Sport : Alba setzt nicht nur optisch Zeichen

Dietmar Wenck

Wenn die Berliner so spielen wie beim 35-Punkte-Sieg gegen Hagen, sind sie auf dem Weg zur erfolgreichen Titelverteidigung kaum aufzuhaltenDietmar Wenck

Svetislav Pesic saß auf seinem angestammten Platz links neben der Spielerbank. Fast teilnahmslos betrachtete der sonst so emotionale Trainer Alba Berlins das Geschehen auf dem Spielfeld. Kein lauter Zuruf, keine beschwörenden Gesten. Nicht einmal eine Auszeit nahm der 50-Jährige während der rund eineinhalb Stunden Basketball in der Schmeling-Halle. "Habe ich wirklich keine genommen?", fragte er später verblüfft, um sich gleich darauf im Nachhinein Recht zu geben: "Es gab keinen Grund." Der Coach war rundherum zufrieden mit seinem Team, das im ersten Viertelfinalspiel um die Deutsche Meisterschaft Brandt Hagen vor rund 4240 Zuschauern mit 98:63 (52:29) besiegte. Morgen treten die Berliner in Westfalen an, am Freitag (20 Uhr, Schmeling-Halle) wird es das dritte und vermutlich letzte Spiel geben.

Wenn Alba so weitermacht. Manche Beobachter hatten so ihre Sorgen um die Mannschaft nach der schwachen Leistung im Pokalfinale gegen die Skliners Frankfurt und der ebenso enttäuschenden Vorstellung im Europaliga-Achtelfinale gegen Efes Pilsen Istanbul. Der Meister stehe nun unter besonders großem Druck, hieß es. Richtig ist: Nur im Falle der erfolgreichen Titelverteidigung wird Alba auch in der nächsten Saison in der Europaliga dabei sein. Aber das ist nichts Neues. "Wir sind in den letzten Jahren ganz gut mit diesem Druck zurechtgekommen", sagte Nationalspieler Jörg Lütcke, "warum sollte es diesmal anders sein?" Zumindest gegen Hagen wirkte das Team hungrig und geradezu finster entschlosen mit den frisch geschorenen Glatzen. Nur die Amerikaner Wendell Alexis und Terry Dehere hatten sich dem Gruppenzwang entzogen. Warum dieser unattraktive Kahlschlag? "Letztes Jahr haben wir uns Bärte wachsen lassen, dieses Jahr haben wir eben Glatzen. Wir wollten auch optisch ein Zeichen setzen, dass jetzt die Play-offs beginnen", erklärte Lütcke.

Beeindruckender war da schon die Zeichensetzung im Sportlichen. Der 24-jährige Lütcke bekam neben Henrik Rödl ein Sonderlob vom Trainer. "Sie waren Beispiele für die anderen Spieler. Sie haben die alte Regel befolgt: erst den Rhythmus in der Verteidigung finden, dann den Rhythmus im Angriff." Rödl war mit 16 Punkten der beste Berliner Werfer. Lütcke kam auf zehn Punkte, doch seine Hauptleistung bestand darin, Hagens Spielmacher Dan Earl mit seiner gnadenlosen Verteidigung den Nerv gezogen zu haben. "Dan hat sich entmutigen lassen", kritisierte Brandts Trainer Hubert Beck, "am Ende müssen wir sogar froh sein, nicht höher verloren zu haben."

Die Berliner Dominanz war ungewöhnlich für ein Play-off-Spiel. Alba ging mit 12:0 in Führung; nach sieben Minuten hieß es 23:3. Und der Druck ließ nicht nach, fast ständig wuchs der Vorsprung. Hagen ergab sich in sein Schicksal. Neben Lütcke und Rödl setzten sich besonders Ademola Okulaja (zehn Rebounds in zwanzig Minuten) und Patrick Femerling gut in Szene. "Wenn wir konzentriert spielen und gut verteidigen, wird es schwer, uns in einer Serie best of five zu besiegen", glaubt Lütcke, "dann setzt sich unsere individuelle Stärke durch. Auf der anderen Seite ist die Liga dieses Jahr sehr ausgeglichen." Das mussten die Telekom Baskets Bonn feststellen, die daheim Herzogtel Trier unterlagen und nun genau unter dem Druck stehen, dem sie eigentlich Alba im Halbfinale aussetzen wollten. In solche Gefahrenlagen kamen die Berliner gegen Hagen nie. "Wenn ich mal was sagen wollte, hat mein Kollege Hubert Beck gerade eine Auszeit genommen, und ich brauchte es nicht selbst zu tun", bedankte sich Pesic lächelnd. Beck knurrte: "Gern geschehen."

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