Alba startet in die Saison : Große Arena, große Visionen

Aufbruch in der neuen Halle: Mit dem Umzug in die 02-World will Albas Basketballteam auch in die europäische Spitze vordringen.

Helen Ruwald
Alba
Immanuel McElroy bei einem der letzten Dunkings von Alba Berlin in der Max-Schmeling-Halle. -Foto: dpa

Berlin - Der Stolz war nicht zu überhören in der Stimme von Axel Schweitzer. „Wir werden am Sonntag mehr Zuschauer haben als Hertha im Uefa-Cup und als Quakenbrück Einwohner hat“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende von Alba Berlin kurz vor dem Saisonbeginn des deutschen Basketballmeisters in der neuen Arena am Ostbahnhof gegen die Artland Dragons Quakenbrück. 12 500 Tickets waren für die Premiere in der 02-World Mitte der Woche verkauft, die Berliner rechnen heute mit einem ausverkauften Auftaktspiel (Beginn 17 Uhr). Das wären 14 800 Fans, Herthas Kick gegen St. Patrick’s Athletic wollten am Dienstag nur 13 045 Zuschauer sehen. „Ich bin selten so positiv aufgeregt in eine Saison gegangen“, sagt Schweitzer, „der Umzug ist ein sehr besonderer Schritt“. Viele Kleinigkeiten gab es bis zuletzt zu klären, doch nach einem aufreibenden Endspurt sagt Geschäftsführer Marco Baldi: „Bei den jahrelangen Gesprächen über den Umzug hatte man ein Bild vor Augen, wie es ist, wenn man da aufläuft. Jetzt ist es soweit und wir freuen uns wahnsinnig darauf.“

Zum Umzug lädt der Fanklub Albatros um 13.30 Uhr zu einem Fahrradkorso in den Vereinsfarben blau-gelb von der Max-Schmeling-Halle, der bisherigen Spielstätte, zur neuen Arena. Diese bietet Platz für 6000 mehr Fans als bisher. Damit auch nach der Premiere nicht allzu viele Sitze leer bleiben, hat Alba Berlin eine große Werbekampagne gestartet. Eine Videoverleihkette legt zwei Monate lang einen Alba-Werbeflyer in alle DVD-Boxen, 150 000 Postkarten werden „in Event- und Szenelocations“ verteilt.

Heute beginnt sie, die Zukunft von Alba Berlin. Über 15 Jahre läuft der Vertrag mit dem Hallenbetreiber, der Anschutz-Gruppe, dazu kommt eine Option über weitere zehn Jahre. Die neue Halle ist ein Symbol für die Größe und Strahlkraft, die auch das Team erreichen soll, weit über die Landesgrenzen hinaus. „Mit der Halle machen wir ein Statement“, sagt Trainer Luka Pavicevic, „der Klub möchte auf dem höchsten professionellen Level in Europa und der Welt sein.“

Um einen Minischritt in diese Richtung zu tun, haben die Berliner nicht nur an Flyern, sondern auch am Kader gebastelt. „Wir haben versucht, das Spielerpotenzial zu erhöhen, und zwar sowohl menschliche als auch sportliche Qualitäten“, erklärt Pavicevic. Im Juni ist Alba Berlin zwar erstmals seit 2003 wieder Deutscher Meister geworden, doch um bei der Rückkehr in die Europaliga mehr zu sein als Punktelieferant, war die Verpflichtung mehrerer Topspieler nötig. Und zwar von solchen, die nicht aus disziplinarischen Gründen rausgeworfen werden müssen wie im Mai Dijon Thompson, dem letztendlich ein nächtlicher Reeperbahnbummel zum Verhängnis geworden sein soll.

Spielmacher Bobby Brown ist zwar in die NBA zu den Sacramento Kings gewechselt, doch seine Nachfolger müssen sich hinter ihm nicht verstecken. Steffen Hamann lenkt das Spiel der deutschen Nationalmannschaft, Rashad Wright kommt vom Spitzenteam Efes Pilsen Istanbul und spielte einst schon in Vrsac (Serbien) unter Pavicevic. Der neue Flügelspieler Casey Jacobsen hat ebenso NBA-Erfahrung wie Power Forward Ansu Sesay, und unter dem Korb hat Patrick Femerling mit Adam Chubb aus Quakenbrück einen starken neuen Nebenmann bekommen. Dominierte in der Vorsaison der serbische Block unter dem Serben Pavicevic, so ist Alba jetzt fest in amerikanischer Hand. Viel wichtiger findet US-Profi Julius Jenkins aber, „dass wir jetzt auf jeder Position zwei starke Spieler haben, das ist entscheidend“.

Für Alba zählt nur die Titelverteidigung, auch wenn Femerling, der nach überstandener Krankheit heute wieder dabei sein will, warnt: „Nur weil Alba auf den Trikots steht, geben die anderen uns die Meisterschale nicht.“ Die Konkurrenz aber will sich nicht stark reden lassen. Quakenbrücks Trainer Thorsten Leibenath sagte nach der Niederlage des Pokalsiegers am Dienstag im Champions Cup gegen Alba: „Ich sehe im Moment kein Team, das Alba in einer Serie gefährlich werden könnte.“Auch wenn er natürlich darauf hofft, dass die Dragons Alba ihre Einweihungsfeier heute kräftig verderben – in einer Halle mit mehr Zuschauern als Quakenbrück Einwohner hat.

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