Sport : Alba: Bloß nicht im Mittelpunkt stehen

Helen Ruwald

Emir Mutapcic war ganz unten. In den zwei Stunden, bevor Alba Berlin Meister wurde, war der Basketballtrainer dem Boden nahe. Er ging immer wieder in diese seltsame Hocke: rechtes Knie neben dem linken Fuß. Erstmals nahm Mutapcic diese Pose ein, als Derrick Phelps sich beim Aufwärmen vor ihm streckte und er auf Augenhöhe mit seinem Regisseur sein wollte. Einen der ersten Bonner Angriffe verfolgte er ebenfalls von unten, die linke Hand vor dem Mund. Mutapcic wollte ganz dicht dran sein am wichtigsten Tag seiner Trainer-Laufbahn. Und er war angespannt.

Die Anspannung fiel erst von ihm ab, als ihn seine Spieler nach der Siegerehrung in die Luft warfen. Da war er nicht mehr ganz unten, sondern ganz oben. Der 41-Jährige lachte fröhlich, er, der sonst so ruhig und nüchtern ist. Die Pressekonferenz versuchte der Meistertrainer so schnell wie möglich hinter sich bringen: nicht, weil er nichts zu sagen hatte, sondern weil er zu seiner Mannschaft wollte, deren Teamgeist er in der Stunde des Triumphes rühmte. Und zu Kotrainer Burkhardt Prigge. "Er ist nicht mein Assistent, sondern mein Freund", sagt Mutapcic, bemüht, sich selbst an den Rand des Geschehens zu rücken, "ich habe ein bisschen mehr Verantwortung."

Das ist leicht untertrieben. Als Svetislav Pesic Alba im vergangenen Sommer nach sieben Jahre verließ, stieg Mutapcic zur Nummer eins auf. An dem übermächtigen Titelsammler Pesic musste er sich messen lassen, an einem Mann, der Alba an die Spitze Deuschlands und Deutschland als Trainer zum EM-Titel geführt hatte. Der Bosnier Mutapcic gewann zwar als Spieler Bronze bei Olympia (1984), doch seine Erfolge als Trainer lasen sich bescheiden: Er stieg mit Albas Farmteam TuS Lichterfelde sportlich in die Erste Liga auf (der Verein verzichtete) und war Assistent von Pesic.

Als Cheftrainer ging Mutapcic mit einer stark veränderten Mannschaft in die Saison. Patrick Femerling, Wladimir Bogojevic und Terry Dehere und Robert Maras hatten Berlin verlassen. Dafür musste Mutapcic Derrick Phelps und Dejan Koturovic ins Team einbauen, ebenso die Rückkehrer Marko Pesic und Teoman Öztürk. Und alle, die Öffentlichkeit, der Vorstand, er selber, verlangten nur eins: Titel Nummer fünf. "Es war eine schwere Saison für Alba. Ich stand unter Druck, aber ich hatte immer die Unterstützung von Präsidium, Management und der Mannschaft", sagt Mutapcic und redet schon wieder von anderen statt von sich.

Die Mannschaft respektierte ihn, schließlich hatte er mit Teoman Öztürk noch gemeinsam für Alba gespielt und viele der jetzigen Profis bei TuSLi geformt: Tommy Thorwarth, Jörg Lütcke, Sven Schultze, Stefano Garris und Marko Pesic hat er das Basketballspielen beigebracht. "Er ist früh um sechs aufgestanden und hat mit den Jungs vor der Schule schon trainiert", erinnert sich Bundestrainer Henrik Dettmann. Albas Vizepräsident Marco Baldi lobt Mutapcics Menschenführung. Ein klarer Unterschied zum Choleriker Pesic. Aus dessen langem Schatten ist er inzwischen herausgetreten, hat er doch Alba nicht nur zum Meistertitel, sondern auch ins Viertelfinale der Suproleague geführt. "Ich habe lange kein Team gesehen, dass so gut war", sagte Vorgänger Pesic nach dem ersten Finalrundensieg gegen Bonn. Ein größeres Kompliment für seinen Nachfolger dürfte es kaum geben.

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