Alba Berlin : Noch mehr Außenseiter als sonst

So gering waren ihre Chancen auf einen Sieg wohl noch nie in dieser Saison: Alba tritt heute mit viel Respekt in der Basketball-Europaliga in Barcelona an.

Lars Spannagel

Berlin - Am vergangenen Donnerstagabend war Alba Berlins Geschäftsführer Marco Baldi ohnehin schon gebeutelt – gerade hatte seine Mannschaft ein fast gewonnenes Spiel gegen Real Madrid noch unglücklich und unnötig verloren. Doch die nächste Nachricht ließ Baldi noch mehr aufstöhnen: Der FC Barcelona hatte Tel Aviv – wo Alba mit 31 Punkten verloren hatte – mit 20 Punkten Unterschied geschlagen. „Die haben einfach alles“, sagte Baldi mit gequältem Lächeln über die Katalanen. Heute (20.45 Uhr, live bei Eurosport) treten die Berliner nun in Barcelona an. So gering waren ihre Chancen auf einen Sieg wohl noch nie in dieser Saison.

„Die Vorzeichen sind nicht übermäßig günstig“, gibt Baldi zu. „Wir sind zurzeit etwas angegriffen.“ Alba ließ dem 84:87 gegen Madrid eine deutliche 66:80-Niederlage in Bonn folgen, bei der die Spieler unkonzentriert wirkten. „Für uns als Team war die Niederlage gegen Real herzzerreißend“, sagt Dreipunkte-Spezialist Casey Jacobsen. Neben dem psychischen Tief hat Alba auch mit physischen Verschleiß erscheinungen zu kämpfen: Ansu Sesay zog sich in Bonn eine Überdehnung des Innenbands im rechten Sprunggelenk zu. Ob er heute auflaufen kann, wird sich erst kurz vor dem Spiel entscheiden. Sein Ausfall wäre eine weitere Schwächung auf den großen Positionen, wo Alba ohnehin dünn besetzt ist. Im Gegensatz zu Barcelona, wo sich Ersan Ilyasova (2,06 Meter) Fran Vazquez (2,09), David Andersen (2,12) und Daniel Santiago (2,16) unter dem Korb abwechseln. Auf Leichtsinn beim Gegner darf Alba kaum hoffen. „Vor der Zwischenrunde haben viele gesagt: Vielleicht nehmen die Favoriten Alba nicht ernst“, sagt Baldi. „Inzwischen wissen wir: Das ist nicht so.“

Die Liste der Fakten, die gegen Alba sprechen, lässt sich fortsetzen. Barcelona hat in eigener Halle in dieser EuropaligaSaison noch nicht verloren, Alba tut sich auswärts meist schwer. Barcelona stellt die zweitbeste Verteidigung der Europaliga, Albas Probleme liegen hauptsächlich im Angriff. „Barcelona ist in vielerlei Hinsicht beeindruckend, das Team ist nicht nur gegen uns Favorit“, sagt auch Albas Trainer Luka Pavicevic. „Wir werden uns sehr anstrengen müssen, damit es ein enges Spiel wird.“

Für die Berliner spricht eigentlich nur, dass sie ohne Druck in die Partie gehen können. Das weiß auch Marco Baldi: „Wir dürfen einfach nicht so viel darüber nachdenken, wie schwierig das alles ist.“

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