Sport : Alba in der Suproleague: Einfach den Lärm ignorieren

Benedikt Voigt

Die Art der Anfeuerung ist vielleicht etwas ungewöhnlich. "Ich werde in die Kabine gehen und den Jungs einen Klaps auf den Po geben", kündigte Dieter Hauert am Dienstag an. Es ist nicht sicher, ob es hilft, wenn der Präsident von Alba Berlin bei seinen Basketballern selbst Hand anlegt. Aber womöglich genügt in der Ivanofio-Halle von Saloniki bereits Hauerts Anwesenheit. "Ich bin in dieser Saison zweimal zu Auswärtsspielen mitgefahren", erzählt Albas Chef, "jedes Mal haben wir gewonnen."

Der Glücksbringer aus dem Präsidium ist also auch dabei, wenn Alba Berlin heute bei Iraklis Saloniki (18 Uhr, live auf Inforadio) um den Einzug ins Viertelfinale der Suproleague kämpft. 1:1 steht es nach den ersten Spielen in der vergangenen Woche, das heutige Spiel entscheidet, wer am 17. und 19. April gegen Panathinaikos Athen antreten darf. Ist es deshalb auch das wichtigste Spiel dieser Saison? "Es ist wichtig", sagt Hauert, "aber es ist nicht das Spiel der Spiele." Der Präsident bemüht sich, den Druck von der Mannschaft zu nehmen. "Wenn wir verlieren, werden wir uns hinterher auch zusammmensetzen und ein Bier trinken", sagt Hauert. Auch Manager Carsten Kerner gibt sich gelassen: "Die Saison ist bereits ein Erfolg, auch wenn wir verlieren."

Es gibt Alba-Fans, die das anders sehen. "Ich würde einen Deutschen Meistertitel dafür geben, wenn wir einmal ins Final Four kämen", schrieb ein Anhänger unlängst im Internet. Seit vier Jahren versucht Alba, das wichtigste Vereinsturnier Europas zu erreichen. Bislang reichte es zwar zu vier Meistertiteln in der Bundesliga, auf europäischer Ebene aber steht neben dem Korac-Cup-Sieg von 1995 nur das Erreichen des Viertelfinales in der Saison 97/98 zu Buche. "Wenn wir unter den ersten zehn bis 16 Mannschaften Europas sind, ist das schon in Ordnung", sagt Hauert dennoch, "irgendwann in den nächsten vier bis fünf Jahren werden wir auch einmal beim Final Four dazugehören."

Der Alba-Chef wirbt bei den Fans um Geduld. "Wenn wir sofort ins Final Four kommen sollen, bräuchten wir ungefähr fünf Millionen Mark mehr." Die Berliner haben mit knapp zehn Millionen Mark bereits den höchsten Etat einer Basketball-Mannschaft in Deutschland. Diese Summe deutlich zu erhöhen sei utopisch. "Wir können den Etat halten oder maximal ein bisschen aufstocken", erklärt Hauert das Konzept des nächsten Jahres.

"Die Saison ist für den neuen Trainer bereits ein Erfolgserlebnis", sagt der Präsident. In Europa könne man mittlerweile jede Mannschaft schlagen. Allerdings fehlte in der Suproleague die Konstanz. Immer wieder erlebten die Berliner Rückschläge, die schließlich das Heimrecht für die Play-offs kosteten. "Die Quittung dafür bekommen wir am Donnerstag", sagt Hauert. Anstatt im dritten Spiel in der Max-Schmeling-Halle antreten zu dürfen, müssen die Berliner in die enge Ivanofio-Halle, wo selbst 2000 griechische Zuschauer den Spielern Angst einjagen können. "Wir müssen den Lärm ignorieren", fordert Trainer Emir Mutapcic, "das muss uns auch motivieren."

Das große Ziel, das Final Four, haben die Berliner durchaus noch vor Augen. Mutapcic sagt: "Der Druck ist mehr auf der Seite von Iraklis." In Griechenland gebe es keinen Respekt vor dem deutschen Basketball, jeder erwarte einen Sieg von Iraklis, sagt der Trainer. Alba gewann noch nie ein europäisches Play-off-Spiel in fremder Halle. Aber dafür haben die Berliner ja Dieter Hauert mitgebracht. Der Präsident und Glücksbringer dürfte mit seiner Anwesenheit diesen statistischen Makel zumindest aufheben.

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