Sport : Alba träumt weiter

Berlins Basketballer scheitern wieder früh im Uleb-Cup – und hoffen auf einen baldigen Europaligastart

Helen Ruwald

Berlin - Luka Pavicevic war am nächsten Morgen so heiser, dass er kaum sprechen konnte. Knapp zwei Stunden hatte der Trainer von Alba Berlin gegen das immer fanatischer werdende Publikum von Bosna Sarajevo angebrüllt, um sein Team voranzutreiben und das Debakel zu verhindern. Es brachte nichts. Alba verlor in Bosnien nach starkem Start und einem Einbruch im letzten Viertel 76:91 (40:34). „Wir sind sehr enttäuscht, aber man kann nicht sagen, dass wir nicht gut genug für Europa sind“, brachte Pavicevic nach einer kurzen Nacht und langen Gesprächen mit Geschäftsführer Marco Baldi und Sportdirektor Henning Harnisch hervor. „Schließlich war die Korbdifferenz im Dreiervergleich mit Sarajevo und Siauliai ausschlaggebend.“

Nur die Korbdifferenz, meinte Pavicevic wohl, was objektiv richtig ist: Mit einer Niederlage mit fünf Zählern Unterschied wäre der Bundesliga-Tabellenführer als Dritter der Gruppe A weitergekommen, so reichte es nur zu Platz fünf. Man könnte aber auch sagen, dass Alba das erste Saisonziel verpasst hat, obwohl die Mannschaft nach dem dritten Viertel (61:62) noch für die nächste Runde qualifiziert war, obwohl 32 von 54 Teams weitergekommen sind, obwohl nur in Albas Gruppe vier Siege aus zehn Spielen für Platz drei reichten. Und obwohl Alba Berlin seit Jahren ganz andere Ambitionen hat – nämlich statt im zweitklassigen Uleb-Cup in der Europaliga aufzulaufen.

Und so war Marco Baldi gestern damit beschäftigt, einerseits den Ist-Zustand anzuerkennen, andererseits aber auch zu betonen, dass man trotz des x-ten Scheiterns in Europa keinen Millimeter von den ehrgeizigen Zielen abzugehen gedenkt. „Statt im letzten Viertel mit Bosna mitzuwachsen sind wir immer kleiner geworden, ängstlich und kopflos“, gab Baldi zu. Alba sei in dieser Uleb-Cup-Saison „über die Pflicht nicht hinausgekommen. Wir konnten keines der großen Teams in Bedrängnis bringen und auch das Endspiel nicht gewinnen.“ Nun werde man „mit aller Kraft die deutsche Meisterschaft anstreben, dann spielen wir nächstes Jahr Europaliga. Dass einige jetzt sagen, der quasselt von der Europaliga und nimmt die Realität nicht an, damit müssen wir leben.“

Gegen die Topteams Badalona und Ankara steckten die Berliner je zwei Niederlagen ein, gegen Siauliai und Sarajevo standen Heimsiegen hohe Auswärtsniederlagen gegenüber. Gegen das sieglose Team von Guildford Heat gewann Alba zwar zweimal, der Erfolg in England aber war ein Kraftakt.

In Bosnien hatte Alba das Spiel lange im Griff, leistete sich in der Schlussphase aber viele Ballverluste und war in der Verteidigung zu harmlos. Wieder einmal fehlte die Stabilität. Alba führt als Grund auch die Unruhe im Team durch das Kommen und Gehen verletzter und wieder genesener Spieler an. Am Dienstag enttäuschten im wichtigsten Saisonspiel dann ausgerechnet der seit Monaten überragende Julius Jenkins sowie Spielmacher Bobby Brown. Letzterer war nach dem Kreuzbandriss von Goran Jeretin kurz vor dem Saisonauftakt zur Nummer eins befördert worden. Er hat starke Spiele gemacht, „aber man sieht auch seine Unreife. Und er ist nur ein Beispiel“, sagt Baldi.

In den vergangenen Jahren hat Alba mehrmals einen Großteil des Kaders ausgetauscht, um den Erfolg zu erzwingen, nach dem Aus im Play-offViertelfinale löste im Sommer 2007 Pavicevic Trainer Henrik Rödl ab. „Wir haben den Weg mit Luka erst begonnen. Es ist noch zu früh für ein Fazit“, sagt Aufsichtsratssprecher Axel Schweitzer. „Ich bin nicht zufrieden, aber wir sind näher an der Europaliga, als das Ergebnis es zeigt. Unser Anspruch bleibt bestehen.“ Dass Alba an seinen Visionen festhält, begründet Baldi auch damit, „dass ich von der täglichen Arbeit überzeugt bin, auch wenn wir hier und da etwas korrigieren müssen“. Das könnte etwa die ohnehin angedachte Verpflichtung eines weiteren Spielers sein.

Zuletzt spielte Alba 2003/04 in der Europaliga und gewann drei von 14 Spielen, in den beiden Jahren zuvor waren es maximal vier Siege, in den letzten Jahren im Uleb-Cup auch nicht mehr. Einzige positive Ausnahme war 2007 der Einzug ins Achtelfinale, wo Alba am späteren Champion Real Madrid scheiterte. Bisher wurde der deutsche Europaligastarter durch ein kompliziertes Punktesystem ermittelt, Alba liegt in dem Ranking nur auf Platz fünf. Künftig genießt der Deutsche Meister automatisch das Startrecht, Alba hat es also selbst in der Hand, sich in die Europaliga zu spielen. Auf dem Weg dorthin müssen sich die Berliner aber zunächst gegen die nationale Konkurrenz durchsetzen. Gegen den Bundesligazweiten Quakenbrück etwa, der in zehn Tagen in Berlin antritt. Quakenbrück hat im Uleb-Cup die nächste Runde erreicht.

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