Alba : Platz für zwei

Alba Berlin holt Spielmacher Rasic aus Moskau – er muss mit Bobby Brown um die Hackordnung kämpfen.

Helen Ruwald

Berlin - Am frühen Montagnachmittag hatte Aleksandar Rasic sein Visum in der Tasche, der Reise nach Berlin stand nichts mehr im Wege. „Ich bin sehr aufgeregt, dass ich für Alba Berlin spielen kann“, sagte der Basketballprofi, kurz nachdem er die Deutsche Botschaft in Belgrad verlassen hatte. Der 23 Jahre alte serbische Spielmacher wird von Dynamo Moskau bis zum Saisonende an den Bundesligisten ausgeliehen. Wochenlang hatten die Berliner nach dem Ausfall von Aufbauspieler Goran Jeretin sowie dem deutschen Nationalspieler Johannes Herber (beide Kreuzbandriss) nach einem Spielmacher gesucht. Beim 70:69-Sieg in Bremerhaven am Sonntag hatten nur acht Spieler zu Albas Kader gehört – alle anderen waren verletzt. „Rasic ist keiner, der uns in eine andere Dimension beamen wird, aber er wird unsere extrem angespannte Situation entspannen“, sagt Berlins Geschäftsführer Marco Baldi.

Rasic hofft, schon heute Abend im Uleb-Cup-Heimspiel gegen BC Siauliai aus Litauen das Alba-Trikot zu tragen (19.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle). Wegen ausstehender Formalitäten war gestern Abend allerdings noch unklar, ob Rasic heute bereits spielberechtigt ist.

Dynamo Moskaus Trainer, der frühere Alba-Coach Svetislav Pesic, hatte Rasic zum Wechsel nach Berlin geraten, um dort mehr Spielpraxis zu bekommen. Beim Spitzenteam Moskau war er dritter Spielmacher und kam wegen der strengen Ausländerregelung in dieser Saison nur einmal zum Einsatz. „Wir sind schon seit einigen Jahren an ihm dran, kamen bisher allerdings nicht zum Zuge, da Rasic von den finanzstärksten Teams Europas umworben war“, sagt Marco Baldi. Um so mehr freut er sich, dass Rasic nun tatsächlich für sein Team spielen wird. „Er ist ein kompletter Spieler, taktisch versiert, schnell, spielt eine gute Defense und hat ein sehr gutes Spielverständnis.“ Er brauche mehr Praxis – und die soll er in Berlin bekommen.

2006/2007 glänzte Rasic bei FMP Zeleznik Belgrad, der größten serbischen Talentschmiede, wo er mit dem jetzigen Alba-Profi Mladen Pantic zusammen spielte. Auch ihr Berliner Mannschaftskollege Goran Nikolic und, Jahre früher, Albas Trainer Luka Pavicevic trugen schon das Zeleznik-Trikot. Rasic führte Zeleznik ins Halbfinale des Uleb-Cups, ins Finale der Adria-Liga und zum Gewinn des serbischen Pokals. Er kam in 16 Uleb-Cup-Spielen im Schnitt auf 10,4 Punkte und 3,9 Assists. Im Frühjahr bestritt er fünf Spiele für Efes Istanbul und wurde türkischer Vizemeister, schaffte es aber nicht in den Kader für die EM im September in Spanien.

„Ich werde bei Alba um meinen Platz kämpfen“, sagt Rasic, wohlwissend, dass Bobby Brown auf der Aufbauposition mit starken Leistungen überzeugt hat. Beim Uleb-Cup-Spiel in Badalona machte er 26 Punkte, in Bremerhaven 16. „Bobby hat sich gut entwickelt. Es geht jetzt darum, die beiden zusammenzubringen“, sagt Baldi. Dynamo Moskau hatte auf der Homepage des Klubs vergangene Woche gemeldet, dass für Rasic ein Klub gesucht werde, bei dem er in der Starting Five stehen werde. Vertraglich lässt sich das aber natürlich nicht festlegen, und Pavicevic ist dafür bekannt, dass vergangene Statistiken für ihn nicht zählen, sondern nur gegenwärtige Trainingsleistungen.

Bobby Brown glaubt, dass Platz für zwei Aufbauspieler ist. „Wir brauchen einen weiteren Spielmacher, der unserem Kader mehr Tiefe gibt“, sagt er. „Ich freue mich, mit ihm zusammenzuarbeiten.“

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