Alba Berlin gegen FC Bayern München : Sasa Obradovic fordert mehr Stimmung von den Fans

Am Sonntag treffen die Basketballer von Alba Berlin auf den FC Bayern München. Das Team von Trainer Sasa Obradovic hofft dann nicht nur auf eine volle, sondern auch auf eine laute Arena am Ostbahnhof.

Marvin Clignon
Mehr Applaus bitte! Sasa Obradovic ist es bei Alba-Heimspielen oft zu ruhig.
Mehr Applaus bitte! Sasa Obradovic ist es bei Alba-Heimspielen oft zu ruhig.Foto: Imago

Sasa Obradovic steht bei Heimspielen von Alba Berlin unter ständiger Anspannung. Wild gestikulierend und brüllend verschafft sich der Basketballtrainer an der Seitenlinie Gehör. Das ist sein Markenzeichen. Damit lebt er eine Einstellung vor, die er sich auch von den Rängen erhofft. „Ich sage niemandem, er soll die Gegner ausbuhen“, sagt Obradovic vor dem brisanten Duell mit Bayern München. „Wir brauchen aber einen Heimvorteil.“ Damit spricht der Serbe ein Thema an, das den Verein seit dem Umzug in die Arena am Ostbahnhof nicht mehr loslässt: die Stimmung in der Halle.

Die Vereins-Verantwortlichen bemängelten in der Vergangenheit oft den Wohlfühlfaktor für gegnerische Mannschaften bei Auswärtsspielen in Berlin. Zu reserviert und freundlich träten die Alba-Fans gegenüber der Konkurrenz auf, zu gering sei die Heimspiel-Atmosphäre für das eigene Team. Das ist auch Obradovic aufgefallen. Vor der Begegnung mit dem Bundesliga-Spitzenreiter aus München zieht er deswegen einen Vergleich zu anderen Standorten. „Jonas Wohlfahrt-Bottermann war in Bonn ein beliebter Spieler. Als wir dort gespielt haben, hat ihn jeder ausgebuht. Auch in Würzburg hat jeder Alex King ausgebuht“, sagt Obradovic. Der Serbe entschärft die Aussage zwar sofort: „Natürlich bedanken wir uns bei unseren Ex-Spielern für ihren Einsatz.“ Die Intention ist jedoch klar. Die eigenen Fans sollen es dem Gegner ungemütlicher machen.

Die Gründe für dieses Phänomen sind vielfältig. Basketball ist, zumindest in Deutschland, eine traditionelle Akademiker-Sportart. Überschwängliche Anfeuerungen und emotionale Ausbrüche haben in der Basketball-Bundesliga eher Seltenheitswert. Dass eine weitläufige Mehrzweck-Arena wie die Berliner viel Stimmung absorbiert, verstärkt diesen Effekt noch zusätzlich. Auch der Bierkonsum ist übersichtlich, wie auch Geschäftsführer Marco Baldi weiß. Vielleicht zeigt das Berliner Publikum auch deswegen mitunter ziemlich viel Respekt für den Gegner. Gelungene Aktionen der Gastmannschaft werden gelegentlich mit Applaus bedacht, gegnerische Spieler mit Berliner Vergangenheit werden immer freundlich empfangen.

Auf einen zu freundlichen Empfang dürfen die Bayern am Sonntag in der vollen Halle trotzdem nicht hoffen. Zu aufgeladen ist die Stimmung zwischen beiden Vereinen, in den Play-offs der vergangenen Saison ging es auch in der Halle der Berliner hoch her. Vier Spieler verließen die Berliner danach in Richtung München, der Wechsel verlief dabei vor allem im Fall Heiko Schaffartzik nicht ganz geräuschlos. Und Obradovic gießt weiter Öl ins Feuer, indem er die Münchner der Schauspielerei bezichtigt: „Sie wissen, wie sie die Fouls ziehen müssen, selbst wenn es offensichtlich keines ist. Benzing zum Beispiel sieht beim Wurf jedes- mal so aus als würde man ihn gerade dabei töten.“ Der Trainer appelliert auch an die Schiedsrichter, die Spieler die Begegnung entscheiden zu lassen, und dürfte damit die Zuschauer noch mehr anstacheln.

Der Trainer fordert also nicht nur von seiner Mannschaft Höchstleistungen, um den Favoriten zu schlagen, sondern auch von den Anhängern. Zumindest bis zur Schlusssirene: „Nach dem Spiel können ja alle zusammen ein Bier trinken.“

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