Alba : Das Lächeln ist zurück

Alba baut auf hungrige und bewährte Spieler

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Berlin - Der Kapitän weigerte sich zu feiern. Im März 2009 jubelten Alba Berlins Basketballer gerade über den souveränen Pokalsieg gegen Bonn, Patrick Femerling saß mit grimmigem Blick und in Straßenkleidung auf der Tribüne. Auch seine Mitspieler konnten den Center nicht dazu bewegen, zu ihnen aufs Spielfeld der Hamburger Großarena zu kommen. Femerling war gerade von einer langwierigen Verletzung genesen, Albas Trainer Luka Pavicevic hatte trotzdem keine Verwendung mehr für ihn. Wenige Monate später, nach dem Play-off-Aus im Halbfinale, verließ der Rekordnationalspieler Alba – nicht ohne den Trainer vorher für den Umgang mit deutschen Talenten zu kritisieren.

Eineinhalb Jahre später strahlt Femerling über das ganze Gesicht. „Zu Hause ist einfach schwer zu schlagen“, sagt der 35-Jährige, der zuletzt in der türkischen Liga spielte und zu seiner Frau und der vierjährigen Tochter nach Berlin pendelte. Dem 2,15 Meter großen Rekordnationalspieler ist anzumerken, wie sehr er sich freut, zurück in Berlin zu sein. Dieser Wohlfühlfaktor spielte bei den so gut wie abgeschlossenen Saisonplanungen bei Alba eine große Rolle. „Ein wichtiges Kriterium war: Wir wollten Spieler haben, die unbedingt hier sein wollen“, sagt Geschäftsführer Marco Baldi.

Dieser Wille ist auch eine Lehre der vergangenen Saison. Damals verpflichteten die Berliner Kenan Bajramovic und Lee Cummard, der Rest des Teams blieb nahezu unverändert. Bajramovic entpuppte sich als Diva, Cummard kam direkt vom College und wirkte völlig überfordert vom Profileben und der neuen Umgebung. Nach dem erneuten Scheitern in den Play-offs haben die Verantwortlichen bei Alba nun ihre Strategie geändert: Von den Stammspielern blieben nur Julius Jenkins und Immanuel McElroy, dazu wurde eine Mischung aus gestandenen Profis und hungrigen Spielern verpflichtet.

Der neue Spielmacher Hollis Price ist bei den Berliner Fans genauso bekannt und beliebt wie die Nationalspieler Sven Schultze und Patrick Femerling. Trotzdem war Femerling nach eigener Aussage „überrascht“, als sich Alba bei ihm meldete. Mit Luka Pavicevic habe es ein „gutes und wichtiges“ Gespräch gegeben. Von einem handfesten Streit mit dem Trainer will der 35-Jährige ohnehin nichts wissen: „Es gab nicht Großes, was aus der Welt geräumt werden musste.“

Für Tadija Dragicevic, Albas neuen Power Forward, war Albas knurriger Coach sogar der Hauptgrund, in Berlin zu unterschreiben. „Ich wollte unbedingt wieder mit Luka arbeiten“, sagt der 24-Jährige, der unter Pavicevic in Serbiens U-20-Auswahl spielte. Dragicevic hat lange für Roter Stern Belgrad gespielt, der NBA-Klub Utah Jazz sicherte sich seine Rechte, in der vergangenen Saison stand er bei Lottomatica Rom unter Vertrag – einen wichtigen Titel hat er aber noch nie gewonnen, die Europaliga ist für ihn ein großes Ziel. Das ist ganz in Albas Sinne. „Die Spieler müssen richtig Bock haben – in erster Linie auf ihren Beruf, davon kommt alles andere“, sagt Marco Baldi. Am Sonntag reisten die neu formierten Berliner in ein zweiwöchiges Trainingslager nach Slowenien, die Nationalspieler Lucca Staiger und Yassin Idbihi werden erst nach der WM Mitte September zur Mannschaft stoßen. Nur ein paar Tage später startet Alba in die harte Europaliga-Qualifikation.

Pavicevic muss sich beeilen, um aus den vielen Neuen ein Team zu formen. Die Voraussetzungen dazu scheinen deutlich besser als in der vergangenen Saison. Damals war Cummard völlig schockiert, als er erfuhr, dass man ihm bei der medizinischen Untersuchung doch tatsächlich Blut abnehmen wollte – in diesem Jahr stellte Neuzugang Marko Marinovic einen neuen Alba-internen Rekord beim Ausdauertest auf. Und Tadija Dragicevic verabschiedet sich nach seiner offiziellen Vorstellung von den Journalisten: lächelnd, mit einem freundlichen „Danke schön!“, auf Deutsch. Sein Vorgänger Kenan Bajramovic hatte immer so ausgesehen, als könne er sich viele Sachen vorstellen – nur nicht, in Berlin Basketball zu spielen.

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