Alba Berlin : Freiheit, Gleichheit, Schludrigkeit

Beim 79:80 in Oldenburg scheiterte Alba auch am Prinzip, die Verantwortung zu verteilen. Die Berliner schienen auf der Suche nach einer klaren Struktur und einem Spielentscheider in den eigenen Reihen zu erstarren.

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McElroy sollte das Spiel entscheiden - und traf nicht.
McElroy sollte das Spiel entscheiden - und traf nicht.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Berlin - Nicht clever genug, nicht entschlossen genug, nicht konzentriert genug. Albas Basketballer hatten am Dienstagabend Spiel und Gegner lange kontrolliert – in der entscheidenden Phase allerdings gelang es den Berlinern nicht, den Sieg an sich zu reißen. Oldenburg gewann im Play-off-Viertelfinale der Bundesliga gegen Alba mit 80:79 (32:40) und erzwang ein entscheidendes fünftes Spiel. „In den letzten beiden Spielen haben wir es Oldenburg zu leicht gemacht, wieder heranzukommen“, sagt Albas Geschäftsführer Marco Baldi. Natürlich hätten die Oldenburger auch starke Aktionen gehabt, genauso wichtig seien aber auch Albas „eigene Leichtsinnigkeiten“ gewesen: „Das hält beim Gegner den Mut hoch – da müssen wir uns verbessern.“

In der Schlussphase des umkämpften vierten Spiels zeigte sich zudem, dass die Berliner wenig planvoll vorgingen. Erst nahm der erneut indisponierte Spielmacher Taylor Rochestie einen wilden Wurf, dann gelang es Alba im letzten, schludrigen Angriff nicht, sich eine klare Korbaktion zu erarbeiten. Immanuel McElroy, ein Routinier mit großem Kämpferherz aber nicht unbedingt mit der sichersten Wurfhand aus der Distanz, vergab Albas Chance zum Sieg, ohne dass es auf dem Feld nennenswerte Bewegung gegeben hatte. Zuletzt hatte die Berliner gerade ihre Unberechenbarkeit und Flexibilität ausgezeichnet, jetzt schienen sie auf der Suche nach einer klaren Struktur und einem Spielentscheider in den eigenen Reihen zu erstarren.

„Mac ist ein Spieler, der solche Szenen schon oft erlebt hat“, sagt Team-ManagerMithat Demirel über McElroy, dessen Sprungwurf kurz vor der Schlusssirene nicht sein Ziel fand. Ohnehin könne man nicht starr vorgeben, welchen Weg der Ball zum entscheidenden Korberfolg finden solle. „Man kann eine Richtung vorgeben“, sagt Demirel. „Aber wie der Angriff abgeschlossen wird, müssen die Spieler auf dem Feld entscheiden.“ Im Gegensatz zu seinem im Januar entlassenen Vorgänger Luka Pavicevic setzt Trainer Muli Katzurin auf Kreativität und Intuition seiner Spieler, starke Leistungen werden mit viel Spielzeit belohnt. Dieses Prinzip aus Freiheit und Gleichheit macht es für jeden Gegner schwer, die Berliner auszurechnen.

„Der Spielstil hat unsere Mannschaft sehr stark gemacht“, sagt Demirel. „Das Miteinander, das Intuitive hat sich in den letzten Wochen gefunden.“ Andererseits gibt es dadurch keinen Alba-Spieler, der klar in der Verantwortung steht. Berlins Topscorer Julius Jenkins erzielte nach der Pause nur noch drei seiner 15 Punkte. Derrick Allen, der beste Berliner Werfer der regulären Saison, blieb in Oldenburg ohne Punkt und stand gar nicht auf dem Feld, als es in den Schlusssekunden um Sieg oder Niederlage ging.

Marco Baldi ist sich trotzdem sicher, dass Alba auf dem eingeschlagenen Weg bleiben muss. „Wenn wir jetzt versuchen, etwas Neues anzufangen, besteht die Gefahr, dass das nach hinten losgeht“, sagt Baldi. „Wir wollen, dass der Ball läuft, aber auch, dass jeder gefährlich ist.“ Es sei „das Gebot der Stunde“, den Kopf zu bewahren. Die bei den zwei Niederlagen gegen Oldenburg enttäuschenden Rochestie und Allen seien „gestandene Spieler“, die am Sonntag „ein gutes Spiel“ machen würden. „Davon bin ich überzeugt“, sagt Baldi. „Ein fünftes Spiel ist aber immer auch Nervensache.“

Im entscheidenden Spiel gegen die Oldenburger wird es für die Berliner darauf ankommen, die richtige Mischung aus dem freien, kreativen Zusammenspiel und den nötigen taktischen Vorgaben zu finden. „Es ist wichtig, den Kopf oben zu haben und den Ball zum richtigen, freien Mitspieler zu bringen, anstatt das Spiel an sich zu reißen“, sagt Demirel. Ein Spieler, der bei aller Freiheit und Gleichheit stärker die Führung übernimmt, würde allerdings auch nicht schaden.

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