Alba Berlin : Kämpferisch und Kunstvoll

Alba Berlin steht dicht vor dem Einzug ins Finale um die deutsche Basketball-Meisterschaft. Das Team aus der Hauptstadt gewann beim amtierenden Vizemeister Skyliners Frankfurt deutlich mit 68:52.

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Der Berliner Miroslav Raduljica (M) spielt gegen die Frankfurter Roger Powell (L) und Jevohn Shepherd.
Der Berliner Miroslav Raduljica (M) spielt gegen die Frankfurter Roger Powell (L) und Jevohn Shepherd.Foto: dpa

Fünf Minuten vor Schluss hatten die ersten Frankfurter Fans genug gesehen. Der Berliner Bryce Taylor hatte gerade einen mächtigen Dunking zur 60:35-Führung für Alba in den Korb gedonnert, als sich die ersten Zuschauer frustriert auf den Heimweg machten. Ob ihnen in diesem Augenblick klar war, dass sie damit womöglich die letzte Chance verstreichen ließen, ihre Mannschaft in dieser Saison anzufeuern? Am Mittwoch jedenfalls waren die Skyliners völlig chancenlos gegen ein begeisternd kämpfendes Berliner Team, das in der Frankfurter Ballsporthalle hoch verdient mit 68:52 (36:18) gewann und in der Play-off-Halbfinalserie mit 2:1 in Führung ging. Sollte Alba im vierten Spiel am Sonntag in eigener Halle erneut eine so starke Leistung zeigen, werden die Berliner ins Finale um die deutsche Basketball-Meisterschaft einziehen, Frankfurts Saison wäre beendet. „Im zweiten Viertel haben wir alle zusammen einfach unglaublich verteidigt“, sagte Albas Tadija Dragicevic. „Jetzt müssen wir den Job am Sonntag auch zu Ende bringen.“

Albas Trainer Muli Katzurin hatte nach der völlig unnötigen 72:80-Niederlage im zweiten Spiel vier Tage Zeit gehabt, seiner Mannschaft die nötigen Verbesserungen einzubläuen. Das war dem Israeli glänzend gelungen: Alba verteidigte bissig, konzentriert und mannschaftlich geschlossen. Frankfurts DaShaun Wood sah sich immer nicht nur seinem direkten Gegenspieler gegenüber, auch Albas Center bedrängten den flinken Spielmacher und hinderten ihn daran, den direkten Weg zum Korb zu finden. Mit einer 9:0-Serie zogen die Berliner auf 15:6 davon, nach dem ersten Viertel stand es 17:10. Zu diesem Zeitpunkt hatte Katzurin bereits elf Spieler eingesetzt, den Skyliners waren gegen den permanenten Druck gerade einmal zwei Körbe aus dem Feld gelungen. Wood hatte nur vier Punkte erzielte, am Ende waren es gerade einmal zehn. Mitte des zweiten Viertels unterlief dem 25-Jährigen sogar ein so genannter „Airball“ – sein Dreipunktewurf verfehlte zum Entsetzen der 5002 Zuschauer in der Ballsporthalle Korb und Brett komplett. Kurz vor der Halbzeitpause war der Vorsprung der Berliner auf 20 Punkte angewachsen, viele Frankfurter Fans suchten die Schuld für die sich überdeutlich anbahnende Pleite bei den Schiedsrichtern, der Hallensprecher musste die Zuschauer ermahnen, doch bitte keine Gegenstände aufs Spielfeld zu werfen.

Nach der Pause wurden das Publikum kaum leiser – auch wenn Alba die Frankfurter weiter kämpferisch und kunstvoll dominierte. Die Berliner erzielten die ersten sieben Punkt der  zweiten Hälfte und zerstörten damit die kleine Hoffnung der Skyliners, gleich zurück ins Spiel zu stürmen. „Alba hat das Spiel dominiert“, sagte Frankfurts Coach Gordon Herbert. „Sie hatten einen viel größeren Siegeswillen und viel mehr Energie.“ Alba ließ weiterhin kaum Punkte zu, wurde im Angriff aber ein wenig übermütig. Heiko Schaffartzik und Miroslav Raduljica leisteten sich leichtsinnige Ballverluste, die Katzurin an der Seitenlinie ausflippen ließen, Frankfurt aber auch nicht weiterhalfen. Vor dem Schlussviertel, beim Stand von 50:28 für Alba, meldete sich der Hallensprecher noch einmal zu Wort und forderte mehr Anfeuerung: „Wir leben noch!“ Doch die Berliner verfielen nicht in ihr altes Verhaltensmuster, eine Führung nur noch verwalten zu wollen. „Wenn wir am Sonntag auch so spielen, wird es ganz schwer für Frankfurt“, sagte Albas Lucca Staiger. Dem hätte wohl niemand in der sich rasch leerenden Ballsporthalle widersprochen.

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