Sport : Alba Berlin: Wenn man die Augen schließt, ist Pesic noch da

Benedikt Voigt

Emir Mutapcic sitzt in der Hotelhalle auf einer Couchgarnitur und spricht. Wenn man die Augen schließt, glaubt man, dessen Vorgänger Svetislav Pesic zu hören. Der aktuelle Trainer von Alba Berlin brummt mit der gleichen tiefen Stimme, er stolpert mit dem gleichen jugoslawischen Akzent durch deutsche Sätze, und auch sein Wortschatz kommt einem bekannt vor. "So ist Situation", hat Pesic gern gesagt, bei seinem Nachfolger auf dem Basketballfeld hört sich dies geringfügig anders an. Mutapcic sagt: "Das ist neue Situation."

"Das ist neue Situation." Diesen Satz wiederholt der neue Trainer von Alba Berlin im Trainingslager in Bad Tatzmannsdorf (Österreich) des Öfteren. Es hat sich ja auch im Vergleich zur vergangenen Saison einiges verändert für den Deutschen Basketballmeister. Neben Trainer Pesic haben die Spieler Patrick Femerling (Olympiakos Piräus), Vladimir Bogojevic (Partizan Belgrad), Ademola Okulaja, Geert Hammink und Terry Dehere (alle noch ohne neuen Verein) den Klub verlassen. Dafür rückte Mutapcic zum neuen Cheftrainer auf, Marko Pesic (Iraklis Saloniki), Derrick Phelps (Telekom Baskets Bonn), Teoman Öztürk und Dejan Koturovic (beide Ülker Istanbul) wurden für die Spielzeit 2000/2001 neu verpflichtet. In Denis Vrsalko (KK Zadar) und Milan Sukop (Sparta Prag) testet Alba gegenwärtig im Trainingslager noch zwei 18-Jährige, die künftig mit einer Doppellizenz für TuS Lichterfelde und Alba Berlin auflaufen könnten. Doch nicht alles ist neu bei Alba Berlin. "Diese Mannschaft hat die gleiche Qualität wie letztes Jahr", findet der neue Coach. Auch der alte und neue Kapitän Hendrik Rödl sagt: "Ich glaube, dass wir eine sehr gute Mannschaft haben, wir haben auch dieselben Ziele wie sonst." Als da wären, den deutschen Meistertitel verteidigen, den Pokal gewinnen und in der Europaliga in die Play-offs kommen.

"Aber die SuproLeague ist eine neue Situation", findet Mutapcic. Die Europaliga der vergangenen Jahre ist nach der Abspaltung von 24 zumeist südeuropäischen Vereinen zweigeteilt. Alba Berlin spielt in der SuproLeague des Basketball-Weltverbandes Fiba zunächst in der Gruppe gegen neun weitere Teams. Die ersten Acht kommen in die Play-offs. "Da stehen wir vor einer neuen Sache", sagt Rödl, "keiner weiß, wie sich das gestaltet." Ein Ziel für die SuproLeague sei schwer zu setzen. "Vielleicht kommen wir sehr einfach ins Halbfinale, dann wollen wir im kommenden Jahr auch ins Finale - vielleicht wird es aber auch sehr schwer."

Leichter lässt sich schon jetzt sagen, was Alba Berlin in der kommenden Bundesligasaison erwartet. "Viele Mannschaften sind jetzt gute Mannschaften", erklärt der Trainer. Neue Geldgeber, neue Finanzierungsmöglichkeiten durch den neuen Fernsehvertrag, neue Hallen, das alles gibt den Konkurrenten von Alba die Möglichkeit, zu den Berlinern aufzuschließen. "Das ist vielleicht schlecht für uns", sagt Mutapcic, "aber das macht die Liga interessanter." Zu guter Letzt muss sich Alba auch noch an eine neue Regel gewöhnen. Ab der kommenden Saison haben die Mannschaften nur noch 24 Sekunden für einen neuen Angriff. Das macht das Spiel schneller und attraktiver.

Doch so neu, wie es den Anschein hat, ist das alles für Alba Berlin auch nicht. Mutapcic gehört schon seit zehn Jahren zum "Programm Alba Berlin", zunächst als Spieler für Alba, dann als Spieler und Trainer des Partnervereins TuS Lichterfelde. "Die Art und Weise, wie man Mutapcic herangezogen hat", lobt der Mannschaftskapitän, "besser kann man einen Übergang nicht organisieren." Mutapcic spricht nicht nur wie sein Lehrmeister Pesic, er trainiert auch ähnlich. "Das ist eben die jugoslawische Schule", sagt Rödl. Und weil Aufbauspieler Marko Pesic und Teoman Öztürk nur Rückkehrer sind, müssen die Berliner eigentlich nur zwei neue Spieler integrieren. Davon ist Derrick Phelps den Berliner Zuschauern seit den zahlreichen Duellen gegen Bonn sehr gut bekannt. "Es gibt keine Überraschungen in der Mannschaft", resümiert Rödl, "alles ist klar."

Nur ein Problem hat Mutapcic jetzt. Der Alba-Trainer sitzt auf der Couch in der Hotelhalle, und weil er fast zwei Meter misst, weiß er nicht, wo er seine langen Beine hinstellen muss. Er legt sich quer in die Polster und man merkt: Das ist nun wirklich keine neue Situation für ihn.

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