Sport : Alba Berlin: Man kann schon fast drauf wetten

Benedikt Voigt

Am Anfang präsentierte sich die neue Liga von ihrer schönsten Seite. Anstatt wie früher in die häßliche Boschetsrieder Straße nach München zu fahren, wo der Weltbasketball-Verband Fiba seinen Sitz hat, durfte Marco Baldi gestern in einem mittelalterlichen Palazzo in Venedig die Auslosung zur Basketball-Euroleague erleben. Als aber die letzten Lose gezogen waren, war für den Vizepräsidenten des Deutschen Basketballmeisters Alba Berlin alles wie früher: Sein Verein spielt in der schwersten Gruppe.

"Es ist eine ewige Wiederholung", klagte Baldi, "man kann schon fast darauf wetten". In der stärksten Europaliga aller Zeiten bekommen es die Berliner fast durchweg mit namhaften und etablierten europäischen Spitzenklubs zu tun. Zum Beispiel mit Maccabi Tel Aviv, dem Suproleague-Sieger der vergangenen Saison. Oder mit Olympiakos Piräus, dem Zweitplatzierten der griechischen Meisterschaft und Europaliga-Sieger von 1997. Immerhin können sich die Alba-Fans dabei auf ein Wiedersehen mit Patrick Femerling und Misan Nikagbatse freuen. Außerdem muss sich Alba noch mit Efes Pilsen Istanbul, das zuletzt zweimal in Folge das Final Four erreichte, und Benetton Treviso, dem Euroleague-Viertelfinalisten, sowie Unicaja Malaga auseinandersetzen. Die Spanier werden von Bozidar Malkovic trainiert. "Er ist der beste Trainer in Europa", sagt Albas Coach Emir Mutapcic. Lediglich Slask Wroclaw, das von Alba in der letzten Saison zweimal geschlagen wurde, ist theoretisch nicht so stark. Ein Team, das sich erst noch qualifizieren muss, wird die starke Gruppe A der Euroleague ergänzen. "Das ist schon brutal", sagt Marco Baldi, "Franz Beckenbauer würde das eine Todesgruppe nennen." Die Gruppe B, in der Frankfurt spielt, erscheint leichter.

Der Modus verschärft die ungünstige Auslosung: Nur die ersten vier qualifizieren sich für die Zwischenrunde. Diese wird dann mit je vier Mannschaften in vier Gruppen ausgespielt. Die jeweils Erstplatzierten ermitteln dann im Final-Four-Turnier den Sieger. "Wir haben kein Glück gehabt", sagt Mutapcic, "aber dafür ist es für die Zuschauer eine sehr attraktive Gruppe". Auch der Spielplan meint es nicht gut mit den Berlinern. In Tel Aviv, zu Hause gegen Olympiakos und in Istanbul startet Alba in die Euroleague-Saison 2001/2002. Zwar sagt Mutapcic auch: "Wir wollen alle hinter uns lassen." Doch realistisch ist dieser Wunsch nicht. Immerhin konnte Alba in der Vergangenheit jedes europäische Spitzenteam schlagen. "Wir müssen jetzt Vertrauen in unser Konzept und unseren Willen haben", fordert Mutapcic. Baldi sieht das ähnlich. "Über uns als Gegner hat sich auch keine Mannschaft gefreut."

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