Sport : Alba Berlin: Kontinuität für den Neuanfang (Kommentar)

Dietmar Wenck

Das Alter brauchte am meisten Zeit. Wendell Alexis, für einen Basketball-Profi reife 36 Jahre alt, hätte gern einen längerfristigen Vertrag bei Alba Berlin unterschrieben. Doch schließlich willigte er in das Angebot des Vereins ein, zunächst ein weiteres Jahr für die Berliner anzutreten. Verlängerung nicht ausgeschlossen, wenn der Körper mitspielt. Alba hat gepokert, blieb damit jedoch seinem Prinzip treu, die sportliche Qualität möglichst hoch, aber das finanzielle Risiko zugleich möglichst gering zu halten. Und ein hoch bezahlter Spieler wie Alexis, der auf die vierzig zugeht und trotzdem einen Kontrakt über zwei Jahre bekommt, stellt ein erhebliches Risiko dar.

Nun sind dennoch alle erleichtert, dass Alexis bleibt. Der Amerikaner ist für Alba nicht nur wegen seiner vielen Punkte wichtig. Er identifiziert sich mit seinem Verein, wie das kaum ein anderer der vielen ausländischen Profis tut, die in Europa mit Basketball ihren Lebensunterhalt verdienen. Er ist der herausragende Spieler, aber neben Henrik Rödl auch die größte Integrationsfigur im Berliner Team. Sein Bleiben erleichtert dem neuen Cheftrainer Emir Mutapcic die Arbeit. Die ist schwer genug, Alba baut in diesem Sommer wieder eine neue Mannschaft auf. Da kann noch so viel von Kontinuität gesprochen werden: Der Meister hat fünf Spieler verloren, die in Deutschland außer Alba jeder Verein gern als Stammbesetzung hätte. Wenn er sie bezahlen könnte.

Die Berliner haben trotzdem wieder eine gute Mannschaft zusammen. Mit dem Jugoslawen Dejan Koturovic wurde sogar erstmals ein Weltmeister verpflichtet. Er könnte neben Alexis zum neuen Star werden. Ein Mann für die Fans, und die braucht Alba in einer Saison mit ständig stärker werdender nationaler Konkurrenz, in einer neuen Europaliga, im Jahr eins nach dem Übervater Svetislav Pesic, mehr denn je. Auch die Heimkehrer Marko Pesic und Teoman Öztürk sind in diesem Zusammenhang sehr wichtig für den Verein. Die Herausforderung für Alba Berlin ist nicht klein. Doch ohne den "Iceman" Wendell Alexis wäre sie noch viel größer geworden.

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