Alba-Gegner Rasta Vechta : Die Jamaikaner aus der Schul-AG

Alba Berlin ist am Samstagabend zu Gast bei Rasta Vechta, einem Provinzklub, der Partys mit Rastamützen und Bob Marley feiert. Angefangen hat alles mit einer Schul-AG in den Siebziger Jahren.

Marvin Clignon
Auffällig schräg. Bei den Heimspielen von Rasta Vechta ist immer etwas los – auch dank dem Maskottchen, dem Rasta-Löwen Bob, hier ohne seine Tänzerinnen, die Marleys.
Auffällig schräg. Bei den Heimspielen von Rasta Vechta ist immer etwas los – auch dank dem Maskottchen, dem Rasta-Löwen Bob, hier...Foto: Imago

Die Mischung aus skurrilen Vereinsnamen und kleinen Ortschaften ist bei Basketballvereinen keine Seltenheit, das zeigt etwa der Drittligist Bike-Cafe Messingschlager Baunach. Danach klingt auch Rasta Vechta. Hinter dem Namen des Aufsteigers steht jedoch nicht, wie in der Bundesliga üblich, ein Geldgeber. Sondern eine außergewöhnliche Geschichte: Eine Schul-AG im Oldenburger Münsterland gründete 1979 einen eigenen Verein, als Inspiration für den Namen diente Bob Marleys Lied „Rastaman Vibration“.

Am Anfang fragten sich erschrockene Lokalzeitungen, ob es sich bei Rasta um eine Sekte handle, mittlerweile hat die „Frankfurter Allgemeine“ das Team zur Lieblingsmannschaft des Jahres gekürt. Nicht nur wegen des schnellen Durchmarschs von der vierten in die erste Liga, sondern auch weil die Idee der Entstehung immer noch Bestand hat. Rasta Vechta spielt im Rasta-Dome, das Maskottchen – ein Löwe mit Dreadlocks und Rasta-Mütze – heißt Bob und die Cheerleader heißen Marleys. Die Fans feiern unabhängig vom Spielausgang nach jeder Begegnung stundenlang in der Halle weiter, der Verein nennt sich selbst den „geilsten Club der Welt“.

„Für Vechta sind die Heimspiele ein gesellschaftliches Event geworden“, sagt Stefan Niemeyer, der Vorstandsvorsitzende, da bildet auch das erste Gastspiel von Alba Berlin am Samstag um 20 Uhr in Vechta keine Ausnahme. Als Spieler und Trainer war Niemeyer für Rasta aktiv, mittlerweile ist er eine der treibenden Figuren hinter dem Verein. Mit seinem Unternehmen für Tierfutter ist er Hauptsponsor. Rasta profitiert jedoch auch vom Aufschwung in der Region. Die Bevölkerung der 30.000-Einwohner-Stadt steigt seit Jahren kontinuierlich an, auch wirtschaftlich hat sich die Umgebung positiv entwickelt. Dem Verein kommt das zugute: „Wir haben einen breit gefächerten Sponsorenpool“, sagt Niemeyer. Auch ohne seine finanzielle Zuwendung sei das Budget des Vereins gesichert, erklärt er.

Es sind aber nicht die Zahlen und Sponsoren, die die Kuriosität des Klubs ausmachen. Vielmehr überrascht, dass sich die Basketballer mit dem Bob-Marley-Hintergrund in einer Stadt etabliert haben, die in der Region als streng konservativ gilt. „Der Verein passt gut in die Stadt, weil er von der Tradition her gewachsen ist“, sagt Niemeyer. Auch dass die Zuschauer nach den Begegnungen noch stundenlang im Rasta-Dome verweilen, sei unüblich, vom Verein aber so gewollt. „Wir haben Bereiche in der Halle geschaffen, wo man gemütlich zusammen einen trinken und reden kann“, sagt Niemeyer.

Der Aufsteiger macht keinen Hehl daraus, dass er in der zunehmend professionalisierten Basketball-Bundesliga gegen den Strom schwimmt. So wurden zum Beispiel die Verträge mit Trainer Patrick Elzie in der Vergangenheit immer per Handschlag verlängert. „Ich kann Ihnen nicht einmal sagen, ob wir einen schriftlichen Vertrag haben“, sagt Niemeyer, „ich vermute schon, weil es von der Liga vorgegeben ist. Aber das interessiert mich nicht.“

Manche Vorschriften bringen den Klub aber auch an seine Grenzen. Die notdürftig zusammengestellten Rasta-Nachwuchsteams müssen nun in den höchsten Jugendligen spielen und können kaum mithalten. Auch der Verkauf des eigenen Namens an einen Sponsor komme für den Verein nicht infrage. „Freiwillig hergeben würden wir unseren Namen nicht. Der Verein und die ganze Region identifizieren sich damit.“ So ganz nimmt Marco Baldi dem Klub die Folklore jedoch nicht ab. „Ich finde den Verein ausgesprochen sympathisch“, sagt der Alba-Geschäftsführer, „aber wer in der ersten Liga spielt, muss sehr schwere Auflagen erfüllen.“ Er könne verstehen, dass die Niedersachsen ihr Image des alternativen Aufsteigers pflegen, bei dem alles weniger verkrampft ablaufe. Doch in Vechta werde auch höchst professionell gearbeitet.

Das belegt auch die bisherige sportliche Bilanz von Rasta Vechta. Zwar befindet sich der Tabellen-15. wie erwartet im Abstiegskampf, viele Spiele wurden jedoch nur knapp verloren. Gefeiert wurde danach aber trotzdem noch stundenlang.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben