Sport : Alba Berlin: Zum Leutnant degradiert

Benedikt Voigt

Auf dem Flughafen von Vilnius musste Derrick Phelps noch einmal leiden. Jemand hatte ihn auf das Thema Korbleger angesprochen, und der 28-jährige Basketballer von Alba Berlin ging im Geiste noch einmal seine fehlgeschlagenen Versuche durch, beim Suproleague-Sieg (80:71) in Vilnius den Ball nach zwei Schritten in den Korb zu legen. "Ahhhhhh", sagte Phelps und verzog sein Gesicht zu einem schmerzvollen Ausdruck, "die Korbleger ..."

Im Juli 2000 hatte Alba den Aufbausspieler vom Bundesligakonkurrenten Telekom Baskets Bonn verpflichtet. Dort verliehen ihm die Fans den Spitznamen "der General", weil er das Spiel vorzüglich kontrollieren konnte. In Berlin reicht es momentan allenfalls zum Rang eines Leutnants. "Er spielt nicht auf seinem Niveau", sagt Albas Trainer Emir Mutapcic, "aber er spielt nicht schlecht".

Nicht auf seinem Niveau - das gilt vor allem für die letzten Spiele in der Suproleague. In Vilnius traf Phelps lediglich mit drei von zwölf Würfen, ähnlich groß war sein Wurfpech in Siena. Noch schwächer sah seine Punktausbeute in den Heimspielen gegen Wroclaw und Moskau aus: Null Prozent bei Würfen aus dem Feld. "Da hat er sich mit einer Oberschenkelzerrung hinkend über das Feld geschleppt", entschuldigt Marco Baldi. Der Vizepräsident von Alba Berlin hat keine Probleme mit der Leistung seines Spielmachers: "Er macht genau das, was man von ihm erwartet hat."

Mutapcic schließt sich ihm an. "Es wird zu viel über Phelps gesprochen", sagte der Coach nach dem Bundesliga-Erfolg über den SSV Ulm (83:52). Sein Team ist in der nationalen Liga ungeschlagen und verzeichnet mit dem ersten Auswärtserfolg in der Suproleague einen leichten Aufwärtstrend, der heute gegen Ülker Istanbul (20.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle) fortgesetzt werden soll. Zumal sich Marko Pesic und Dejan Koturovic gegenwärtig in guter Verfassung zeigen, und Topscorer Wendell Alexis sich von seinen Rückenproblemen erholt hat. Fehlt noch Derrick Phelps.

"Es liegt nicht an dem Niveau des Wettbewerbs", sagt Phelps über seine Probleme in der Suproleague, "ich sehe keinen Unterschiede zu dem Niveau, auf dem ich vorher gespielt habe." Der gebürtige New Yorker bestritt nach seiner College-Zeit bei North Carolina, wo er gemeinsam mit Henrik Rödl 1993 Meister wurde, drei Partien für die Sacramento Kings in der nordamerikanischen Profiliga NBA. Woher kommt dann seine Offensivschwäche? "Ich weiß nicht", wundert sich Phelps, "ich habe keine Probleme, auch privat nicht". Zwar behindert ihn noch eine Knieverletzung leicht, doch bei seinem 20minütigen Einsatz am Sonntag gegen Ulm konnte er die Wurfquote verbessern: drei Treffer bei vier Versuchen.

"Seine Reaktion gegen Ulm war richtig", lobt Baldi, "er hat nicht versucht, irgendetwas Spezielles zu machen." Das ist auch die Qualität, weshalb Alba ihn holte. "Er ist ein intelligenter Spieler", findet der Vizepräsident, "er kann das Spiel lesen und seine Leute richtig einsetzen." Eine Stärke des New Yorkers liegt in der Defensive. In North Carolina, wo auch der Basketball-Heroe Michael Jordan spielte, hält Phelps mit 247 Ballgewinnen immer noch einen Rekord. "Man kann heute treffen und morgen nicht", entschuldigt Mutapcic, "aber man muss immer kämpferisch seine Leistung bringen - und das macht er sehr gut."

Phelps will gegen Ülker Istanbul wieder besser treffen. Schon auf dem Flughafen in Vilnius dachte der 1,92 Meter große Aufbauspiele an eine Wiedergutmachung in dem heutigen Spiel. "Allein schon, damit die Journalisten mir nicht mehr so unangenehme Fragen stellen."

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