Alba Berlin : Integration durch Sport

Mit dem Kanadier Levon Kendall ist auch der letzte verpflichtete Alba-Profi in Berlin gelandet. Damit geht der Basketball-Bundesligist nun mit fast komplett neuem Kader in den Endspurt der Saisonvorbereitung.

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Levon Kendall (rechts) kann bei Alba als Power Forward und Center eingesetzt werden.
Levon Kendall (rechts) kann bei Alba als Power Forward und Center eingesetzt werden.Foto: AFP

Die Trainingseinheit hat noch gar nicht begonnen, gearbeitet wird trotzdem schon längst. In einer Ecke feilt Trainer Sasa Obradovic mit Jonas Wohlfahrt-Bottermann an dessen ungeschliffenem Sprungwurf, unter dem anderen Korb trainiert ein Assistenzcoach mit Nationalspieler Alex King Center-Bewegungen, in der Mitte des Felds üben die Nachwuchsprofis Ismet Akpinar und Akeem Vargas Pässe hinter dem Rücken und mit der linken Hand. So voll wie an diesem Dienstagvormittag war es in Alba Berlins Halle in der Schützenstraße schon lange nicht mehr. Um kurz nach zehn Uhr betritt auch ein breitschultriger junger Mann das Feld – Obradovic hat ihn schon sehnsüchtig erwartet. Der Kanadier Levon Kendall ist der letzte in Berlin gelandete Alba-Profi, zweieinhalb Wochen vor dem Bundesligastart kann der achtmalige deutsche Basketballmeister endlich mit dem kompletten Kader trainieren.

Kendall, der als Power Forward und Center eingesetzt werden kann, kämpfte mit seinem Nationalteam bis vor ein paar Tagen in Venezuela vergeblich um die Qualifikation für die WM 2014. Jetzt trainiert er mit seinen neuen Mitspielern, die sich bereits seit mehreren Wochen auf die Saison vorbereiten. Sorgen, nicht sofort mithalten zu können, macht sich der 29-Jährige nicht: „Ich hatte gerade acht Spiele in zehn Tagen, wahrscheinlich bin ich sogar fitter als die anderen.“ Auch die harte jugoslawische Basketballschule von Sasa Obradovic kann Kendall nicht schrecken. „Ich hatte als Profi in Griechenland schon einmal Trainer aus Ex-Jugoslawien, Coach Obradovic hat einen entsprechenden Ruf. Ich weiß also, was auf mich zukommt“, sagt er . „Das erste Training war nicht zu verrückt – so weit, so gut.“

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Allerdings wird Sasa Obradovic weiter aufs Tempo drücken, die Zeit bis zum Saisonstart ist knapp. Am gestrigen Dienstag flog die Mannschaft in die Türkei, wo die Berliner in einem letzten Vorbereitungsturnier auf Gastgeber Karsiyaka Izmir, Besiktas Istanbul und den russischen Klub Nischni Nowgorod treffen. Am 28. September ist Meister Bamberg zum Champions Cup beim Pokalsieger Alba zu Gast, eine Woche später startet Obradovics Team mit einem Auswärtsspiel in Quakenbrück in die neue Bundesliga-Spielzeit. Erschwerend kommt für Obradovic hinzu, dass Alba bis auf Kapitän Sven Schultze und den nur selten eingesetzten Sebastian Fülle den kompletten Kader ausgetauscht hat. Erst kurz vor Kendall stießen Alex King und Vojdan Stojanovski von der Europameisterschaft zum Team, Obradovic muss kurz- und mittelfristig reichlich Integrationsarbeit leisten. „Ich habe schon festgestellt, dass es ein fast komplett neues Team ist“, sagt Levon Kendall. „Wir werden eine Übergangsphase brauchen, bis wir einander verstehen und wissen, was der Coach will.“

Obradovic kündigte bereits an, dass seine Mannschaft in dieser Saison wohl einige Höhen und Tiefen durchleben wird. Da die Berliner viele junge Spieler mit reichlich Potenzial, aber wenig Erfahrung verpflichtet haben, müssen die wenigen Veteranen wie Levon Kendall, Aufbauspieler David Logan oder der ehemalige Nationalmannschafts-Kapitän Jan Jagla ihren Beitrag dazu leisten, dieses Auf und Ab zu stabilisieren. „Der Coach möchte von mir, dass ich ein Anführer für die Jüngeren im Team bin“, sagt auch Levon Kendall, der sich vorgenommen hat, besonders in der Defensive das Team zusammenzuhalten: „Ich bin ein Kommunikator, ich rede gerne in der Verteidigung.“

Damit Kommunikation und Zusammenspiel klappen, kommt auf Sasa Obradovic und seine Spieler noch viel Arbeit zu. Wirklich entspannt sah der Serbe am Dienstag also nicht aus, obwohl er endlich einmal 14 Spieler durch die Trainingshalle jagen durfte.

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