit kommt.

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