Sport : Alba Berlin: Stolpernd zum Stillstand

Benedikt Voigt

Wer wissen will, was die meisten zum gegenwärtigen Leistungsstand von Alba Berlin sagen, der braucht nur auf der Internetseite www.albaberlin.de nachsehen. "Kai" schreibt dort beispielsweise: "Bald dürfte es soweit sein, dass der Fan für eine Auswärtsfahrt bares Geld vom Verein auf die Kralle bekommt - denn wer sieht schon eine vorprogrammierte Auswärtsniederlage?" Ein Fan namens "Quetzal" schließt sich an: "Wenn man das zum Teil hilflose Umhergestolpere einiger unserer Recken erleben musste, dann bleibt das Fazit, dass Alba europäisch nur mittelmäßig ist."

Die Enttäuschung der Fans ist verständlich. Zwar führt Alba Berlin in dieser Saison erneut die Bundesliga ohne Niederlage an, doch in der Suproleague müssen die Berliner vor dem heutigen Rückrundenstart bei Lietuvos Rytas Vilnius sogar um die Play-off-Teilnahme bangen. Acht von zehn Mannschaften qualifizieren sich für die nächste Runde, doch das Team von Trainer Emir Mutapcic muss nach vier Heimsiegen und nach fünf Auswärtsniederlagen fürchten, womöglich noch auf Platz neun oder zehn abzurutschen. Es scheint Stillstand zu herrschen, wenn man die sportlichen Ergebnisse der letzten Jahre ansieht. "In meinen ersten beiden Jahren hat Alba Berlin die größte Entwicklung genommen" sagt Wendell Alexis, der in seiner fünften Saison für Alba spielt, "seither gab es keine große Weiterentwicklung". Marco Baldi sieht das anders. "Wir haben ein Ziel", sagt der Vizepräsident der Berliner, "wir wollen nicht zwanzigmal Deutscher Meister werden, sondern eine Institution, um die man nicht mehr herumkommt." Momentan kommen die Fans allerdings in Suproleague-Heimspielen immer öfter um die Max-Schmeling-Halle herum. Der Schnitt liegt gegenwärtig unter 5000 Zuschauern. Baldi hofft auf die kommenden Spiele: "Das hat sich zum Ende der Vorrunde immer aufgebaut, außerdem habe wir in der Bundesliga den Schnitt gehalten."

Vier deutsche Meistertitel in Folge und der Korac-Cup-Sieg von 1995, das sind die größten Erfolge der vergangenen Jahre. "Es ist normal, dass die Erwartungshaltung steigt", sagt Baldi. Doch der Vizepräsident wehrt sich dagegen, die vier nationalen Titel als Stillstand anzusehen. "Eine Meisterschaft ist nicht normal, die haben wir uns alle super hart erkämpft." Man sei auch in diesem Jahr in der Bundesliga weniger überlegen als es scheine, glaubt Baldi.

Die Berliner sind mit einem Etat von knapp 10 Millionen DM national der finanzkräftigste Klub. International ist diese Summe wie die gegenwärtige sportliche Leistung bei Auswärtsspielen - allenfalls Mittelmaß. "Wir können nicht auf den Markt gehen und sagen: Den brauchen wir und den brauchen wir", sagt Baldi, "wir müssen uns unsere Spieler selbst aufbauen." Über die Identifikation mit Alba Berlin soll eine Zusatzmotivation für die jungen Spieler geschaffen werden, sagt der Vizepräsident. Zuletzt fühlten sich die Nachwuchsspieler Misan Nikatbatse und Jan Jagla, dieden Verein wechselten bzw. wechseln werden, gar nicht so sehr zum Bleiben motiviert. "Wir können ihnen nur zeigen wie viele junge Spieler wir in die Nationalmannschaft gebracht haben", sagt Marco Baldi. Der langjährige Manager der Berliner ist mit dem Verlauf der gegenwärtigen Saison zufrieden. "Ein Blick auf die Suprolegue ist kontroproduktiv", sagt er. "Es ist noch zu früh, um etwas zu sagen."

Neun Partien stehen noch aus. "Mit neun Siegen sind wir Erster", sagt Alexis, "dass ist zwar unrealistisch, aber nicht unmöglich." Ein Erfolg heute beim Tabellenneunten, der zu Hause erst einmal gewann, Alba schon weiterhelfen. Allerdings ist der Einsatz des am Rücken verletzten Wendell Alexis weiterhin sehr fraglich.

Vor drei Jahren hatte der 36-Jährige dieses Problem noch nicht gehabt. Wenn sich Alexis an die Saison 1997/98 zurückerinnert, als Alba in der Europaliga bis ins Viertelfinale vorstieß, gerät er ins Schwärmen: "Mit Karassew, mit Chris Welp, mit Harnisch - das war die beste Mannschaft, die wir hier bei Alba je hatten." Verdammt lang her.

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