Alba in Europa : Wofür noch?

Albas ausgeschiedene Basketballer spielen weiter in der Euroleague, obwohl sie schon aus dem Wettbewerb ausgeschieden sind. Was hat der Klub davon?

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Strecken für Europa. Ali Traoré gibt gegen Istanbul sein Heimspieldebüt.
Strecken für Europa. Ali Traoré gibt gegen Istanbul sein Heimspieldebüt.Foto: dpa

Alba Berlin spielt heute gegen Anadolu Istanbul – warum eigentlich? Klar, der Euroleague-Spielplan sieht vor, dass die Berliner Basketballer noch fünfmal antreten müssen, obwohl sie schon aus dem Wettbewerb ausgeschieden sind. Aber abgesehen davon – was bringt das noch?

„So ein Spiel ist das Beste, was uns passieren kann“, sagt Geschäftsführer Marco Baldi vor dem Heimspiel in der Arena am Ostbahnhof (19 Uhr). Denn am Sonntag hat Alba peinlichst beim Tabellenvorletzten der Bundesliga verloren. Das kann gegen den türkischen Vizemeister und Gruppenzweiten wiedergutgemacht werden. „So ein Kaliber vor der Schnauze, solche Spiele brauchen wir, um stabiler zu werden und uns weiterzuentwickeln.“ Zuletzt sei man nah an einem Sieg gewesen, „jetzt wollen wir den Bock umstoßen“.

Auch Trainer Sasa Obradovic findet es wichtig, weiter mit den besten Spielern Europas im Wettbewerb zu stehen. „Das kann uns Selbstvertrauen geben und einen Vorteil gegenüber anderen Teams, wenn wir diese Erfahrung auf die Bundesliga übertragen können.“ Bisher war eher ein gegenteiliger Effekt zu beobachten: Aufgrund der vielen Spiele mit oft nur zwei Tagen Pause wirkte Alba ausgelaugt. „Der Spielrhythmus ist hart, bei all den Reisen verlieren die Spieler die Konzentration“, klagt Obradovic. „Eine aggressive Verteidigung zu spielen ist so nicht möglich.“ Alba verteidigte zuletzt kaum noch über das ganze Feld, mangels Kraft.

„Viele meinen, die Doppelbelastung wirke sich negativ aus, aber ich glaube, sie bringt mehr Vor- als Nachteile“, sagt Baldi. Albas schwankende Form habe nichts damit zu tun, eher mit Verletzungen und neuen Spielern. Viele Trainer zögen zwei Spiele in der Woche sogar vor. „In München schreit Pesic doch, er habe zu wenig Spiele.“ Außerdem kann Alba durch die Ausländerbeschränkung zwei Spieler pro Bundesligaspiel schonen. Das führt aber auch dazu, dass Obradovic kaum eine Mannschaft einspielen kann – denn in der Euroleague laufen teils andere Akteure auf als in der deutschen Liga. „Wir trainieren ja zusammen“, sagt der Serbe. Außerdem könne er den neuen Center Ali Traoré so integrieren. „Das müssen wir tun, er braucht nach einem halben Jahr Pause Spielpraxis.“ Der Franzose feiert heute seine Heimspielpremiere. Vielleicht setzt Obradovic gar den einen oder anderen Nachwuchsspieler ein. „Monse? Warum nicht?“, sagt Obradovic. Aber gleichzeitig warnt er: „Wir müssen unser bestes Gesicht zeigen.“ Heiko Schaffartzik gehört nicht dazu. Den Spielmacher plagt weiter eine Zerrung in der Wade. „Ich hoffe auf einen Einsatz am Sonntag in Quakenbrück“, sagt der Nationalspieler.

Aber es gibt weitere Gründe, warum Alba den einen Sieg aus neun Zwischenrundenspielen nicht so einsam dastehen lassen sollte. „Jeder Sieg geht in das Euroleague-Ranking ein“, sagt Baldi. „Vielleicht sind wir bald wieder darauf angewiesen.“ Im Sommer bekam Alba auch darüber die Wildcard, für nächste Saison hofft man auf mehr: Der polnische Klub Gdynia könnte wegen finanzieller Probleme seine A-Lizenz verlieren. Wenn Alba den Dauerteilnahmeschein erben möchte, bräuchte man Punkte, im Länder- und im Klubranking.

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