Sport : Alba Berlin verliert in Kaunas und rätselt über die Gründe

Benedikt Voigt

Einige Minuten nachdem sich der Lärm von 2500 Litauern gelegt hatte, stand Svetislav Pesic in einem Hallendurchgang und wollte ein Interview geben. Der Trainer von Alba Berlin kam jedoch nicht weit mit seinen Ausführungen, weil ein junger Litauer vorbei ging. Der Alba-Coach reichte ihm die Hand und sagte: "Congratulations, good game." Dann kam noch ein Spieler von Zalgiris Kaunas, und wieder unterbrach Pesic seinen Satz. Als schließlich der tschechische Centerspieler George Zidek dem Ausgang zustrebte, wiederholte sich der Coach: "Congratulations, good game."

Mit "gratuliere, gut gespielt" konnte der Basketballtrainer am Mittwochabend in Kaunas keinen Alba-Spieler gemeint haben. "Super schlecht", fand Flügelspieler Ademola Okulaja die Leistung seines Teams in der zweiten Halbzeit, "das war die schlechteste Halbzeit von uns in dieser Saison." 70:89 (40:38) unterlag der Deutsche Meister im vorletzten Vorrundenspiel der Europaliga dem Titelverteidiger Zalgiris Kaunas. Die Berliner hatten sich in der Offensive durch die aggressive Verteidigung der Litauer in den zweiten 20 Minuten vollkommen aus dem Konzept bringen lassen. Zudem verteidigte Alba im zweiten Durchgang zu nachlässig und gestattete Kaunas 51 Punkte.

Nach der ersten Niederlage in der Bundesliga gegen Leverkusen (84:87) und der schlechten zweiten Halbzeit von Kaunas (30:51) steckt Alba in einer kleinen Krise. "Jetzt kann man rätseln, ob es an der zweiwöchigen Pause liegt", erklärte Bogojevic. Aufbauspieler Frankie King, der wie Femerling auf 18 Punkte kam, stellte fest: "Wir rennen nicht mehr so wie vor der Pause, das war schon in Leverkusen so." In Kaunas kamen die Berliner nur eimal durch Henrik Rödl zu einem Schnellangriff, ansonsten zeigte Kaunas in der zweiten Hälfte, wie man schnelle Punkte erzielt.

"Alle haben plötzlich angefangen zu treffen", erinnerte sich Vladimir Bogojevic. Neben dem überragenden Distanzschützen Mindaugas Zukauskas (29 Punkte) trumpfte in der zweiten Halbzeit auch Flügelspieler Mindaugas Timinskas (22) auf. Der Alba-Aufbauspieler hieß übrigens im Programmfaltblatt ähnlich: Vladimiras Bogojevicius. Sein Trainer, der in Litauen Svetislavas Pesicius genannt wird, entschuldigte den Leistungsabfall in der zweiten Halbzeit mit der Verletztenmisere: "Wenn alle 100prozentig fit sind, dann ist das natürlich ein bisschen etwas anderes." Rödl, King und Alexis waren angeschlagen in die Partie gegangen.

"Jetzt müssen wir in Athen gewinnen", sagte Bogojevic. Das wird schwer, denn Panathinaikos (66:63 gegen Real Madrid) verlor in dieser Saison noch kein Spiel. Zuvor steht jedoch am Sonnabend (14 Uhr, Max-Schmeling-Halle) das Bundesligaspiel gegen Vizemeister Telekom Baskets Bonn auf dem Programm. Die Sorgen bei Alba Berlin sind nach den ersten beiden Saison-Niederlagen hintereinander größer geworden. "Normal trainieren", gibt Pesic nun als Rezept aus. Damit er wieder den eigenen Spielern gratulieren kann.

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