Alba : Die Mantra-Fahrer

Alba sträubt sich gegen die Favoritenrolle im am Dienstag beginnenden Play-off-Halbfinale gegen Oldenburg.

Lars Spannagel
Pavicevic
Luka Pavicevic und Spieler Bobby Brown denken nur an die nächste Aufgabe - nicht an den Titel. -Foto: dpa

Berlin - Der Meister Bamberg: ausgeschieden. Der Pokalsieger Quakenbrück: draußen. Die starken Leverkusener: tränenreich verabschiedet. Die erste Play-off-Runde der Basketball-Bundesliga scheint das in den letzten Monaten gebetsmühlenartig wiederholte Mantra der Alba-Verantwortlichen zu bestätigen: Die Liga ist ausgeglichen, jeder kann jeden schlagen, wir sind nicht der Favorit. Mit diesem Motto ist Alba bislang gut gefahren, die Mannschaft steht heute (20.45 Uhr, Max-Schmeling-Halle) im ersten der im „Best of Five“-Modus ausgetragenen Halbfinalserie gegen die EWE Baskets Oldenburg. Und sträubt sich weiter gegen die Favoritenrolle.

Dabei trifft Alba als Tabellenerster der regulären Saison auf den Tabellenfünften Oldenburg, mit Bonn und Frankfurt stehen sich die Nummern sechs und sieben der Abschlusstabelle im anderen Halbfinale gegenüber. Die eigentlich als härteste Konkurrenz angesehenen Teams haben sich schon in die Sommerpause verabschiedet. Trotzdem nennt Albas Trainer Luka Pavicevic den Ausgang der Saison „unvorhersehbar“. Und Kapitän Patrick Femerling fügt im Hinblick auf Oldenburg und Bonn bedeutungsschwer hinzu: „Wenn man Meister oder Pokalsieger schlägt, ist man automatisch auch Favorit.“

Ademola Okulaja hat Verständnis für Albas Hang zum Tiefstapeln. Der deutsche Nationalspieler schied mit Bamberg am Freitag gegen Albas Gegner aus. „Wir dachten auch eine ganze Weile, wir sind besser als Oldenburg“, sagt Okulaja. „Insofern macht das Alba schon ganz richtig.“ Bamberg hatte Oldenburg in der Saison zweimal geschlagen, ehe der Titelverteidiger dem Außenseiter in der Play-off-Serie in vier Spielen unterlag.

Der ehemalige Alba-Spieler Okulaja rät den Berlinern, „40 Minuten lang Druck zu machen“. Die Bank der Oldenburger sei nicht allzu stark besetzt, die Leistungsträger vermutlich müde nach der harten Serie gegen Bamberg. Luka Pavicevic sieht auch das anders: „Die Oldenburger sind auf allen Positionen stark.“ Heute werde sich zeigen, wer im Vorteil sei: Seine Spieler, weil sie eine längere Pause hatten, oder die Oldenburger, die im Rhythmus sind. „Jetzt kommt es auf die Tagesform an, auf den Fokus auf das nächste Spiel“, sagt Pavicevic. Bei den Oldenburgern hat er eine „Siegermentalität“ ausgemacht, die es äußerst schwer mache, sie zu schlagen.

Wie eng die Liga in dieser Saison wirklich zusammengerückt ist, hat die erste Runde gezeigt. Oldenburg gewann gegen Bamberg zweimal mit nur einem Punkt. Auch Frankfurt zog mit einem Ein-Punkt-Sieg im fünften Spiel gegen die Bayer Giants Leverkusen ins Halbfinale ein und beendete so ein Stück deutscher Basketballgeschichte. Die Leverkusener ziehen nach 14 Meistertiteln nach Düsseldorf um, nach dem Ausscheiden flossen bei den Fans Tränen.

Auch wenn bei Alba derzeit die nüchterne Konzentration überwiegt, an ein Ausscheiden denkt keiner der Spieler. Das Team hat nach dem souveränen 3:0 gegen Bremerhaven zum Auftakt der Play-offs ein gesundes Selbstvertrauen. „Gute Laune, gute Atmosphäre, guter Teamgeist“, beschreibt Aleksandar Nadjfeji die Stimmung. „So muss es auch sein – wir sind in den Play-offs.“

Trotz der häufigen Wiederholungen – noch ist das Alba-Motto nicht bei jedem angekommen. „Letzten Endes würde ich auf Alba setzen, weil sie viele enge Spiele in diesem Jahr gewonnen haben“, sagt Ademola Okulaja. Und Oldenburgs Trainer Predrag Krunic meint sogar: „Meine Mannschaft ist relativ unerfahren, Alba hat die Saison als Erster abgeschlossen – damit sind sie gegen uns Favorit.“

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