Sport : Alba: Nicht planmäßig

Benedikt Voigt

Geplant war ein Flug. Doch weil die Basketballer von Alba Berlin die Heimreise aus Frankfurt bei der Lufthansa gebucht hatten, fanden sie sich gestern Vormittag im ICE nach Berlin wieder. Der Pilotenstreik hatte auch den Deutschen Basketball-Meister erwischt. "Eigentlich ist es ganz gemütlich hier", berichtete Manager Carsten Kerner aus dem fahrenden Zug. "Wir sitzen in der Ersten Klasse und haben Beinfreiheit."

Unplanmäßig wie die Heimreise verlief für Alba Berlin auch das zweite Viertelfinalspiel im Play-off um die Deutsche Meisterschaft. Der Titelverteidiger verlor bei den Opel Skyliners vor nur 2000 Zuschauern 75:87 (35:43) und kassierte die zweite Bundesliganiederlage dieser Saison. 1:1 steht es nun in der Best-of-Five-Serie, und die Berliner müssen am Samstag (15.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle) das dritte Spiel gewinnen. Ansonsten hätte Frankfurt im vierten Spiel am Montag (20 Uhr) vor Heimpublikum die Möglichkeit, die gesamte Serie zu gewinnen. Das freilich wäre eine große Überraschung. Kerner sagt: "Jetzt entwickelt sich eine typische Play-off-Schlacht."

Zwar konnten die Berliner in Frankfurt komplett antreten, doch Derrick Phelps, Dejan Koturovic, Marko Pesic und Jörg Lütcke waren gehandicapt. "Es sind nicht alle körperlich fit", berichtet Kerner. Vor allem Derrick Phelps, dessen Einsatz bis zuletzt ungewiss war, kam wegen einer schmerzenden linken Schulter nur auf fünf Punkte. "Er hat nicht viele Würfe genommen", sagt Kerner, "aber er war wichtig für die Organisation im Spiel." Das funktionierte im ersten Viertel auch sehr gut, nach einem 11:2-Start entschied Alba das erste Viertel mit 25:22 für sich. Dann wendete sich das Spiel. Nur zehn Punkte gelangen Alba im zweiten Viertel, während die Frankfurter vorbei zogen. In der zweiten Hälfte verhinderten zahlreiche Ballverluste und die anschließenden Steilangriffe für Frankfurt, dass Alba noch einmal herankam. Dejan Koturovic war zwar mit 19 Punkten Topscorer der Berliner, doch auch er ist wegen einer Bänderverletzung nicht wieder der Alte. Auch Marko Pesic (18 Punkte) hatte wegen einer Grippe ein Training aussetzen müssen. "Jörg Lütcke ist nach seiner Verletzung noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte", berichtet Kerner.

In diesem Moment treffen die Berliner auf einen Gegner, der nicht mehr so spielt wie jene Mannschaft, die einen enttäuschenden achten Platz in der Punkterunde erreichte und im Pokalhalbfinale eine traurige Leistung geboten hatte. Vielmehr tritt Frankfurt nun als das Team auf, das vor dieser Saison als Titelaspirant gehandelt wurde. "Frankfurt hat noch besser als im ersten Spiel gespielt", lobte Manager Kerner. Mark McCoy ragte mit 22 Punkten heraus, doch auch die beiden Aufbauspieler Kai Nürnberger und Pascal Roller stellten Alba immer wieder vor Schwierigkeiten. "Der psychologische Vorteil liegt jetzt bei uns", freute sich der Frankfurter Trainer Stefan Koch.

Das sieht man bei Alba anders. Zwar erzwang Frankfurt durch den Sieg ein erneutes Heimspiel. Kerner beruhigte im Zug schon die Gemüter. "Wir haben jetzt genug Zeit, um uns auf das dritte Spiel zu konzentrieren", sagte der Manager. Und vielleicht klappt es ja dann auch wieder mit dem Fliegen.

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