Sport : Alba kämpft nicht

Berlins Trainer Sasa Obradovic appelliert vor dem Hauptrundenfinale an die Ehre der Spieler.

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Kopf runter. Je’Kel Foster versucht, die Pleite in Bamberg zu verarbeiten. Foto: dpa Foto: dpa
Kopf runter. Je’Kel Foster versucht, die Pleite in Bamberg zu verarbeiten. Foto: dpaFoto: dpa

Bamberg - Marco Baldi und Mithat Demirel hielten einen Moment inne, als sie vor der Kabinentür ihrer Mannschaft standen. Die Köpfe gesenkt, sprachen die Macher von Alba Berlin kein Wort. Diese Niederlage in Bamberg (80:89), die erste gegen den Deutschen Meister in dieser Saison, schmerzte. Zu eindeutig war sie zustande gekommen, als dass man darüber einfach hätte hinweggehen können. Baldi und Demirel verschwanden in der Kabine und als sie kurze Zeit später wieder herauskamen, kritisierten sie ihre Mannschaft heftig.

„So wie wir hier aufgetreten sind, haben wir Bamberg einfach nur aufgebaut, wir haben die stark gemacht“, sagte Baldi. Sein Team sei nicht gewappnet gewesen für die Härten eines Auswärtsspiels: die Aggressivität, den Kampfgeist, die hitzige Atmosphäre. „Und davon wird es in den Play-offs noch mehr geben.“

Seit Samstagabend steht fest, dass die Berliner den Tabellenvierten Bayern München nicht mehr einholen werden. Alba könnte in den zwei verbleibenden Spielen von den Punkten nur noch gleichziehen, der direkte Vergleich aber spricht für die Bayern. Der Sechste Artland Dragons könnte Alba theoretisch noch von Platz fünf verdrängen, vorausgesetzt, die Berliner verlieren ihre zwei verbleibenden Heimspiele gegen Trier und Bayreuth und Artland siegt im Heimspiel gegen Trier. Viel wahrscheinlicher ist, dass Alba als Tabellenfünfter gegen die Viertplatzierten Münchner spielt. In einem entscheidenden fünften Spiel hätten die Münchner Heimvorteil.

Angesichts der aktuellen Auswärtsschwäche der Berliner sind das keine guten Aussichten. Alba konnte nur eines der letzten elf Auswärtsspiele gewinnen. Marco Baldi findet deshalb, dass sein Team endlich wieder über den Kampf ins Spiel finden müsse und „nicht umgekehrt“. Von diesem Kampfgeist aber war am Samstagabend im Basketball-Bundesligaspiel wenig zu sehen. Vielleicht auch, weil Alba seit Wochen mit Nebenkriegsschauplätzen beschäftigt ist, anstatt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die Streitigkeiten von Heiko Schaffartzik, der über die Vertragsverhandlungen Yassin Idbihis und Albas öffentliche Stellungnahme gegenüber dem Management erzürnt war, sollen beseitigt sein. „Wir haben uns kurz ausgesprochen“, sagte Schaffartzik. Eine in den Medien kolportierte Geldstrafe für Schaffartziks öffentliche Kritik an der Vereinsführung habe es nicht gegeben. „Das hat sich eine Journalistin ausgedacht“, sagt Schaffartzik. Baldi und Schaffartzik betonten, dass man sich von nun an auf die Play-offs konzentrieren müsse. Auch Idbihi sagte das. Allerdings hatte er zuvor schmunzelnd angedeutet, dass er sich auch nach den Wirrungen weiter eine Vertragsverlängerung mit Alba vorstellen könne.

Wie es um das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer bestellt ist, ist die nächste Frage. Sasa Obradovic philosophierte nach Spielende eine ganze Weile über die Schwächen seines Teams. Die von ihm vorgegebene Taktik sei zum Teil einfach nicht befolgt worden, „obwohl ich es doch aufzeichne“. Die Grundlagen würden nicht sitzen, weil die Spieler nicht die richtige Einstellung hätten. Obradovic mutmaßte, dass der Pokalsieg seinen Spielern zu Kopf gestiegen sei, und appellierte an deren Ehrgeiz. „Es ist doch auch wichtig für ihre persönlichen Karrieren, dass sie alles geben“, sagte er, „eine Spielerkarriere ist kurz.“ Ingo Schmidt-Tychsen

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