Alba gegen Bayern : Duell der Trainer: Schüler schlägt Lehrer

Sieg gegen den FC Bayern: Wie Albas Trainer Sasa Obradovic das Duell gegen seinen Basketball-Mentor Svetislav Pesic für sich entschied.

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Svetislav Pesic hat bei Bayern noch viel Arbeit vor sich.
Svetislav Pesic hat bei Bayern noch viel Arbeit vor sich.Foto: dpa

Berlin - Sasa Obradovic neigte den Kopf nach vorne und senkte die Augen, der Sieg seiner Mannschaft gegen den FC Bayern schien ihn beinahe verlegen zu machen. „Ich gegen Pesic... ich kann immer noch nicht glauben, dass ich hier sitze und er da drüben“, sagte Alba Berlins Trainer und riskierte dann doch einen schüchternen Seitenblick hinüber zu Svetislav Pesic. Mit 82:70 hatten die Berliner am Sonntagabend die Münchner eindeutig bezwungen und damit Pesics Comeback in der Basketball-Bundesliga gründlich verdorben. Der 43-jährige Obradovic übte sich gegenüber seinem 20 Jahre älteren Mentor trotzdem in Demut: „Wenn ich als Trainer nur eine halb so gute Karriere hinlege wie er, bin ich zufrieden.“

Nach dem Spiel dominierten Höflichkeit und gegenseitige Wertschätzung zwischen den beiden Serben, die als Trainer-Spieler-Duo in der Vergangenheit viele Erfolge gefeiert hatten. Zuvor war es emotionaler und verbissener zugegangen. „Im Spiel haben sie sich duelliert, das konnte man sehen“, berichtete Albas Sportdirektor Mithat Demirel, der einen „sehr gut vorbereiteten“ Pesic gesehen hatte. Die Münchner waren hervorragend auf Obradovics Verteidigungsprinzipien eingestellt, aber auch Obradovic hatte einige Tricks für seinen ehemaligen Chef auf Lager. „Nach Auszeiten gab es viele Spezial-Spielzüge“, sagte Demirel.

In den 40 Spielminuten war aber auch zu sehen, wie sehr Obradovic Schüler des Altmeisters Pesic ist. Beide Mannschaften verteidigten äußerst aggressiv und versuchten, mit Schnellangriffen zu leichten Punkten zu kommen. „Sie haben die gleiche Mentalität, stammen aus der gleichen Schule“, sagt Demirel über die beiden Trainer. Und der Berliner Kapitän Sven Schultze, der in den neunziger Jahren bei Alba bereits unter Pesic gespielt hatte, fügte hinzu: „Es steckt schon sehr viel von Pesic in Obradovic.“ Das sei ihm schon im ersten Trainingslager des neuen Alba-Trainers im Sommer aufgefallen, als ihm viele Übungen doch sehr bekannt vorkamen.

Pesic selbst wollte seinen Einfluss auf seinen früheren „Lieblingsspieler“ aber nicht überbewerten: „Ich bin nicht Sasas Lehrmeister, ich war nur sein Trainer.“ Aber er freue sich schon darüber, wie Albas Trainer seinen Beruf interpretiert: „Sasa lebt Basketball, er ist schon jetzt ein sehr guter Trainer, der die Spieler kontrolliert, der den Spielrhythmus kontrolliert.“ Der 63-Jährige wird im Lauf der Saison noch auf vier weitere frühere Spieler treffen, die mittlerweile Bundesligisten trainieren: Sebastian Machowski in Oldenburg, Ingo Freyer in Hagen, Henrik Rödl in Trier und Michael Koch in Bonn. Eine so enge Verbindung wie Obradovic hat er aber wohl mit keinem.

Nach der Niederlage wurde Pesic gebeten, seine Basketball-Philosophie doch bitte noch einmal kurz zu erläutern. „Haben Sie Alba heute gesehen?“, fragte Pesic zurück. „Das ist meine Philosophie.“ Ein größeres Lob hätte sich Sasa Obradovic vermutlich nicht wünschen können.

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