Sport : Alba Berlin: Riskante Option auf die Zukunft

Benedikt Voigt

Zeljko Obradovic war schlecht gelaunt. "Nein, jetzt hat erst Wendell Alexis das Wort", blaffte der Basketballtrainer von Panathinaikos Athen den griechischen Moderator auf der Pressekonferenz an. Seine Stimmung passte zu der trostlosen Atmosphäre, die zuvor 400 Zuschauer im 20 000 Fans fassenden OAKA-Stadion von Athen verbreitet hatten. Als dann auch noch der Pressesprecher bei der Übersetzung für die ausländischen Journalisten dilettierte, siegte der Zorn beim jugoslawischen Coach. "Das ist unglaublich", echauffierte sich Obradovic über seinen eigenen Klub, "nur bei Panathinaikos kann so etwas passieren."

Während der Kollege schimpfte, saß Emir Mutapcic still auf der rechten Seite des Podiums und hielt sich eine Hand an die Wange. Der Trainer von Alba Berlin hatte nach der Niederlage bei Panathinaikos Athen (75:92) in der Suproleague ganz andere Sorgen, als sich mit katastrophalen Zuschauerzahlen oder unwilligen Übersetzern zu beschäftigen. "Ich bin sehr enttäuscht", gab Mutapcic zu, "die Mannschaft muss ihre Linie behalten und nicht in so extreme Hochs und Tiefs verfallen." Derrick Phelps, Marko Pesic und Dejan Koturovic spielten zwar nicht konstant, dennoch hatte sich Alba Berlin im letzten Viertel bis auf drei Zähler herangekämpft. Dann setzte der Trainer Wendell Alexis, der drei Fouls hatte, und Dejan Koturovic auf die Bank. "Ich kann Wendell Alexis nicht 40 Minuten lang durchspielen lassen", verteidigt Mutapcic seine Maßnahme, "vielleicht hätte er auch sofort sein viertes Foul gemacht." Was der US-Amerikaner von der Bank aus beobachten musste, war der Anfang der vierten Niederlage im vierten Auswärtsspiel der Suproleague. "Ich habe gesehen, wie uns das Spiel entglitt."

Das ist das Problem von Alba Berlin in dieser Spielzeit. Zu wenig kommt von den Spielern, die nicht in der ersten Fünf stehen. Am Donnerstag erzielten alle Berliner Einwechselspieler zusammen sechs Punkte, während sich die Offensivleistung der griechischen Bankspieler auf insgesamt 23 Zähler summiert. Und es hängt zuviel von Wendell Alexis ab. Mit 28 Punkten war der 36-Jährige ebenso Topscorer wie der in der zweiten Halbzeit beeindruckend auftrumpfende Dejan Bodiroga. Albas US-Amerikaner bleibt nach seiner starken Leistung nur ein trauriges Gefühl. "Es gibt nur zwei Möglichkeiten", ärgert sich Alexis, "entweder ich hätte noch mehr punkten müssen oder die Punkte waren nicht nützlich."

Alba Berlin setzt in diesem Jahr auf junge, unerfahrenere Spieler wie Sven Schultze und Stipo Papic. "Damit gibst du eine Sache auf, und bekommst eine andere", sagt Alexis. Alba löste eine riskante Option auf die Zukunft, aber was macht die Gegenwart? In der Gruppe A ist die Situation für die Berliner mit Platz sieben schwieriger geworden und in der Bundesliga gilt es heute gegen den Mitteldeutschen BC (15.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle) nach der Pokalpleite in Tübingen die dritte Niederlage in Serie zu vermeiden. Es wartet das fünfte Basketballspiel in zehn Tagen. Doch schlimmer als die physische Erschöpfung wiegt nach der Pleite von Athen die mentale. "Mir tun nicht die Beine weh, sondern der Kopf", erklärt Wendell Alexis seine Verfassung.

Als der wichtigste Berliner Basketballer im Sommer seinen Vertrag bei Alba Berlin um ein Jahr verlängerte, kannte er bereits die Struktur der neuen Mannschaft und wusste, dass noch mehr Verantwortung auf ihn zukommen wird. "Aber es dürfen sich nicht alle nur auf mich verlassen", sagt der Forward. Mit den jungen Spielern versucht er möglichst viel zu reden und ihnen ein Vorbild zu sein. "Hoffentlich zahlt sich das aus", sagt Alexis, "bald."

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