Sport : Alba: NBA - der Traum bleibt

Benedikt Voigt

Es war eigentlich immer ein wenig scherzhaft gemeint. "Ich hole dich zu Alba Berlin", hatte Hendrik Rödl regelmäßig zu Derrick Phelps gesagt, wenn sie sich in der Bundesliga mal wieder auf dem Basketballfeld gegenüberstanden. Die beiden hatten schon einmal in einer Mannschaft gespielt, allerdings 1993 in North Carolina, als sie die US-amerikanische College-Meisterschaft gewannen. Später hat Rödl noch mehr für die Mannschaftszusammenführung getan. "Ich habe den Namen Phelps immer wieder mal bei Alba fallen gelassen."

Es hat geklappt. Im Juni unterschrieb Derrick Phelps einen Einjahresvertrag beim Deutschen Basketball-Meister Alba Berlin. "First come, first serve", erklärt Phelps, denn die Berliner waren die ersten, die ihm im Sommer ein Angebot unterbreiteten. Doch der Zeitpunkt des Angebots war nicht ausschlaggebend dafür, dass der 28-Jährige von den Telekom Baskets Bonn nach Berlin wechselte. "Der Hauptgrund ist, dass Alba in der SuproLeague gegen die europäischen Top-Teams spielt", erklärt der Aufbau-spieler. "Ich will mich gegen die namhaften Spieler Europas beweisen." Alba-Trainer Emir Mutapcic ist von seinem Neuen überzeugt. "Phelps ist in der Defense sehr stark, aber er kann alles." Im Testspiel gegen die slowenische Mannschaft KK Zagorje (101:85) bewies der US-Amerikaner mit 27 Punkten auch seine Offensiv-Qualitäten. Als Aufbauspieler soll Phelps die Berliner in der kommenden Saison führen und den Teamkollegen in der Verteidigung mit gutem Beispiel vorangehen. Rödl lobt: "Er führt die Mannschaft schon jetzt."

Rödl bekam von Phelps den Spitznamen "Everything-man". "Er so vielseitig", findet Phelps, "es ist schön, wieder mit Hendrik zusammenzuspielen", findet der gebürtige New Yorker. Während Rödl nach dem Titelgewinn 1993 sofort zu Alba Berlin wechselte, tauschte Phelps die Verein nach Belieben. Nach einer kurzen Episode beim NBA-Team Sacramento Kings und einer längeren in der zweiten US-amerikanischen Profiliga CBA, kam Phelps vor drei Jahren nach Bamberg. Nach einer Saison wechselte er nach Bonn, und schließlich zu Alba. "Ich hoffe, dass wir hier die Meisterschaftstradition aufrecht erhalten können", erklärt Phelps.

Obwohl Phelps nun schon in seine vierte Saison in der Bundesliga spielt, spricht er kaum Deutsch. "Ich habe es nie gebraucht", sagt der gebürtige New Yorker, "außerdem dachte ich immer, dass ich im nächsten Jahr woanders spiele." Überhaupt sollte sein Weg eigentlich in die NBA führen, der besten Basketball-Liga der Welt. "Ich weiß nicht, warum es nicht geklappt hat", sagt Phelps. Vielleicht fehlte Glück, vielleicht Können, vielleicht war ihm auch sein Image als guter Defense-Spieler im Weg. "Immer wenn ein Scout meinen Namen las, dachte er: Ach Phelps, der Verteidiger", mutmaßt er. Inzwischen aber ist er ein viel kompletterer Spieler. Das dürfte auch der Grund sein, warum Phelps seinen NBA-Traum noch nicht abgehakt hat. "Im nächsten Sommer will ich es noch einmal versuchen."

Dann ist er sowieso in den USA, denn jedes Jahr im Sommer holt er seinen achtjährigen Sohn in North Carolina ab. Von der Mutter lebt er getrennt. In New York ist Phelps aufgewachsen, deshalb hat er auch keine Probleme nach Berlin zu kommen. "Berlin ist ähnlich groß", sagt Phelps, "ich habe mich schon ein paar Mal verfahren."

Auf dem Heimweg von einem Testspiel sah Phelps vor zwei Wochen noch einmal den größten Moment seiner Karriere. Im Mannschaftsbus von Alba Berlin lief das Video vom College-Titelgewinn 1993. "Das hatte ich seit drei Jahren nicht mehr gesehen." Gegner waren die "Fab Five" aus Michigan. Unter diesem Spitznamen firmierten Spieler wie Jalen Rose, Juan Howard oder Chris Webber , die inzwischen allesamt Stars in der NBA sind. Hendrik Rödl und Derrick Phelps Teamgeist gegen die Talente aus Michigan. Phelps gerät ins Schwärmen. "Wer weiß, ob ich jemals wieder auf dieses Level zurückkomme."

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