Alba gegen Quakenbrück : Keine Zeit für Fehler im Halbfinale

Alba setzt gegen Quakenbrück auf erfahrene Spieler statt auf Talente. Um zu gewinnen: 1:1 steht es, Sonntag ist das dritte Spiel der Halbfinalserie.

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Strecken für mehr Spielzeit. Jonas Wohlfarth-Bottermann (o.).
Strecken für mehr Spielzeit. Jonas Wohlfarth-Bottermann (o.).Foto: Imago

Beim letzten Heimspiel wurden Albas Junioren in einer Viertelpause aufs Feld geholt und geehrt. Sie sind kürzlich Meister in ihrer Altersklasse der Unter- 19-Jährigen geworden. Ihr bester Spieler, Ismet Akpinar, lächelte mit der Medaille um den Hals, aber leicht gequält. So als würde er lieber bei den Profis mitspielen, die gerade ihr erstes Halbfinale um die deutsche Meisterschaft bestritten.

Akpinar hat 22 Sekunden gespielt in diesen Play-offs. Das war wohl nicht anders zu erwarten bei dem Spielmachertalent, das in dieser Saison die Junioren führen und bei den Profis reinschnuppern sollte. Auffällig ist eher, dass auch die jungen Berliner, die in der regulären Saison relativ oft im ersten Team spielten, die Meisterrunde meist von der Bank verfolgen, wenn viel auf dem Spiel steht. So wie jetzt. „Es ist ein Must-Win-Spiel“, sagt Trainer Sasa Obradovic über die dritte Partie gegen die Artland Dragons (18.30 Uhr, live bei Sport 1). In der Serie steht es 1:1, wer am Sonntag in Berlin gewinnt, kann am Dienstag ins Finale einziehen. Eine entscheidende Saisonphase, die wenig Fehler verzeiht. „Man setzt auf seine besten Spieler, die punkten können und erfahren sind“, sagt Obradovic offen. „Meine erste Sorge ist, das maximale Resultat herauszuholen und nicht Meinungen, dass die deutschen Spieler zu wenig spielen.“

Dabei war Alba vor der Saison mit einer neuen Philosophie angetreten, mehr einheimische Talente zu fördern. Die Verantwortlichen warben um Geduld, mehr als das Halbfinale visierten sie nicht als Ziel an. Doch nun, wo sie dort stehen, wollen sie wie alle Sportler auch den größtmöglichen Erfolg. Doch jeder Fehler könnte den gefährden. Unerfahrenheit wird zum Risiko, das spüren die Talente nun.

Akeem Vargas etwa spielte in der Saison knapp 18 Minuten im Schnitt, im Viertelfinale noch gut 13, im Halbfinale bisher elf Minuten pro Spiel. Jonas Wohlfarth-Bottermanns Einsatzzeit sank von fast 14 Minuten in der Hauptrunde auf knapp sechs Minuten im Schnitt gegen Quakenbrück. Es erwischt nicht nur die Jungen, auch Nationalspieler Alex King, dessen Spielzeit von durchschnittlich 19 Minuten auf 10 Minuten pro Halbfinalpartie gefallen ist.

Obradovic hat in dieser Saison bewiesen, dass er mit jungen Spielern arbeiten kann und Geduld aufbringt, um auf Lernerfolge zu warten. Doch der Coach verweist darauf, dass Wohlfarth-Bottermann im Vorjahr in Bonn wenig spielte und Vargas in der letzten Saison noch in der Zweiten Liga. „Sie lernen in dieser Saison und je erfahrenerer sie werden, desto mehr werden sie in Zukunft spielen“, sagt er.

Marco Baldi will von fehlendem Vertrauen in die Jugend nichts wissen. „Die Einsatzzeit hat mehr mit den Match-ups zu tun“, sagt Albas Manager und meint damit, wer die direkten Gegenspieler sind, welche Stärken sie haben. Doch ein gestandener Profi auf dem Zenit seines Könnens ist meist ein schlechtes Match-up für unerfahrene Spieler am Anfang ihrer Karriere.

Zudem sieht Obradovic noch deutliche Defizite bei den Jungen. Er brauche Spieler, die sowohl defensiv als auch offensiv mithalten. „Den Ball zu führen ist nicht Akeems Stärke“, sagt Obradovic über den 24-jährigen Vargas. „Außerdem haben die Schiedsrichter weniger Respekt vor ihm, sie vermuten, dass er schauspielert, und pfeifen offensichtliche Fouls an ihm nicht.“ Der 24-jährige Wohlfarth-Bottermann müsse ebenfalls noch lernen. „Jonas ist manchmal zu aufgeregt und vergisst Spielzüge“, sagt Obradovic. Auch er sei ein Spieler, den die Schiedsrichter wenig respektierten, weil er noch jung sei.

Ganz anders läuft es bei Jan Jagla. Der 32-Jährige sei zu Beginn der Saison unzufrieden mit seinen Spielanteilen gewesen, doch in den Play-offs stiegen seine Einsatzminuten von 13 auf über 20 pro Spiel. „Er hat keine Angst, Fehler zu machen oder entscheidende Würfe zu verfehlen“, lobt Obradovic, „das ist eben Erfahrung.“

Der Trainer hat keine Sorge, dass die verkürzte Rotation, in der junge Spieler weniger und ältere mehr belastet werden, im Wettbewerb Kraft und Teamchemie kosten könnte. „Am Ende setzen doch alle Coaches auf ihre besten Spieler.“ Doch auch die waren einst Talente und mussten ihre Erfahrung irgendwann mal sammeln.

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