Alba Berlin : Ohne Rückenwind nach Hamburg

Alba muss die deutliche Niederlage gegen Barcelona schnell verarbeiten – sonst droht am Sonnabend das Aus im Pokal

Helen Ruwald
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Chancenlos. McElroy (r.) kommt gegen Barcelonas Barton nicht an den Ball. Foto: ddp

Berlin - Zehn Punkte im ersten Viertel, neun im zweiten, dreizehn im dritten – selten dürften sich die Basketballer von Alba Berlin mehr nach der Schlusssirene gesehnt haben als am Donnerstagabend gegen den übermächtigen FC Barcelona. Nur weg vom Spielfeld, der Hoffnungslosigkeit entkommen. Doch sie mussten noch zehn weitere Minuten durchhalten, und in diesen ersparten die Spanier ihnen weitere Qualen. Die Gastgeber durften selber 25 Punkte machen und sich vergewissern, dass auch sie den Korb noch zu treffen vermögen. Dass die Berliner beim 57:75 im Schlussabschnitt fast so viele Punkte sammelten wie in den 30 Minuten zuvor und sich das Endergebnis nicht ganz so desaströs las, wie zeitweilig zu befürchten war, mag Alba ein wenig Hoffnung gegeben haben für die nächsten anspruchsvollen Tage.

„Wir haben null Zeit für Enttäuschung, Aufarbeitung und tiefgehende Analyse“, sagte Albas Geschäftsführer Marco Baldi. Schließlich geht es schon heute im Halbfinale der Pokalendrunde in Hamburg gegen die Frankfurt Skyliners weiter (19 Uhr, live im Internet bei bbl.tv). Zuvor treffen im anderen Semifinale die Telekom Baskets Bonn und die Giants Düsseldorf aufeinander. „Wenn man so dominiert wird, muss man schon schlucken“, sagte Baldi, „das gibt keinen Rückenwind. Wir müssen jetzt die Substanz finden, um das durchzustehen.“ Physisch wie psychisch. Gelingt das nicht, könnte Alba gegen Frankfurt binnen drei Tagen aus dem zweiten Wettbewerb ausscheiden. Nach der vierten Niederlage im vierten Spiel der Europaliga-Zwischenrunde hat der Deutsche Meister die letzte Chance aufs Weiterkommen vergeben. Das Ausscheiden war freilich einkalkuliert, wurde doch schon der Einzug in die Zwischenrunde als Riesenerfolg gewertet.

Anders ist es im deutschen Pokal: Hier soll sich das Desaster vom Vorjahr unter keinen Umständen wiederholen. Damals scheiterte Alba im Halbfinale an den Artland Dragons Quakenbrück. Dijon Thompson reagierte seinen Frust bei einem nächtlichen Reeperbahnbummel ab und wurde von Alba gefeuert. Die Ereignisse des Vorjahres „sind Motivation für uns“, sagte Sportdirektor Henning Harnisch. „Großes wartet.“

Gegen Barcelona fehlte Alba allerdings nicht nur die Klasse, sondern bei vielen auch die Normalform. Julius Jenkins, sonst ein Garant für starke Leistungen, gelang nicht ein einziger Punkt. Während der neue Center Blagota Sekulic (vier Punkte, vier Rebounds) zwölf Minuten spielen durfte, gönnte Pavicevic den deutschen Nationalspielern Johannes Herber und Philip Zwiener nicht einmal einen Kurzeinsatz, sondern beharrte trotz des kräftezehrenden Programms der nächsten Tage auf seiner üblichen Rotation.

Adam Chubb gehörte zu denen, die mitspielen durften oder mussten. „Wir müssen das Spiel schnell vergessen. Unserem Selbstbewusstsein wird das nichts anhaben“, sagte der Center. Marco Baldi ist sich da nicht so sicher. Nach der unglücklichen Niederlage gegen Real Madrid in letzter Sekunde „haben wir gelitten wie die Hunde, und das hatte Auswirkungen auf das nächste Spiel“. Alba verlor in Bonn deutlich. Ob es diesmal anders wird? „Wir haben nicht die breiteste Brust. Alles andere zu behaupten wäre zu optimistisch.“

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