Alba Berlin : Fünf Verlängerungen und ein Freudenfall

Im Uleb-Pokal-Spiel gegen Bosna Sarajevo haben die Berliner Geschichte geschrieben. Eine fünfte Verlängerung gab es in diesem Pokal bisher noch nie. Nicht nur für die Alba-Spieler wird das Match unvergesslich bleiben.

Lajos Metzel

BerlinErst tanzten die Spieler mit ihren euphorischen Fans eine Ehrenrunde, dann lagen sie minutenlang platt auf den Bänken der Kabine: Die Basketball-Profis von Alba Berlin haben gegen Bosna Sarajevo eine Sternstunde erlebt, die in die Annalen des Uleb-Cups als Spiel der Rekorde eingehen wird. Viele der 5145 Zuschauer standen nach dem packenden Krimi mit fünf Verlängerungen auf ihren Stühlen und waren dem Infarkt nahe: Von 22:39 Uhr an feierten sie ein Fest, wie es Berlin seit dem Gewinn der Meisterschaft 2003 nicht mehr erlebt hatte.

Erstmals in der Geschichte des Uleb-Cups musste eine Partie nach viermaligem Gleichstand in der fünften Nachspielzeit entschieden werden. "Dieses Match wird allen ewig in Erinnerung bleiben. Eine großartige, unvergessliche Leistung", meinte Coach Luka Pavicevic nach dem dramatischen 141:127-Erfolg. "Ich bin seit 30 Jahren dabei, aber so etwas habe ich noch nicht ansatzweise erlebt", stöhnte Geschäftsführer Marco Baldi. In den 65 statt der regulären 40 Minuten standen die ersatzgeschwächten Berliner mehr als nur einmal mit dem Rücken zur Wand, fanden aber stets passende Antworten.

Es war nicht nur das längste Spiel der Uleb-Cup-Geschichte, sondern auch das mit dem bisher höchsten Punktestand überhaupt. Bislang galt das 116:115 zwischen Lukoil Academic und KK Zagreb als das "High-Score-Match". Mit den insgesamt 268 Körben übertraf die Berliner Partie dieses Match gleich um Längen. Zudem stieg Albatros Bobby Brown mit 44 erzielten Punkten zum zweitbesten Korbjäger der Cup-Geschichte nach Randy Duck von den Brighton Bears (49) auf.

Zehn Spieler mit fünf Fouls

Insgesamt zehn Spieler - je fünf aus beiden Teams - wurden wegen je fünf Fouls vorzeitig in die Kabinen geschickt, auch das durften die Veranstalter als neue "Rekordmarke" verbuchen. Dabei war Alba schon mit argen Personalsorgen in die Partie gegangen. Neben den beiden Langzeitverletzten Goran Jeretin und Johannes Herber sowie Nicolai Simon (Rückenprobleme) fehlte auch Dijon Thompson. Der Flügelspieler hatte sich vor der Partie eine Knöchelverletzung zugezogen. Als Julius Jenkins als fünfter Alba-Spieler kurz nach Beginn der fünften Overtime, wie zuvor bereits Patrick Femerling, Mladen Pantic, Vujadin Subotic und Aleksander Rasic, sein fünftes Foul kassierte, hatte Pavicevic nur noch fünf Spieler zur Auswahl.

Das "Häuflein der fünf Aufrechten" - darunter die angeschlagenen Phillipp Heyden (Virus-Erkrankung) und Dragan Dojcin (Achillessehnen-Reizung), die eigentlich nur auf der Bank saßen, damit Alba die geforderten zehn Mann auf dem Berichtsbogen vermerken konnte - ging bis an seine physischen Grenzen. Nachwuchsmann Heyden hatte in dieser Saison bislang ganze 21 Sekunden auf dem Parkett gestanden, an diesem Abend machte er seine ersten drei Punkte.

Ersatz-Spieler retten Alba in der Schlussphase

"Ich fühle mich so schwach. Ich könnte heulen, wenn ich daran denke, wie viele Teile meines Körpers gerade schmerzen", brachte Flügelspieler Goran Nikolic die Situation auf den Punkt. In den Schlussminuten krochen alle Akteure auf dem Zahnfleisch. Doch mit einem 14:0-Lauf im Schlussgang hatten gerade die Ersatz-Albatrosse eine großartige Kondition nachgewiesen. "Wenn man dreimal die Chance hat, ein Spiel zu gewinnen, darf man sich nicht beschweren, wenn man noch verliert", musste Bosna-Coach Jurij Zdovc konstatieren.

Neben dem herausragenden Spielmacher Bobby Brown glänzten bei Alba auch Jenkins mit 33 und Nikolic mit 31 Punkten. "Es war ein verrücktes Spiel", sagte Alba-Kapitän Femerling. "Aber am Ende des Tages ist es auch nur ein Sieg." Durch den dritten Erfolg im fünften Spiel festigte Alba zum Abschluss der Hinrunde den dritten Rang und hat damit weiter gute Aussichten, die Vorrunde zu überstehen. (mac/dpa)

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