Alba-Gegner Dinamo Sassari : Unorthodox und tödlich

Die Basketballer von Alba Berlin treten am Mittwoch im Eurocup-Achtelfinale auf Sardinien an. Gegner Dinamo Sassari hat schon andere deutschen Mannschaften in dieser Saison das Fürchten gelehrt.

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Was soll das? Levon Kendall hat so seine Probleme mit dem Eurocup-Modus.
Was soll das? Levon Kendall hat so seine Probleme mit dem Eurocup-Modus.Foto: Imago

Eine Woche ohne Spiel, viel Zeit für Training – was für ein Luxus! Selbstverständlich nutzt Alba Berlins Trainer Sasa Obradovic die kurze Verschnaufpause mitten in der Saison und stellt sein Team schon seit Tagen auf das Spiel bei Dinamo Sassari am Mittwochabend ein (20.30 Uhr, kostenloser Livestream auf www.rbb-online.de). Richtig glücklich wirkt der Serbe aber nicht, wenn er über das Hinspiel im Achtelfinale des Eurocups beim italienischen Pokalsieger spricht. „Es ist sehr schwierig, sich auf Sassari vorzubereiten“, sagt Obradovic. „Wir können nicht einmal ihren Stil simulieren.“ Zu unorthodox ist der Basketball, den die Sarden spielen. Und der Obradovic große Sorgen bereitet.

„Wenn sie einen Lauf haben, sind sie kaum zu stoppen, alle können von außen werfen, alle sind sehr gefährlich, dadurch wird das Spiel sehr breit“, zählt Obradovic auf. „Sie werfen aus dem Schnellangriff, auch aus neun Metern, selbst der Spieler auf der Centerposition geht plötzlich nach außen und wirft.“ Eine offensive Variante, die Obradovic angesichts seines Kaders im Training nicht simulieren kann. „Das kann ich von Jonas Wohlfahrt-Bottermann nicht erwarten“, sagt Obradovic.

Wie schnell man gegen diese Art von Basketball unter die Räder kommen kann, haben bereits die Bundesligisten Oldenburg und Bamberg erlebt. Die Niedersachsen verloren zum Auftakt der Eurocup-Saison 77:96 gegen Sassari und lagen dabei schon zur Halbzeit – in einem Heimspiel wohlgemerkt – aussichtslos mit 30:55 zurück. Die Bamberger schieden am letzten Spieltag der Zwischenrunde auf Sardinien mit 84:102 aus, obwohl sie sich eine Niederlage mit zehn Punkten hätten erlauben können. „Sassari hat in diesem Spiel unglaubliche Würfe getroffen, Bamberg ist in Panik geraten und hat überhastet gespielt“, analysiert Obradovic. „Es ist aber ein tödlicher Fehler, Sassari die Möglichkeit zu Schnellangriffen zu geben.“

Der Modus ist für Albas Nordamerikaner gewöhnungsbedürftig

Die Italiener haben in der Eurocup-Zwischenrunde die meisten Punkte aller 32 Teams erzielt, die meisten Ballgewinne erzwungen und dabei die meisten Dreipunktewürfe – rund doppelt so viele wie Alba – getroffen. In der 5000 Zuschauer fassenden engen Halle „Palasport Roberta Serradimigni“ kann es sehr laut werden. „Wir treffen auf den momentan stärksten Gegner des ganzen Wettbewerbs“, glaubt Obradovic. „Gerade auswärts kann man da sehr schnell, sehr viele Punkte kassieren.“ Genau das gilt es aber für Alba zu verhindern. Über das Weiterkommen entscheidet wie im Fußball-Europapokal die Addition von Hin- und Rückspiel. Sollte Alba den Gastgebern also einen rauschhaften Abend gestatten und deutlich verlieren, sieht es mit den Viertelfinalchancen trotz des Heimrechts im Rückspiel am kommenden Dienstag sehr schlecht aus.

Der Modus ist für Albas Nordamerikaner, die mit Play-off-Serien groß geworden sind, gewöhnungsbedürftig. „Ich muss das den Leuten zuhause immer wieder erklären“, sagt der kanadische Power Forward Levon Kendall. „Es ist zwar nicht sehr kompliziert, aber ungewöhnlich für Basketball.“ Kendall hat sogar einen Vorschlag, wie man die für ihn seltsame Regelung verbildlichen könnte: „Es wäre einfacher und auch für die Fans interessanter, wenn das Rückspiel beispielsweise mit minus zehn zu null beginnen würde – und das auch so auf der Anzeigetafel steht.“

Noch besser wäre es allerdings für die Berliner, wenn sie in Sassari gewinnen, nur knapp verlieren – oder gar ein Unentschieden erreichen. Ein im Basketball völlig unübliches Remis wäre allerdings noch so eine Sache, die Levon Kendall zuhause erklären muss.

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