Sport : Alba lässt sich nicht einholen

Die Berliner gewinnen das Basketball-Spitzenspiel 95:81 gegen Köln und bleiben Tabellenführer

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin – Etwas mehr als zwei Minuten noch bis zum Ende. Im Spitzenspiel der Basketball-Bundesliga zwischen Alba Berlin und Rhein Energie Köln steht es 83:77. Szymon Szewczyk kämpft auf den Knien um den Ball. Irgendwie schafft es Albas Center, den Ball an das Bein des Kölners Elvir Ovcina zu schleudern. Einwurf Alba, die Vorentscheidung. Als Szewczyk wieder aufsteht, steht Ovcina brüllend vor ihm. Etwa zehn Sekunden stehen sich die beiden mit weit aufgerissenem Mund in einem Abstand von fünf Zentimetern gegenüber, bis sie der Schiedsrichter schließlich trennt. Das Publikum in der mit 8861 Zuschauern ausverkauften Max-Schmeling-Halle tobt weiter. Es wird sogar noch lauter, als sich die Berliner den 95:81 (47:42)-Sieg mit sehenswerten Spielzügen endgültig sichern. Alba festigt damit die Tabellenspitze, hat nun vier Punkte Vorsprung auf Köln und wird bei noch zwei ausstehenden Spielen wahrscheinlich als Erster in die Play-offs starten.

In der Auseinandersetzung zwischen Szewczyk und Ovcina spiegelte sich das gesamte Spiel wider. Es war eine leidenschaftliche Begegnung voller Kampf und Emotionen. Am Ende agierte Alba etwas cleverer als die Kölner. Was die Szene nicht zeigte, war die Ästhetik des Spiels: In den großen Kampf fanden auch viele schöne Spielzüge Einzug.

Zu Beginn waren es die Kölner, die angeführt von ihrem Kapitän Sasa Obradovic mit sehenswerten Kombinationen das Spiel machten. Sie lagen nach etwas mehr als sieben Minuten 18:11 vorn. Dann wechselte Kölns Trainer Armin Andres seinen Kapitän aus – und Alba fand in die Begegnung. Der überragende Matej Mamic, der mit 33 Punkten bester Werfer der Begegnung war und zudem 10 Rebounds holte, brachte die Berliner mit zwei Dreipunktewürfen zur ersten Viertelpause auf 22:25 heran.

Im zweiten Viertel war das Tempo extrem hoch. Beide Mannschaften hielten sich nicht lange mit dem Aufbau des Spiels auf, die meiste Zeit sprinteten die Spieler über das Parkett. Viele sehenswerte Aktionen entstanden. Als Albas Center Szymon Szewczyk den Ball mit voller Wucht zum 37:31 einhändig in den Korb stopfte und sich danach vor Freude schüttelte, als sei er gerade in eiskaltes Wasser gesprungen, waren die Zuschauer außer sich. Danach setzte sich Alba durch Jovo Stanojevics Korbleger mit neun Punkten ab (41:32). Es war die höchste Führung in der ersten Halbzeit. Denn Köln konnte den Abstand bis zur Pause vor allem dank des starken früheren Berliners Marko Pesic noch einmal verringern (47:42).

In der zweiten Hälfte spielten die Berliner dann fast ununterbrochen begeisternden Basketball. Durch eine 22:11-Serie führte Alba Mitte des dritten Viertels 69:53. Die Berliner verteidigten hart, zumeist aber fair, und die Kölner fanden deshalb überhaupt nicht mehr ins Spiel. Insgesamt leistete sich Köln 19 Ballverluste. Das Spiel schien entschieden – bis Marcin Gortat sein Team mit einem gewaltigen Dunking kurz vor dem Ende des dritten Viertels noch einmal aufweckte.

Im letzten Spielabschnitt gelang Köln sogar eine 11:0-Serie, Alba führte plötzlich nur noch mit sieben Punkten (78:71). Doch dann kam Matej Mamic, versenkte einen Dreipunktewurf nach dem anderen (insgesamt sieben) und motivierte seine Teamkollegen durch anfeuernde Rufe. So gewann Alba am Ende dank einer sehr überzeugenden Leistung deutlich.

Gefeiert wurde nach der Schlusssirene auch einer, der gar nicht auf dem Platz stand. Der wegen Dopings gesperrte Michael Wright wurde vom Publikum lautstark mit Sprechchören bedacht. Ein Fan hielt ein Plakat mit der Aufschrift „We fight for (W)Right“ nach oben. Selbst Albas Trainer Henrik Rödl sah in der umstrittenen Sperre für Wright einen positiven Faktor: „Die Ereignisse der letzten Woche haben der Mannschaft Energie gegeben.“

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