Alba in Quakenbrück : Heißes Händchen

Dashaun Wood spielt momentan mit großem Selbstvertrauen. Aufgrund von Verletzungen trägt der 27-Jährige derzeit besonders viel Verantwortung für das Alba-Spiel. Brilliert der Point Guard auch heute in Quakenbrück?

Jörn Lange
Unter Trainer Obradovic hat sich Dashaun Wood (l.) "zu einem besseren Spieler entwickelt".
Unter Trainer Obradovic hat sich Dashaun Wood (l.) "zu einem besseren Spieler entwickelt".Foto: dpa

Im Euroleague-Match gegen Istanbul waren noch keine drei Minuten gespielt, da erbrachte Dashaun Wood einen ersten Nachweis seines aktuellen Selbstvertrauens. Albas Point Guard dribbelte vom rechten Flügel in Richtung Spielfeldmitte, stieg unvermittelt in die Luft und feuerte seinen ersten Wurf ab. Dass Gegenspieler Jamos Lucas dabei mit weit ausgestreckten Armen bedrohlich auf ihn zugeflogen kam – geschenkt. Ohne Ringberührung rauschte der Ball durch das Netz. Als die Schlusssirene ertönte, hatten sechs von zehn Dreipunktewürfen den Weg ins Ziel gefunden. Mit 24 Punkten war Wood hauptverantwortlich dafür, dass Alba gegen den Favoriten bis in die Schlussminute auf eine kleine Sensation hoffen durfte.

Wood scheint aktuell ein Versprechen einzulösen, das er seit seiner Verpflichtung im Sommer 2011 nur selten erfüllen konnte. Als Spieler der Frankfurt Skyliners avancierte der Spielmacher in der Spielzeit 2010/11 zum wertvollsten Spieler der Bundesliga, seine eindrucksvollen Statistiken – knapp 20 Punkte, 5 Rebounds und 6 Assists im Schnitt – konnte er seit seiner Ankunft in Berlin jedoch nicht annähernd erreichen. Unter Trainer Sasa Obradovic sind seine Werte im Vergleich zur Vorsaison weiter gesunken. Bei seinem ehemaligen Klub fand Wood am vergangenen Sonntag nun jedoch sein heißes Händchen wieder. Bedauerlich war nur, dass auch seine Saisonbestleistung von 24 Zählern die 62:65-Niederlage nicht verhindern konnte. „Er merkt, dass die Mannschaft ihn braucht“, sagt Obradovic. „Er ergreift jetzt mehr Initiative – als Spieler, aber auch als Motivator.“ Wo aber liegen die Gründe für die momentane Leistungsexplosion?

Nach dem Kreuzbandriss von Vule Avdalovic mussten die Berliner mit Heiko Schaffartzik (Wadenverletzung) zuletzt auf einen weiteren Aufbauspieler verzichten. Auf Woods Schultern lastet derzeit viel Verantwortung, gegen Frankfurt stand der 27-Jährige nur 54 Sekunden lang nicht auf dem Feld. Weit wichtiger ist für Wood jedoch die neue Balance im Alba-Spiel. „Zu Beginn der Saison haben wir viel über unsere Center gespielt, da konnte ich meine Stärken nicht so gut einbringen“, blickt er zurück. Nun bekomme er wieder mehr Vertrauen vom Coach. Die Folge: Wood kann wieder aggressiver attackieren und häufiger selbst den Abschluss suchen.

Der Saisonbeginn sei nicht leicht für ihn gewesen, sagt Wood. Nie zuvor musste er sich derart stark in einem System unterordnen, doch inzwischen habe er unter Disziplinfanatiker Obradovic viel gelernt. „Ich habe mich zu einem besseren Spieler entwickelt“, ist er sich sicher. „Ich bin ein besserer Verteidiger geworden, außerdem habe ich meine Führungsqualitäten verbessert – und jetzt punkte ich auch wieder mehr. Ich bin dem Coach dankbar, dass er mir momentan mehr Freiheiten gibt.“ Daneben scheint ihm auch die Geburt seiner Tochter Carter Dean in der vergangenen Woche gut zu tun. Viele Dinge sehe er seitdem mit anderen Augen, sagt er.

Gegen die Artland Dragons wird Heiko Schaffartzik voraussichtlich ins Team zurückkehren, der Nationalspieler trainierte am Freitag ohne Probleme. Ob es am heutigen Sonntag in Quakenbrück eine weitere Gala von Dashaun Wood gibt, dürfte für Alba Berlin indes zweitrangig sein. Nach drei Niederlagen in Folge können die Berliner dringend einen Sieg gebrauchen.

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