Alba Berlin : Marco Baldi: „Luka Pavicevic bleibt“

Albas Geschäftsführer Marco Baldi über seinen Trainer, die Folgen des Ausscheidens im Play-off-Halbfinale und die Aussichten auf eine Europaliga-Wild-Card.

Interview: Benedikt Voigt
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Nach dem Halbfinal-Aus. Marco Baldi.Foto: dpa

Herr Baldi, Ihr Team war in dieser Saison unter den besten 16 Mannschaften Europas, ist Pokalsieger – und scheidet trotzdem im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft aus. Wie konnte das passieren?



Das kann passieren. Bonn hat heute seine Qualitäten ausspielen können. Die Bonner haben alles getroffen – neun von zehn Dreiern, das schafft man normalerweise nicht einmal, wenn man glockenoffen ist. Und unsere Verteidiger hatten eine Hand im Gesicht des Werfers. Das muss man respektieren, Glückwunsch an Bonn. Wir waren zu krampfig, das ist genau die Gefahr, wenn es zu einem fünften Spiel kommt.

Warum kam es überhaupt dazu?

Das war das Problem. Wir konnten im Lauf der Saison keine Souveränität finden. Aber es ist auch ein riesiger Unterschied, ob ich Meister werden kann wie Bonn. Oder es werden muss wie Alba Berlin.

Wie bewerten Sie diese Saison?

Wir haben in diesem Jahr mit dem Umzug in die neue Halle und den Erfolgen in der Europaliga eine neue Dimension erreicht. Dass das nicht gekrönt werden kann mit der Meisterschaft, ist bitter und traurig. Diese Saison ist nur noch die Hälfte wert.

Wie stehen die Chancen, dass Alba über eine Wild Card in die Europaliga kommt?

Nach aktuellem Stand spielt der Deutsche Meister in der Europaliga und sonst keiner. Wenn es eine Möglichkeit für eine Wild Card gibt, werden wir uns selbstverständlich zeigen. Aber realistisch ist im Moment, dass wir im nächsten Jahr nicht in der Europaliga spielen werden.

Wird der sportliche Misserfolg für Trainer Luka Pavicevic Konsequenzen haben?

Wir müssen damit leben, dass im Moment alle Argumente gegen ihn sprechen, weil wir unser Ziel nicht erreicht haben. Das ist so. Aber wir haben den Vertrag nicht vorzeitig bis 2012 verlängert, weil wir dachten, wir spazieren zur Meisterschaft und alles läuft von alleine. Wir wussten, dass es ein harter Weg wird. Wir werden das gemeinsam aufarbeiten, und dann geht’s nach vorne. Diese Personalie wird genauso bleiben, wie sie ist.

Pavicevic stand schon vor dem heutigen Ausscheiden in der Kritik...

...für die Hexenjagd gegen ihn habe ich kein Verständnis. Er ist ein exzellenter Fachmann, der diesen Verein auf vielen Sektoren befruchtet. Basketball-Deutschland soll froh sein, dass so ein Mann hier ist.

Warum? Albas deutsche Nationalspieler freuen sich alle auf die Nationalmannschaft, weil sie dort mehr Spielzeit als unter Luka Pavicevic bekommen.

Ich halte es für einen Witz, wenn aus Bonn kommt, nur die Bonner setzen auf deutsche Spieler und über Alba wird nicht geredet. Ein Philip Zwiener ist durch Luka Pavicevic erst ein Kandidat für die Nationalmannschaft geworden. Wenn Bonn möchte, dass wir was für die deutschen Spieler tun, dann soll Bonns Präsident auch mal für die Erhöhung der Deutschenquote in der Liga stimmen.

Welche Konsequenzen hat das Aus für den gesamten Klub?

Das wissen wir heute noch nicht. Die großen Klubs sind die, die in der Lage sind, nach so einer Saison wieder anzugreifen. Doch wegen der wirtschaftlichen Krise trifft uns dieses Abschneiden doppelt hart. Es kommen schwierige Zeiten. Aber wir sind gefestigt genug, um auch diese Hürde zu nehmen. Auch Barcelona spielt nicht jedes Jahr Europaliga. Alba hat ein stabiles Fundament, es bricht nicht alles zusammen, wenn wir nicht Meister werden. Aber dieses Ergebnis müssen wir jetzt erst mal verdauen.

Marco Baldi, 47, arbeitet seit 1990 für den Basketball-Bundesligisten Alba Berlin, mit dem er achtmal Meister wurde. Zurzeit ist er Geschäftsführer und Vizepräsident des Klubs.

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