Sport : Alba Berlin: Immer einen Schritt zurück

Benedikt Voigt

Auf dem längsgestreiften Hemd von Trainer David Blatt hatte das Spiel deutliche Spuren hinterlassen. Von den Schultern bis zur Brust hatte sich auf dem Oberkörper des Basketballtrainers von Maccabi Tel Aviv ein großer dunkler Fleck ausgebreitet. Dass David Blatt so ins Schwitzen geraten war, dürfte jedoch an der Hitze in der Yad-Eliahu-Arena gelegen haben und an der Tatsache, dass der US-Amerikaner zum ersten Mal ein offizielles Spiel als Cheftrainer verantworten musste. Der Deutsche Meister Alba Berlin jedenfalls dürfte ihm nicht derartige körperliche Anstrengungen bereitet haben, dass er ein Großteil seines Hemdes durchschwitzen musste.

"Wir waren 40 Minuten lang einen Schritt hinter Maccabi zurück", ärgerte sich Albas Trainer Emir Mutapcic. Sein neuer Centerspieler George Zidek war beim 70:82 (34:50) im Euroleaguespiel bei Maccabi Tel Aviv mit 20 Punkten noch der beste Spieler der Berliner. "Nur drei hatten Normalform, das reicht nicht gegen Maccabi", sagt Mutapcic. Neben Zidek meinte er den US-Amerikaner Wendell Alexis (17 Punkte, 4 Rebounds) und vor allem den unbekümmert aufspielenden Tommy Thorwarth (8 Punkte und 6 Rebounds).

Gegen die Israelis, die nach dem Gewinn der Suproleague auch in der Euroleague zu den ersten Titelanwärtern zählen, konnte Alba nur zu Beginn des ersten Viertels das Spiel offen halten. Dann verschaffte sich Maccabi mit dem überragenden Aufbauspieler Ariel McDonald (18 Punkte, 4 Assists) einen Vorsprung, der stets im zweistelligen Bereich blieb. "Unsere Leistung ging immer hoch und runter", ärgerte sich Mutapcic, "nie haben wir dreimal gut verteidigt und dann dreimal gut angegriffen." Die Vorgeschichte dieses Spiels hatte sich doch negativ auf die Leistung ausgewirkt.

"Wir hatten keine normale Vorbereitung", klagt der Trainer, "das war auch ein Grund, warum wir so gespielt haben." Bis zum Abend vor dem Abflug hatten sich der Klub damit beschäftigt, ob man nach Tel Aviv fliegen solle. "Die Spieler waren in den letzten drei, vier Tagen im Training nicht konzentriert", berichtet der Coach. Dass am Ende alle nach Israel mitflogen, war nicht selbstverständlich. Beim Abflug hatten die Klubverantwortlichen Guido Grünheid an den Check-In-Schalter am Flughafen Tegel beordert. Der Nachwuchsspieler hätte als Ersatzmann einspringen sollen, wenn ein Stammspieler nicht erschienen wäre. Grünheid durfte in Berlin bleiben, es waren doch alle gekommen, als Einheit. "Das macht mich stolz", sagt Emir Mutapcic, "aber diese Einstellung hätte die Mannschaft auch im Spiel gebraucht."

Am wenigsten schien die schwierige Vorbereitung George Zidek zu belasten. Der Tscheche versenkte erstaunliche vier von vier Dreipunktewürfen im Korb. Und das als Centerspieler. Der 2,12 Meter große Zugang war damit der beste Distanzschütze der Berliner. "Ich habe im letzten Jahr viel an meinem Wurf trainiert", erzählt Zidek. Alba eröffnet sich durch seine ungewöhnlichen Wurfqualitäten eine neue taktische Möglichkeit, doch Zideks eigentliche Aufgabe bleibt das Spiel in Korbnähe. "Wir müssen ihn erst in eine gute physische Verfassung bringen", sagt Mutapcic. Fünf von seinen 120 Kilogramm soll der Basketballer mit NBA-Erfahrung in den nächsten Wochen abnehmen. "Aber durch gesundes Essen und Training - nicht wie ein Boxer in der Sauna, sonst ist er im Spiel tot."

Das wäre nicht so gut angesichts des anstrengenden Programms in den nächsten Tagen. Heute schon kommen die EWE Baskets Oldenburg zum Bundesligaspiel in die Max-Schmeling-Halle (15 Uhr), morgen reist Brandt Hagen an (15.30 Uhr). Am Mittwoch empfangen die Berliner dann Olympiakos Piräus in der Euroleague. "Wir wollten uns richtig auf Olympiakos vorbereiten", begründet Emir Mutapcic das intensive Programm, "aber da war noch nicht klar, dass die Vorbereitung auf Tel Aviv so schwierig wird." Doch eigentlich kommt ihm der Doppelspieltag in der Bundesliga nicht ungelegen. "Da können wir alles Negative aus den letzten Tagen rausnehmen."

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