Alba Berlin : Morgens Training, abends Bescherung

Alba Berlins Basketballer spielen erstmals an den Weihnachtstagen – am 26. Dezember ist Göttingen zu Gast.

Helen Ruwald,Lars Spannagel

Berlin - Im Vielvölkerteam Alba Berlin ist es in diesem Jahr gar nicht so einfach, alle Weihnachtsbräuche unter einen Hut zu bekommen. Die deutschen Spieler wie Steffen Hamann feiern am Heiligabend, die Amerikaner wie Julius Jenkins und Immanuel McElroy bescheren ihre Kinder am Vormittag des 1. Feiertags. Und am 26. Dezember wird es in der Bundesliga schon wieder ernst: Dann empfängt Alba in der Arena am Ostbahnhof Göttingen (18.45 Uhr, live im DSF). „Für mich ist dieses Jahr besonders, weil ich Weihnachten nicht mit meiner Familie verbringen kann“, sagt Hamann. „Ich finde es schade, dass das Menschliche da ein bisschen vergessen wird. Aber als Profi muss ich das verstehen.“

Im vergangenen Jahr gingen Albas Profis nach dem Heimspiel gegen Tübingen in eine Weihnachtspause und präsentierten sich den Fans erst wieder knapp zwei Wochen später am 3. Januar gegen Frankfurt. In den Vorjahren war es ähnlich – Alba hatte Zeit für ein wenig Besinnlichkeit. Diesmal ist der Spielplan weitaus enger. Am 30. Dezember treten die Berliner in Ludwigsburg an, am 2. Januar kommen Paderborns Profis nach Berlin. „Eine Pause hätte Charme“, sagt Albas Geschäftsführer Marco Baldi, „aber dass sie fehlt, ist das kleinere Übel.“ Dadurch entgehe man den im Vorjahr üblichen Doppelspieltagen und dem kräftezehrenden Freitag-Sonntag-Mittwoch-Rhythmus. Für die Spieler bedeutet das freilich, dass Weihnachten mit Ausnahme des Heiligen Abends quasi ausfällt. Damit alle Spieler wenigstens ein bisschen Zeit für ihre Familien haben, hat Albas Coach Luka Pavicevic Trainingseinheiten für den Morgen des 24. Dezember und für die Mittagszeit des 25. Dezember angesetzt. „Ich habe die Spieler gefragt, wann sie am liebsten trainieren würden“, sagt Pavicevic.

Aus Sicht der Basketball-Bundesliga (BBL) gibt es mehrere Argumente für die Feiertagsspiele. Zum einen will man einer Terminkollision mit der Fußball-WM in Südafrika so weit wie möglich aus dem Weg gehen. Sowohl bei der WM 2006 als auch bei der EM 2008 sei es schwierig gewesen, für die Play-offs die Aufmerksamkeit der Medien zu erlangen, sagt BBL-Sprecher Dirk Kaiser. Zudem, sagt Kaiser, gebe es die Vorgabe der Europaliga, bis Mitte Juni den Meister ermittelt zu haben: „Andere Ligen sind da schon längst fertig.“ Manche Vereine wollten sogar an Weihnachten spielen, weil sie dann die Hallen füllen könnten. „Dann hat man zwei Tage gut gegessen und will mal rausgehen“, sagt Kaiser, „es gibt viele Jobs, in denen am 26. Dezember gearbeitet wird. Da gehört eben auch die Unterhaltungs- und Sportbranche dazu.“ Mit einer gut gefüllten Halle kann auch Alba Berlin rechnen. Schon zum Bundesligaspiel am vergangenen Sonntag, dem ersten Feriensonntag, kamen gegen Braunschweig mehr als 11 000 Fans – gegen ein Team aus dem unteren Mittelfeld der Tabelle.

Für Luka Pavicevics eigene Familie ist die Terminplanung der nächsten Tage ein kleineres Problem: Wie seine Spieler Dragan Dojcin und Blagota Sekulic feiert der Serbe das orthodoxe Weihnachtsfest in der Nacht vom 6. auf den 7. Januar. Entspannt wird Pavicevic allerdings auch dann nicht sein: Am 5. Januar spielt Alba im Eurocup bei Teramo, vier Tage später auswärts in Trier. „Dann geht alles wieder von vorn los“, sagt Pavicevic.

0 Kommentare

Neuester Kommentar