Sport : Alba Berlin: Vertrauen missbraucht

Benedikt Voigt

Für Wendell Alexis ist dies nicht die Zeit, um Basketball zu spielen. Der US-Amerikaner von Alba Berlin sorgt sich um seine Schwägerin, die im World Trade Center arbeitete und seit dem Terror-Anschlag vom Dienstag vermisst wird. Seine Frau will jetzt nach New York fliegen und selber nach ihrer Schwester suchen. Wendell Alexis, der wie sein Mannschaftskamerad Derrick Phelps aus New York stammt, wird unterdessen in Berlin auf seine drei Kinder aufpassen. Deshalb fuhr der 37-Jährige gestern auch nicht mit der Mannschaft zum Vorbereitungsturnier nach Bamberg.

Dort fehlte auch Dejan Koturovic, doch dessen Fernbleiben lässt sich nur schwer erklären. "Es gibt keinen Notfall", wundert sich Albas Vizepräsident Marco Baldi. Der Verein suspendierte den Centerspieler, nachdem dieser nicht wie vereinbart am 11. September von einem Sonderurlaub zurückgekommen war. Nun wird er in den nächsten Tagen in Berlin erwartet. "Wir werden uns mit ihm zusammensetzen und sehen dann, ob es eine gemeinsame Zukunft gibt." Gleichzeitig sucht der Deutsche Meister auf dem Markt nach Alternativen.

Den Sonderurlaub hatte Koturovic erhalten, um private Dinge zu erledigen und den Kopf freizubekommen. Die drei Operationen nach der Saison dürften den sensiblen Jugoslawen weit zurückgeworfen haben. Dennoch wundert man sich bei Alba Berlin über das Verhalten des Jugoslawen. "Er hat in der vergangenen Saison eine perfekte Einstellung an den Tag gelegt", sagt Baldi. Das soziale Umfeld in Berlin sei auch in Ordnung gewesen. "Er hatte Freunde in der Mannschaft und außerhalb des Basketballs."

Auf jeden Fall wird der verlängerte Urlaub für Koturovic Folgen haben. "Er kann nicht einfach die Mannschaft alleine lassen", erklärt der Alba-Vizepräsident. Koturovic wird mindestens mit einer Geldstrafe belegt. Wenn er nicht sogar aus der Mannschaft fliegt. "Das Vertrauen leidet", sagt Baldi, "es geht einfach nicht, dass jemand nicht zur Arbeit erscheint." Drei Wochen vor Saisonbeginn wachsen die Probleme bei Alba Berlin. Jörg Lütcke und Henrik Rödl sind nach ihren Operationen noch nicht fit, und die Nationalspieler müssen erst wieder in das Team eingegliedert werden. Baldi sagt: "Wir wissen, dass die Vorbereitung nicht optimal läuft."

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