Alba : Mit Glatze auf Rang eins

Alba siegt im letzten Vorrundenspiel gegen Oldenburg 89:82 und trifft nun als Tabellenerster auf Paderborn

Lars Spannagel

Berlin - Das sportsoziologische Phänomen „Play-off-Bart“ ist hinlänglich bekannt: Besonders Eishockeyspieler vertrauen auf Wildwuchs im Gesicht, wenn es in die entscheidende Saisonphase geht. Vielleicht hat Ansu Sesay am Sonntag einen neuen Trend erfunden: die Play-off- Glatze. Der Basketballer in Diensten von Alba Berlin hatte sich vor dem gestrigen Spiel gegen Oldenburg den Kopf geschoren – schließlich handelte es sich bei der Partie um ein echtes Endspiel um den ersten Platz nach der regulären Saison. Sesays radikaler Schritt zahlte sich aus: Er erzielte 17 Punkte, Alba gewann 89:82 (44:35) und sicherte sich die optimale Ausgangsposition für die Play-offs. Dort treffen die Berliner im ersten Spiel am kommenden Sonntag auf den Tabellenachten Paderborn, den sie erst am Mittwoch deutlich 82:65 besiegt hatten.

Sesay hatte sein optisches Signal schon vor dem ersten Sprungball gegeben, sein Mitspieler Adam Chubb zeigte sein Play- off-Gesicht im ersten Angriff. Alba hatte den Ball schon beinahe verloren, als Chubb das tat, was Trainer ihren Centern gewöhnlich verbieten: Der 2,08 Meter große Berliner dribbelte aus der eigenen Hälfte in Richtung Korb, wurde immer schneller und schloss mit einem krachenden Dunking ab – die 12 134 Zuschauer sprangen das erste Mal auf. Doch auch Oldenburg bewies, dass die Mannschaft nicht zu Unrecht lange in dieser Saison die Tabelle angeführt hat. „Jeder hat heute gesehen, wieso Oldenburg solange oben stand“, sagte Albas sichtlich stolzer Trainer Luka Pavicevic nach dem bis zum Schluss umkämpften Spiel. Im Frühjahr hatten die Gäste neun Spiele in Folge gewonnen, ehe sie zuletzt dreimal als Verlierer vom Feld gingen. Auch im Hinspiel war Oldenburg beim 81:72 gegen Alba erfolgreich gewesen; den Berlinern war gestern sofort anzumerken, dass sie diese Niederlage vergessen machen wollten.

Doch auch eine gewisse Nervosität war nicht zu übersehen: Immer wieder verschluderten die Gastgeber den Ball, passten ihn ins Aus oder zum Gegner. Dank guter Verteidigung ging Alba trotzdem mit einer 20:17-Führung ins zweite Viertel. Dort war einmal mehr auf Julius Jenkins Verlass: Der Mann mit den langen Rastazöpfen – optisch das Gegenteil zu Sesays – traf drei Dreipunktewürfe in schneller Folge, Alba lag mit 13 Punkten in Front. Allein in den ersten beiden Vierteln erzielte Jenkins 17 Punkte, am Ende war er mit 22 Zählern Albas bester Werfer. Doch Oldenburg blieb im Spiel, in den letzten Minuten vor der Pause erzielte auch der zum „Wertvollsten Spieler“ der Liga gewählte (und bis dahin unauffällige) Jason Gardner seine ersten Punkte.

Die Gäste starteten stark ins dritte Viertel und kamen schnell auf 42:45 heran. Dann aber ließen die Berliner mit Schnellangriffen und vor allen Dingen Dreipunktewürfen den Vorsprung wieder wachsen. Doch anders als so viele deutsche Teams in dieser Saison ließ sich Oldenburg in der Respekt einflößenden Kulisse der Arena am Ostbahnhof nicht demütigen. Die Gäste hielten den Rückstand in Grenzen, angeführt vom immer stärker werdenden Gardner (am Ende mit 19 Punkten) und Ricky Paulding (23). Andere Hauptdarsteller bei Oldenburg konnte es auch kaum geben: Im ehemaligen Berliner Ruben Boumtje- Boumtje und Jasmin Perkovic waren zwei wichtige Spieler früh mit vier Fouls belastet.

Trotzdem verlangten die sichtlich müder werdenden Gäste Alba bis zum Schluss alles ab, auf weniger als sieben Punkte direkt vor der Schlusssirene schrumpfte der Vorsprung der Berliner aber nicht mehr. „Meine Spieler und ich dürfen uns jetzt einen Abend lang freuen“, sagte Pavicevic.

Für Alba-Fans, die das Spiel gegen Paderborn nicht eine Woche warten können, bietet sich am heutigen Sonntag eine Gelegenheit: Albas U-19-Team kämpft im Finale der Nachwuchs-Bundesliga um 13.30 in der Sömmeringhalle um den deutschen Meistertitel – gegen Paderborn.

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